Plötzlich ist der Platz vor dem Wensickendorfer Feuerwehrdepot voller Frauen, Männer und Kinder auf Rädern. Sie kommen aus Mühlenbeck, Summt, Zühlsdorf und Zühlslake, aus Kreuzbruch, Zehlendorf und aus Wensickendorf selbst.
Rund 180 Erwachsene und Kinder haben am Sonnabend für einen ortsverbindenden Radweg an der Landesstraße 21 demonstriert. „Wir müssen kontinuierlich Druck auf die Landesregierung machen, dass Gelder für den Bau bereitgestellt werden“, sagt Wensickendorfs Ortsvorsteher Heinz Ließke (Freie Wähler) unter Beifall.

Mobilität ist aktuell überall Thema

Immerhin sei das Thema Radwege präsent , verdeutlicht Joana Ohme, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) Radweg  L 21: So gebe es mit dem Mobilitätskonzept 2040 des Landkreises und auch dem Verkehrskonzept der vier S-Bahngemeinden verschiedene Ansätze.
Die Dringlichkeit des Anliegens unterstützen die Ortsvorsteher von Kreuzbruch, Zehlendorf, Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zühlsdorf und Mühlenbeck mit einer Petition, die Mühlenbecks Ortsvorsteher Jens Berschneider (Freie Wähler) verliest und die alle sechs vor Ort unterschreiben. Er verweist auf die extreme Verkehrsbelastung, der die L 21 täglich ausgesetzt ist.

Radnutzung im Alltag und in der Freizeit

„Die Erhöhung der Fahrradnutzung im Alltagsverkehr und die Unterstützung des Fahrradtourismus in unserer Region sollte unser gemeinsames Ziel sein“, zitiert Jens Berschneider aus dem Brief an den Petitionsausschuss des Landtages. Ein weiteres Ziel ist die Schaffung eines Radwegenetzes an die weiterführenden Radwege der Orte.
Der Radweg an der L 21 sollte höchste Priorität genießen, fordert Berschneider und nennt die Kriterien: Schulwegsicherung, Lückenschluss zur Unterstützung von Mobilitätsketten, Verbesserung der Stadt-Land-Beziehungen, Anbindung an Bahnhöfe, Lückenschluss touristischer Radfernrouten und eine Verkehrsbelastung von über 2500 Kraftfahrzeugen pro Stunde.

Öffentlichkeit erzeugt Druck

„Es ist unglaublich wichtig, dass so viele Menschen diesen Druck auf die Straße bringen“, sagt der Landtagsabgeordnete Heiner Klemp (B90/Grüne). „Wir müssen im Landtag nicht nur die finanziellen Mittel für den Radwegebau bereitstellen, sondern auch das Personal aufstocken, damit diese auch geplant werden können.“ Denn Personalmangel sei ein stark bremsender Faktor. „Wir brauchen an allen Landesstraßen straßenbegleitende Radwege“, sagt Klemp unter Applaus. Denn jede Straße, die für den Autoverkehr wichtig sei, habe dieselbe hohe Bedeutung für den Radverkehr. Und: „Wir wollen nicht wieder 16 Jahre warten wie auf den Radweg Wensickendorf-Wandlitz.“

Initiativen vernetzen

Dagmar Munkwitz vom ADFC-Landesvorstand rät dazu, sich auch mit anderen Initiativen in der weiteren Umgebung abzustimmen und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an sein Versprechen zu erinnern, für den Ausbau von Radwegen 900 Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen. „Darauf kann man sich doch berufen“, meint sie.
Der ADFC-Fahrradklima-Test 2020, eine breit angelegte Umfrage des Verbands, liegt zum Mitnehmen bereit. Unterschriften werden gesammelt, auch für die Volksinitiative „Verkehrswende Brandenburg - jetzt!“ Fest steht auf jeden Fall: Die BI Radweg L 21 lässt nicht locker. Weitere Einladungen zu Fahrrad-Demos werden folgen.