Jetzt hat die Bergfelderin eine längere Geschichte illustriert: "Ping und Pong auf Kuckucks Balkon" von Franz Zauleck. Da nimmt ein älterer Herr, der eigentlich nur wie jeden Tag seine Zeitung kaufen wollte, unversehens einen kleinen Kerl mit nach Hause. Der heißt zwar Ping, will aber auf gar keinen Fall mit einem Pinguin verwechselt werden und ist auch sonst etwas merkwürdig.
Das spitzfindige Drehen und Wenden der Sprache ist Franz Zaulecks Part in diesem Büchlein, das in seinem leichtfüßigen Erzählstil und durch seinen märchenhaft-absurden Einschlag von Autoren wie Peter Hacks, Peter Bichsel oder Franz Hohler inspiriert sein könnte.
Elinor Weise und Franz Zauleck kennen sich seit Studientagen in der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo sie Gebrauchsgrafik und Illustration studierte und er Bühnenbild. Über die Jahrzehnte haben sie sich gelegentlich zufällig getroffen und einmal gemeinsam ausgestellt, erzählt Elinor Weise. Eines Tages habe ihr Zauleck das Manuskript zum Lesen geschickt. Da es ihr gefiel, habe er sie gefragt, ob sie es illustrieren wolle. Eine Herausforderung, wie sich herausstellte, berichtet Elinor Weise. Immerhin ist Zauleck nicht ausschließlich Kinderbuchautor, sondern vor allem auch ein Kollege auf dem Gebiet der Illustration. Anfangs habe sie deshalb eher seinen Stil vor Augen gehabt als ihren eigenen.
Nun ist die Bebilderung aber doch "typisch" Elinor Weise geworden: Sie geht sehr liebevoll mit den Protagonisten des Buches um und verleiht ihnen viel Charakter. Die Figuren leben von Elinor Weises Detailfreude und vielen wärmenden Farbtupfern. In den Gesichtern spiegeln sich Gefühle von schierer Lebensfreude im Kühlschrank bis zu tiefer Verzweiflung auf dem Treppenabsatz. Die Geschichte ist für alle geeignet, die schon lesen können und ihre eigene Welt und die anderer auch mal mit einem Lächeln betrachten. Sie handelt von vorsichtiger Annäherung und einer ungewöhnlichen Freundschaft. Denn Herr Kuckuck hat sehr wohl ein Herz!
Wer Ping, Pong, Herrn Kuckuck und den Planeten Bächlein nicht kennt, der hat vier Bildungslücken. Die zu schließen, ist zum Glück nicht schwer.
Franz Zauleck: Ping und Pong auf Kuckucks Balkon. Illustriert von Elinor Weise. Verlag Jacoby & Stuart Berlin, 118 Seiten, 12 Euro, ISBN 978-3-96428-024-4.
Beim zweiten Kunstfest auf dem Hohen Neuendorfer Skulpturen-Boulevard hat die Künstlerin Elinor Weise am 17. August einen Stand. Wer am 1. September auf dem Poetenfest in Erlangen ist, kann sie dort auch treffen.