Mauerfall
: Erinnerung an herausragende Zeiten

In Hohen Neuendorf wurde die Grenze zu Frohnau erst am 17. Februar 1990 geöffnet. Gefeiert wird aber wie überall im November. Der Bergfelder Naturschutzturm wurde dafür umgestaltet.
Von
Heike Weißapfel
Hohen Neuendorf
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Blick durch die Mauerreste auf kahles, totes Land: So sah es auf dem Grenzstreifen bei Bergfelde zur Wende aus. (Archivfoto)

Frank Liebke

Offizielles Gedenken, besinnliche Veranstaltung oder doch lieber eine Party zur Erinnerung an den Mauerfall? In Hohen Neuendorf haben sich viele Akteure und die Stadtverwaltung für alles zusammen entschieden. Am 9. November als Gedenktag kommt natürlich keiner vorbei. Aber auch an den 17. Februar 1990, den Tag, als in Hohen Neuendorf die Grenze zu Frohnau endgültig Geschichte war, erinnern sich noch viele – auch Bürgermeister Steffen Apelt. An dem Tag, als sich die Menschen auf der Straße drängten, sei ihm der Weg nach Frohnau, auf dem er viele Bekannte getroffen habe, direkt weit vorgekommen. „Wir sind uns doch erst im Laufe der Zeit bewusst geworden, was für ein herausragendes Ereignis das war und wie viele Veränderungen es mit sich brachte“, denkt er zurück.

Um diese positive Wahrnehmung von großen gesellschaftlichen Veränderungen soll es auch vornehmlich gehen. Da es nach 30 Jahren noch viele Zeitzeugen gibt, die viel erzählen können, ist nun eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Veranstaltungen geplant. Die Fäden von vielen Organisationen von den Bibliotheken über die Krichengemeinden und den Kulturkreis bis hin zum Jugendzentrum Wasserwerk laufen bei der Verwaltung zusammen, die dazu ein Faltblatt herausgebracht hat.

Grenzturm im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt steht zunächst trotzdem der 9. November. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Oberhavel hat den Nachmittag mit einem vielfältigen Programm am Bergfelder Grenzturm organisiert. Dort soll ein Memorial mit einer Ausstellung zur Geschichte der „Zeit der Mauer“ eröffnet werden. Es ist eine Klangcollage zu hören sowie eine Lesung mit dem Schauspieler Michael Pan zu erleben. Chöre und der Posaunenchor Bergfelde/Hohen Neuendorf musizieren, der auch am 17. Februar 1990 vor Ort war. Zudem ist der Film „Flüstern und schreien“ von Dieter Schumann zu sehen, der von der Untergrund-Musikszene der DDR handelt. Zu den Veranstaltern zählt neben der SDW das Marie-Curie-Gymnasium. Persönlich eingeladen hat die Stadt zu dem öffentlichen Nachmittag die Partner aus Frohnau und Vertreter der Partnergemeinden.

Was bei der Wiedervereinigungsparty „Typisch DDR – typisch BRD" am 21. Februar 2020 passiert, steht noch nicht fest. Mal zu testen, ob das alten Blauhemd von damals noch passt, kann aber nicht schaden.

Politische Wende vielfältig betrachtet

Eine Open-Air-Ausstellung am S-Bahnhof, die mit Bildern der Hohen Neuendorfer Fotografen Alfred und Brigitte Tham sowie des Fotografen Frank Liebke gestaltet wird, löst am 8. November die derzeit zu sehenden Tafeln "20 Jahre Stadtrecht" ab.

Um "Broiler", "Gummiadler" und andere "Gourmet-Begriffe" in "zwei Sprachen" geht es vielleicht am 26. November bei einem Drei-Gänge-Menü, das im Restaurant Strammer Max aufgetischt wird. Dafür zeichnet der Kulturkreis der Stadt verantwortlich.

Die Heimatfreunde Hohen Neuendorf setzen sich am 17. Januar mit Zeitzeugen im Rathaus aufs Podium. Sie berichten über das Leben mit der Grenze und den Fall der Mauer.

An Wäscheleinen, die die Waldjugend mit Genehmigung der Forstverwaltung zwischen den Linden über den Waldjugendweg spannt, soll am 26. Januar eine Fotoausstellung darüber zu sehen sein, wie sich der Grenzstreifen an dieser Stelle verändert hat.

Fotos, Fundstücke und Dokumente zum Thema Mauer sind am 8. und 9. Februar im Pavillon des Künstlerhofs Frohnau, der zeitweise Grenzaufsichtsstelle des West-Berliner Zolls gewesen ist, ausgestellt. Auf dem Künstlerhof hat die Waldjugend inzwischen ihr Domizil.

Grundschulkinder haben sich auf Spurensuche zum Mauerfall gemacht, die esie in ihren Klassen päsentieren. Zudem gibt es mehrere Lesungen für Kinder, die Susanne Guretzki, Nadja Felscher und Dieter Morisse gestalten. Über eine waghalsige Flucht aus der DDR mit einem Ballon berichtet Jonas Lieberknecht in einer Lesung und anschließender Bastelaktion.

Das Faltblatt mit allen Veranstaltungen zum Mauergedenken liegt im Rathaus zur Mitnahme aus.⇥hw