Müll in Oberhavel: Neue Entwicklung im Streit um Mülltonnen-Leerung in Einbahnstraßen

Die Geschäftsführer der Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH (AWU): Stefan Günther und Manfred Speder
Stefan ZwahrIn Oberhavel erfolgt die Abfallentsorgung durch die AWU – seit Jahren zur allgemeinen Zufriedenheit. Seit Juli 2023 gibt es jedoch auch andere Stimmen. Frust macht sich breit, seitdem Entsorgungsfahrzeuge bestimmte Straßen nicht befahren dürfen. Die Suche nach abschließenden Regelungen läuft. Bis dahin greift eine Zwischenlösung – und ein Problem wurde komplett gelöst.
Darüber informierte die Kreisverwaltung am Dienstag, 17. Oktober, in schriftlicher Form. „Der Sperrmüll muss auch aus engen Straßen oder Sackgassen nicht meterweit zum Abholort getragen werden“, heißt es in der Mitteilung. „Die Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH (AWU) darf den Sperrmüll in Oberhavel wieder direkt vor der Haustür abholen.“ Das sei das Ergebnis der Gespräche, die die AWU unlängst mit der Berufsgenossenschaft Verkehr erzielt hat.
Das sagt Landrat Alexander Tönnies
Dass der Sperrmüll aus engen Straßen wieder direkt vor der Haustür abgeholt werden darf, liegt nach den Darstellungen des Landkreises vor allem daran, dass die Sperrmüllentsorgung nicht zur regelmäßigen Entsorgung zählt. „Sie muss also nicht täglich und über Stunden mit einer Person am Steuer stattfinden.“ Die Ausnahme ist an Voraussetzungen gebunden. So lässt die Berufsgenossenschaft Verkehr das Rückwärtsfahren nur dann zu, wenn ein geschulter Einweiser vor Ort ist. Außerdem erlaubt die Berufsgenossenschaft das Rückwärtsfahren nur ein- bis zweimal pro Tour.
„Das macht es den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in diesem Punkt leichter und schafft mehr Klarheit für alle Seiten“, wird Landrat Alexander Tönnies (SPD) zitiert. „Aber die Gespräche werden weitergehen – mit den Kommunen, die für den Straßenausbau zuständig sind, und innerhalb der AWU, um vernünftige Lösungen zu schaffen“
Tönnies meint damit Lösungen, „die es Bürgerinnen und Bürgern erspart, schwere Tonnen meterweit zu ziehen, und gleichermaßen Sicherheit für Passanten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWU schafft“. Wenn eines unbedingt verhindern wollen, „dann sind es tödliche Unfälle, wie es sie durch schwere Lastfahrzeuge leider immer wieder gibt“.
Darum darf die Müllabfuhr nicht rückwärts fahren
Um genau solche tödlichen Unfälle zu verhindern, ist das Rückwärtsfahren für die Müllabfuhr bundesweit nicht erlaubt. Die „Unfallverhütungsvorschrift Müllbeseitigung“ der Berufsgenossenschaft Verkehr sage aus Sicht des Landkreises klar aus, dass Stellplätze nur angesteuert werden dürfen, wenn nicht rückwärtsgefahren werden muss. „In Oberhavel hat die AWU in den vergangenen Jahren bereits an verschiedenen Orten Bürgerinnen und Bürger auffordern müssen, ihre Mülltonnen nicht mehr direkt vor der Haustür, sondern an ausgewiesenen, für die AWU-Fahrzeuge gut erreichbaren Standorten bereitzustellen.“
Die Zahl der Betroffenen sei in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Grund ist eine Schulung zur Unfallverhütung, die AWU-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter von Neuem sensibilisierte. Die Männer und Frauen, die täglich Tonnen mit Hausmüll, Papier, Pappe und Gelbe Tonnen leeren, hätten daraufhin immer mehr Straßen im Landkreis gemeldet, „die zu schmal sind und keine Wendemöglichkeit für Müllfahrzeuge bieten“. Inzwischen sind knapp 300 Straßen betroffen.
So sieht die Zwischenlösung für Betroffene aus
Solange die Anwohnerinnen und Anwohner dieser Straßen kein Hinweisschreiben der AWU bekommen, in dem ihnen ein neuer Standort für die Mülltonnen genannt wird, ziehen die AWU-Mitarbeitenden die Tonnen zum Müllfahrzeug, entleeren sie und bringen sie anschließend zum Grundstück zurück.
Der Landkreis teilt weiterhin mit: Jede einzelne der in Oberhavel betroffenen Straßen wird besichtigt. Bei knapp 140 Straßen sei dies bereits geschehen. Teilweise könne eine Wendemöglichkeit wieder hergerichtet werden, beispielsweise in der Elisabeth- und der Viktoriastraße in Schildow. In anderen Fällen, wie am Sittelskanal in Kremmen, wurden Poller oder Steine aus Wendebereichen entfernt oder Bäume und Sträucher beschnitten.
Gibt es keine kurzfristige Lösung, wird den Anwohnerinnen und Anwohnern per Post ein alternativer Bereitstellungsplatz für die Abfalltonnen genannt. Die Lösungssuche geht aber auch in diesen Fällen mit den Kommunen, die für den Straßenausbau zuständig sind, weiter. Auch die AWU selbst suche weiterhin nach praktikablen Lösungen.



