Mobilität: Radweg zwischen Summt und Wensickendorf in weiter Ferne

Ein Schild in Summt weist auf den fehlenden Radweg an der L 21 hin.
Tilman TrebsGerade weil es diesen Weg abseits der Straße gibt, sieht die Landesregierung keinen vordringlichen Bedarf für den Bau eines Radweges entlang der L 21. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Heiner Klemp (Oranienburg), Thomas von Gizycki (Borgsdorf) und Clemens Rostock (Hennigsdorf) hervor. Sie wollten wissen, warum der Radweg nicht auf der aktuellen Bedarfsliste steht. "Die Maßnahme ist nicht Bestandteil der aktuellen Bedarfsliste, da es eine vom Landkreis ausgewiesene Alternativroute gibt. Diese ermöglicht den Radfahrenden in der Region, abseits der Landesstraße von Ort zu Ort zu kommen“, heißt es in der Antwort des Infrastrukturministeriums.
Landkreis–Sprecherin Ivonne Pelz, bestätigte auf Anfrage, dass es einen Weg durch den Wald gebe. „Die Route ist vom Landkreis seinerzeit ausschließlich unter touristischen Gesichtspunkten im Rahmen der Knotenpunktwegweisung betrachtet worden“, sagte sie. „Der Radweg durch den Wald war und ist allerdings kein Alternativvorschlag des Landkreises Oberhavel für den aus unserer Sicht erforderlichen straßenbegleitenden Radweg zwischen Summt und Wensickendorf an der Landesstraße L 21“, so die Sprecherin. Der touristische Radweg durch den Wald sei aus Sicht des Landkreises insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Schulwegsicherung nicht zumutbar und für Alltagsradfahrer kaum geeignet, da er weder befestigt noch beleuchtet sei. „Den Bau des straßenbegleitenden Radwegs an der L 21 hält der Landkreis Oberhavel weiterhin für unverzichtbar“, sagte Ivonne Pelz. Dies habe der Landkreis gegenüber dem Land Brandenburg mehrfach entsprechend kommuniziert.
Der Bürgermeister der Gemeinde Mühlenbecker Land, Filippo Smaldino (SPD) sagte den Bündnisgrünen dazu: „Selbst für Erwachsene ist dieser Weg eine Zumutung, da man irgendwann mit dem Fahrrad im Sand stecken bleibt. Für Schulkinder ist er spätestens bei Dunkelheit im Herbst und Winter nicht befahrbar“, so der Bürgermeister.
Das sieht auch Joana Ohme (B90/Grüne) so. Die Gemeindevertreterin ist eine Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Radweg L 21“, in der inzwischen die Ortsvorsteher von Mühlenbeck, Zühlsdorf, Wensickendorf und Kreuzbuch aktiv sind. Sie lässt gerade vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) prüfen, ob der Waldweg aus rechtlicher Sicht überhaupt als Alternative angesehen werden darf. Die BI will dieses Jahr auch an der Beratung zur Aktualisierung der Bedarfsliste teilnehmen. Zudem soll eine neue Petition gestartet werden.
Sternfahrt und Sommerfest
Für den 22. August plant die Bürgerinitiative eine Sternfahrt mit dem Fahrrad. Eine Gruppe macht sich von Kreuzbruch und Wensickendorf aus auf den Weg nach Zühlsdorf, eine andere kommt aus Summt und Mühlenbeck. Auf dem Zühlsdorfer Sportplatz findet dann nach derzeitigem Stand der Planung ein Sommerfest statt. Die genauen Startpunkte und –zeiten werden noch bekannt gegeben. Die BI hat bereits drei Protestfahrten organisiert. Ziel ist es, den Lückenschluss für Radfahrer entlang der L 21 von Kreuzbruch bis Mühlenbeck zu realisieren.
Keinen Plan für Weg an L 171
Thomas von Gizycki wolle jetzt bei der Landesregierung dafür werben, dass zumindest die Strecke zwischen Summt und Wensickendorf wieder auf die Prioritätenliste kommt. Er kritisierte weiter, dass es für den Lückenschluss des Radweges am Ortsausgang Hohen Neuendorf entlang der L 171 in Richtung Schönfließ/Bergfelde noch keinen konkreten Zeitplan gebe, wie in der Antwort der Landesregierung ebenfalls deutlich wurde. Laut Landesregierung ist die Maßnahme Bestandteil der Bedarfsliste für den Neubau von Außerortsradwegen an Landesstraßen und der Kategorie „vordringlicher Bedarf“ zugeordnet. Projekte dieser Kategorie sollen im Zeitraum bis 2030 geplant und umgesetzt werden. Da allerdings für den Radweg entlang der L 171 bisher keine Planungsschritte eingeleitet worden seien, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch keine Aussage zum Realisierungszeit–raum möglich.
„Ich werde mich dafür einsetzen, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung auf 20 Millionen Euro für den Radwegeausbau zum Anlass genommen wird, die Prioritätenliste jetzt neu zu erstellen“, betont der finanzpolitische Sprecher seiner Fraktion.
