Mauerfall
: Grenze zwischen Glienicke und Hermsdorf wurde heute vor 30 Jahren geöffnet

Am 3. März 1990 wurde die Mauer zwischen Glienicke und Hermsdorf durchlässig. Die Gemeinde erinnert an das Ereignis auf dem Jahresempfang.
Von
Joachim Kullmann
Glienicke
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  • Geschätzt 15 000 Menschen kamen zur Öffnung der Mauer zwischen Glienicke und Hermsdorf. Zunächst konnten aber nur Fußgänger und Radfahrer passieren.

    Geschätzt 15 000 Menschen kamen zur Öffnung der Mauer zwischen Glienicke und Hermsdorf. Zunächst konnten aber nur Fußgänger und Radfahrer passieren.

    Michael Unger
  • So sah vor dem Mauerfall der Todesstreifen auf der Glienicker Seite aus.

    So sah vor dem Mauerfall der Todesstreifen auf der Glienicker Seite aus.

    Jachim Kullmann
  • Der Gedenkstein am Dorfanger erinnert die Öffnung der Mauer zwischen Glienicke und Berlin.

    Der Gedenkstein am Dorfanger erinnert die Öffnung der Mauer zwischen Glienicke und Berlin.

    Jachim Kullmann
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    Joachim Kullmann
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Es lag Schnee

Am 12. Februar 1990 tagte dazu ein „Runder Tisch“ in Glienicke. Er beschloss, die Mauer am 3. März 1990 zwischen Glienicke und Hermsdorf auf der heutigen Bundesstraße 96 zu öffnen. In einem Protokoll dazu steht: „Zum 3.3.90 ist ein Minimum an Organisation vorgesehen. Zu Fragen der Sicherheit und Ordnung berät sich der Bürgermeister mit der Polizei aus Berlin/West, unserer Volkspolizei und Vertretern der Grenztruppen.“

Die Abriss– und Rekonstruktionsarbeiten waren schließlich soweit gediehen, dass am Morgen des 3. März 1990 (es lag Schnee!) die Mauer auf der B 96 zwischen Glienicke und Hermsdorf für den Fußgängerverkehr feierlich geöffnet werden konnte. Um 9.45 Uhr durchschnitten der Vorsitzende der Kreisleitung Oranienburg, Dirk–Uwe Michaelis, und der Reinickendorfer Bezirksbürgermeister Detlef Dzembritzki das symbolisch trennende Band.

Unvergessliches Volksfest

Von der Oranienburger Straße in Glienicke und der Berliner Straße auf Hermsdorfer Seite ergoss sich jeweils ein riesiger Menschenstrom — das begann das unvergessliche Volksfest. Die Ortseingänge von Glienicke und Hermsdorf verwandelten sich zu einer riesigen Festmeile. Glienicke grüßte mit einem mehrere Quadratmeter großen Plakat auf schwarz–rot–goldenem Grund ohne Hammer und Zirkel „Guten Morgen Deutschland“ — eine prophetische Absage gegen die historisch daneben gegangene und weitere Existenz zweier deutscher Staaten in Europa. Musik– und Tanzgruppen gaben ihr bestes, Imbissstände verkauften für Ost– und Westgeld ihre Ware, Gewerbetreibende hatten Stände aufgebaut und in Glienickes Gartenstraße rotierte ein Wildschwein am Spieß. Irgendwo gab es Erbsensuppe aus einer dampfenden Gulasch–Kanone. Glienicker und Hermsdorfer verteilten begeistert vor ihren Anwesen Schmalzstullen und selbst gebackenen Kuchen. Aus Lautsprecherboxen dröhnte immer wieder „Steige hoch du roter Adler“, die heimliche „Nationalhymne“ der Mark Brandenburg. CDU, SPD, LDP, FDP. und die rechtsorientierten Republikaner aus Frohnau und Hermsdorf waren mit Informationsständen vertreten. Die Glienicker präsentierten sich mit Informationsmaterial vom Grünen Forum, dem Konziliaren Gesprächskreis und der noch kurz vor dem Mauerfall in der DDR heimlich gegründeten Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP).

Die Post in Glienicke hatte sogar für Sammler einen Sonderbrief herausgegeben — mit Marke und Stempel 3. 3. 90.

Am Dorfanger erinnern ein 3,5 Tonnen schwerer Gedenkstein aus Granit–Gneis mit Bronzetafel und eine an diesem Tag gepflanzte Linde an das große Ereignis.

Diese Wiederbegegnung von Ost und West nach über erdrückenden 28 Jahren hinterließ Erinnerungen emotionaler Art bis heute. Fremde Menschen umarmten sich, Tränen der Rührung und Freude flossen. DDR–Grenzpolizisten und Westberliner Polizisten sowie Zollmitarbeiter sah man in erster Kontaktaufnahme, uniformierte französische Offiziere besuchten das noch DDR–regierte Glienicke, da der Bezirk Reinickendorf innerhalb Westberlins französischer Sektor war. Das Fazit dieses Ereignisses: „Unvergesslich, einmalig!

Letzte Großveranstaltung

Etwa 15 000 Besucher aus Glienicke, Hermsdorf, Frohnau, Lübars und weiteren angrenzenden Orten nahmen diesen historisch Moment euphorisch wahr, zumal es auch die letzte offizielle Großveranstaltung dieser Art im Berliner Raum und seiner unmittelbaren Umgebung war.

In Glienickes über 600–jährigen Geschichte war es neben dem Untergang des NS–Systems und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren das herausragendste historische Ereignis.

In Glienicke wird auf dem Jahresempfang der Gemeinde am 25. März an dieses historische Ereignis erinnert.

Unser Autor Joachim Kullmann ist als Ortschronist in Glienicke tätig.