Mauerfall-Veranstaltung
: Dokumentation über eine zerrissene Familie

Im Hohen Neuendorfer Rathaussaal erzählen ein Film und Autorin Marion Brasch vom Leben und Leiden in der DDR.
Von
Friderike Kersten
Hohen Neuendorf
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Marion Brasch stellt sich im Hohen Neuendorfer Rathaus den Fragen von Moderatorin Ariane Fäscher (li).

Friederike Kersten

Als jüngste Tochter von Horst Brasch, der Seite an Seite mit SED-Funktionär Erich Honecker arbeitete und mit ihm die FDJ gründete, nahm sie die DDR und den Mauerfall aus einer ganz anderen Perspektive wahr.

Produziert wurde der Dokumentarfilm von Annkathrin Henschel. „Familie Brasch“ wurde 2018 veröffentlicht. Er basiert auf Marion Braschs Buch „Ab jetzt ist Ruhe“. Henschel rekonstruierte die Geschichte jedes Familienmitglieds der Braschs – angefangen mit Horst Brasch als Vater über Mutter Gerda Brasch und ihre vier Kinder (Thomas, Peter, Klaus) und schließlich auch Marion Brasch als jüngstes Kind.

Fesselnd und tiefgründig

Die Dokumentation erzählt in 106 fesselnden, emotionalen und auch tiefgründigen Minuten über Horst Brasch, der sein Leben ganz dem DDR-Regime und dem Gedanken des erfüllenden Sozialismus widmete. Seine Söhne befassten sich mit Kunst und Kultur und richteten sich gegen den Vater, der seine Ideologie sogar über das Wohlergehen seiner Kinder stellte. Thomas Brasch ging in den Westen, um seine Werke veröffentlichen zu können und das Leben zu führen, das er sich wünschte. Es wird berichtet, wie Horst Brasch und seine Frau starben und später auch ihre Söhne.

Der Film gibt Einblicke, wie die Ideologie des Sozialismus die Familie gespalten hat. Dazu werden viele Interviews mit Verwandten und Bekannten der Braschs gezeigt. Es wird beleuchtet, wie Thomas und Peter Brasch das Denken vieler beeinflussten.

„Es ist schon verständlich, dass Menschen, die binnen kürzester Zeit die DDR errichteten aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges, an diesem Regime festhalten. Dass sie das, was sie anfänglich für das Gute hielten, auch weiterverfolgen wollen und dass sie mit ursprünglich guten und richtigen Gedanken an die Sache herangegangen sind. Doch man muss sich auch eingestehen, wenn eine Sache gescheitert ist“, sagte Marion Brasch im Publikumsgespräch nach dem Film auf die Frage, ob sie die DDR als etwas Gutes ansehen würde. „Mein Leben in der DDR war in Ordnung. Ich weiß, dass es andere Fälle gibt, aber mein Leben war in Ordnung.“

Und auch die Frage, ob sie ihre Familie denn geliebt habe, trotz der Streitigkeiten und Missverständnisse, sagt sie: „Ich habe meine Eltern oftmals nicht verstanden und sie dennoch bedingungslos geliebt.“

Als einziges noch lebendes Mitglied der Familie Brasch erzählt sie ihre Geschichte und gibt damit ganz verschiedene und auch neue Einblicke in die Geschichte und die Ideologie der DDR.

Grundlagewar der Roman

Das Roman von Marion Brasch "Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie" erschien 2012 im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

Marion Brasch ist 58 Jahre alt. Sie wurde 1961 in Ostberlin geboren. Sie ist eine deutsche Hörfunkjournalistin und Schriftstellerin.⇥ker