Lila Bäcker: Mitarbeiter fühlen sich nach der Insolvenz im Stich gelassen

Ein Jahr später: Nachdem im Januar 2019 Lila Bäcker einen Insolvenzantrag stellte, hat sich die Lage laut Aussagen des Unternehmens heute wieder stabilisiert. Für einige Mitarbeiter bleiben viele offene Fragen.
Tilman TrebsSechs Tage die Woche arbeitet sie, an den letzten vier Sonntagen stand sie morgens an der Theke, Urlaub gab es lange nicht mehr. „Meine Kinder sind es schon gewohnt“, sagt die alleinerziehende Mutter, die lieber anonym bleiben möchte. Sie arbeitet in einer Lila-Bäcker-Filiale in den S-Bahn-Gemeinden. Seit der Insolvenz herrsche dort Land unter.
„Wir haben einfach kein Personal“, so die Frau. In ihrer Filiale arbeiten nur sie und eine weitere Kollegin. Sechs Tage die Woche stehen sie hinter dem Ladentisch, nur so kann die Filiale ganztags offen bleiben. Der jungen Frau stehen eigentlich noch 15 Tage Urlaub aus dem Vorjahr zu. Doch nehmen kann sie diese derzeit nicht. Innerhalb der letzten zwölf Monate haben in diesem Geschäft mindestens vier Kollegen gekündigt. „Ich halte auch die Augen offen, denn ich weiß nicht, wie lange ich hier noch durchhalte“, so die junge Mutter, der die Erschöpfung anzusehen ist.
Neben dem Personalmangel, den mehrere Filialen beklagen, gebe es auch Probleme bei der Bezahlung, insbesondere beim Ausgleich für Überstunden. Für die Mitarbeiterin aus den S-Bahn-Gemeinden seien es etwa 600 Euro. Sie habe keine Zuversicht, das Geld jemals zu erhalten. Seit vier Jahren muss sie sich alleine um ihre beiden Kinder kümmern, da würden 600 Euro eine Menge ausmachen, sagt sie.
Eine Mitarbeiterin in Oranienburg beschreibt ein ähnliches Szenario. Sie habe im vergangenen Jahr fast 200 Überstunden angesammelt, die nicht mehr ausgezahlt werden. „Alle tun so, als ob es so in Ordnung wäre. Als ob nichts passiert ist“, sagt sie wütend. Grundsätzlich arbeite sie gerne für Lila Bäcker, da sie sich mit ihrer Kollegin gut versteht. „Aber es ist ein schlechtes Unternehmen.“
Lila Bäcker beschäftigt in Oberhavel rund 60 Mitarbeiter, insgesamt seien die Personalzahlen seit der Insolvenz leicht zurückgegangen, bestätigte Pressesprecher Jochen Mignat. Laut einer Pressemitteilung geht es der Firma langsam wieder besser. Die Situation stabilisiere sich. Von fehlenden Ausgleichszahlungen weiß Mignat nichts: „Alle Gehälter wurden ausgezahlt. Dazu gehört Gehalt plus Prämien“, sagt er. Lila-Bäcker-Mitarbeiter registrieren ihre Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto, das nach aktuellem Stand überall ausgeglichen sei. In einigen Filialen geschehe der Ausgleich mittels freier Tage, so Mignat.
Dies bestätigt auch Mitarbeiter Christian Runge, der in Oranienburg aushilft und sonst in Nieder Neuendorf arbeitet. Er merke deutlich, wie es wieder bergauf gehe. „Das Sortiment wird besser, die Stimmung wird besser“, sagt er. Ihm fehle kein Geld, er kenne auch niemanden, der noch auf Zahlungen warte. Mit Blick auf die Zukunft sagt er: „Ich bin optimistisch.“
Aktuelle Zahlen zu Lila Bäcker
Lila Bäcker beschäftigt insgesamt 2100 Mitarbeiter mit 270 Filialen im ganzen Land. Die Filialen befinden sich vor Allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. In Oberhavel sind es rund 60 Mitarbeiter, verteilt auf zehn Filialen. Laut Firma haben die meisten Filialen ganztags geöffnet, lediglich in sechs Filialen fehle dafür ausreichend Personal: An der Ostsee, in Neubrandenburg und in Potsdam. ⇥wal