Es soll ein sicherer Hafen werden, der allen offen steht: Einige Oberhaveler planen derzeit den ersten Regenbogen-Stammtisch für queere Menschen im Landkreis. Er findet am 23. September ab 19 Uhr im Oranienburger Kellerkind statt.
Noch immer laufen Diskriminierungen und Anfeindungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle unter dem Radar. Viele Täter werden nicht angezeigt. Aus Angst und Scham. „Jeder dumme Spruch macht etwas mit einem. Das ist nicht hinzunehmen“, sagt Jenny Luca Renner aus Hennigsdorf. Seit einem Jahr lebt die 36-Jährige dort.

Diskriminierung als täglicher Wegbegleiter

Anlaufstellen für einen Austausch von Erfahrungen unter Gleichgesinnten gibt es in Oberhavel kaum bis gar nicht. Jenny Luca Renner ist eine der Initiatorinnen des Regenbogen-Stammtisches. „Wir sind ein ehrenamtliches Kollektiv“, sagt sie. Angst vor Übergriffen und Diskriminierung sei ein ständiger Wegbegleiter. „Meine selektive Erfahrung ist, dass ich in Hennigsdorf viele Menschen wahrnehme, die ich dem rechten Spektrum zuordnen würde.“ Menschen, die nicht ihr Selbstbewusstsein haben, schüchtere das ein. „Es kann beängstigend sein.“
Die Idee für den Stammtisch entstand auf dem Dyke March in Berlin für mehr für lesbische Sichtbarkeit. „Wir haben überlegt, welche Möglichkeiten es für queere Menschen im ländlichen Raum gibt“, erzählt Carsten Schneider, Gemeindevertreter für die Linken in Oberkrämer. Es sollte etwas vor Ort entstehen. Viele queere Menschen orientierten sich nach Berlin und Potsdam. „Wir wollen uns einmal im Monat in lockerer Runde treffen“, so der 54-Jährige. Auch hier gehe es um Sichtbarkeit. „Wir wollen uns nicht verstecken.“

Keine politische Ausrichtung

Eine klare Ausrichtung für den Stammtisch gibt es noch nicht. „Wir wollen keine politische Schiene fahren“, so Schneider. Die Organisatoren sind alle Mitglieder bei den Linken. Der Stammtisch ist allerdings kein links ausgerichteter. „Für politisches Engagement gibt es die Landesarbeitsgemeinschaften in den Parteien.“ Schneider selbst habe dennoch Kontakt zu CDU und SPD aufgenommen. „Das Echo ist bislang positiv.“ Auch der Kreisjugendring signalisiere Unterstützung.
In erster Linie sei es ein Versuch, ein Netzwerk und Strukturen aufzubauen, Erfahrungen auszutauschen, so Jenny Luca Renner. Oft seien queere Menschen mit ihren Problemen alleine, da Angebote fehlen. Der Regenbogen-Stammtisch könnte das ändern. „Es ist als niedrigschwelliges Angebot gedacht“, sagt sie. Es soll gezeigt werden: „Du bist nicht alleine.“ Sie selbst habe in ihrem Jahr in Hennigsdorf kaum Schwule oder Lesben kennengelernt. „Es gibt keinen Anlaufpunkt.“ Und Plattformen wie PlanetRomeo und Grindr, wo sich Schwule austauschen und kennenlernen, gebe es für lesbische Frauen nicht.

Ein geschützter Raum für die Community

Doch die Plattformen reichen nicht, sagt Marty Kressin, ebenfalls Mitinitiator. „Vor Ort ist für uns nicht hier, obwohl wir hier unsere Lebensrealität haben“, sagt der 26-Jährige, der seit fünf Jahren in Hennigsdorf-Nord wohnt. Er selbst ist in der evangelischen Kirche aktiv. Auch dort gebe es Vorurteile. „Der Stammtisch soll ein geschützter Bereich sein. Allein das Angebot ist für die queere Community schon viel wert.“ Der Bedarf sei da, sind sich die Initiatoren einig. „Es ist eine Chance, alle zusammenzubringen“, sagt Jenny Luca Renner. Es werde nicht nach schwul, lesbisch oder trans sortiert. Jeder ist willkommen. Auch Heteros. „Alle, die solidarisch mit uns sind“, so Renner.
Erst einmal ist das Treffen als ergebnisoffen angesetzt. Carsten Schneider könnte sich aber durchaus vorstellen, auch aktiv in die Öffentlichkeit zu gehen – mit einem kleinen Pride March in Oranienburg vielleicht, einer Beteiligung an Demonstrationen gegen Rechtsextremismus oder einem Regenbogen-Café nach dem Vorbild aus Falkensee. Das sei aber erst der zweite Schritt. „Vordergründig geht es erst einmal ums Kennenlernen“, so Schneider.

Wofür steht LGBT?


Die Abkürzung LGBT ist aus dem Englischen übernommen und steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender).

Mittlerweile wird die Abkürzung um die Buchstaben Q für Menschen, die sich als queer sehen, sowie I für intersexuelle Personen und A für asexuelle Personen ergänzt. red