Muslime: Zuckerfest nach 30 Tagen fasten

Sitzen um den gedeckten Tisch (v.l.): Baraa, Fatima, Tasneen, Rami, Mohammad, Khaula, Mahmoud und Mohammad.
Klaus D. Grote„Das ist alles selbst gemacht“, sagt Mohammad Abu-Nabud. Neben einer großen Obstschale liegen unterschiedliche Kekse auf Tellern. Auf die Frage, was sie davon am liebsten mag, zeigt Fatima auf das Ma‘amoul. Das ist mit Datteln gefülltes Grießgebäck. Außerdem gibt es den syrischen Milchreis Riz bi Halib und arabischen Kaffee mit Kardamom. Die Frauen bereiten in der Küche das Abendessen vor.
„Traditionell gehen wir heute in die Moschee, kleiden uns festlich, und die Familien besuchen sich untereinander“, sagt Mohammad Abu-Nabud. Sein Freund Mohammad Ramadan reist deshalb noch am Abend zusammen mit seinem Sohn Mahmoud in die Türkei. „Meine Mutter und meine Schwestern leben dort“, sagt Mohammad Ramadan, der selber ein bisschen lachen muss, als er seinen Namen erklärt. Denn Ramadan, die Fastenzeit, ist nun vorbei. 30 Tage lang haben gläubige Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nichts gegessen und nichts getrunken. „Das ist in Deutschland sehr schwer. 18 Stunden!“, sagt Mohammad Ramadan. Sie hätten es alle durchgehalten, auch Fatima. Schließlich wurde sie zum Zuckerfest belohnt: mit einem Handy. Vor allem Kinder dürfen sich zum Zuckerfest auf Geschenke freuen.
Besonders schwer sei ihr das Fasten aber am letzten Tag gefallen, sagt die Zwölfjährige, die die Waldschule besucht. Selbst bei der großen Hitze am Montag habe sie nichts getrunken. Zum Glück gab es mittags Hitzefrei. „Das Fasten ist eine Probe“, sagt Mohammad Abu-Nabud. Jeden Abend wurde gemeinsam gespeist. Das Mahl beginnt jeweils mit drei Datteln. Das sei eine Empfehlung des Propheten Mohammed gewesen. Der Zucker der Dattel bereite den Körper am besten auf die weitere Nahrungszufuhr vor. Immerhin wird nach 18 Stunden Abstinenz oft kräftig getafelt.
Obwohl das Zuckerfest, nach dem Opferfest das wichtigste Datum im Kalender der Muslime, ein freudiges Ereignis ist, blickt Rami etwas traurig. Neben seiner Tochter Fatima und ihren jüngeren Schwestern Baraa und Tasneen hatte er eine weitere Tochter, die bei einem Bombenangriff in Syrien starb. Haus und Garten in dem Dorf nahe Damaskkus seien zerstört, sagt Rami. „Wenn wir zurückgehen, ist nichts mehr da.“ Er kann auch nicht einfach seine Familie zum Zuckerfest besuchen. Die Geschwister haben die Heimat auf der Flucht vor dem Krieg verlassen und leben auf der Welt zerstreut in Oslo, Sidney, Stuttgart, der Türkei und auf Malta. „Wir würden gern zurückkehren“, sagt Rami. Aber das gehe erst, wenn der Diktator Assad nicht mehr an der Macht sei, ergänzt Mohammad Abu-Nabud.
Eid Mubarak wünschtman zum Zuckerfest
Das Zuckerfest folgt dem 30-tägigen Fastenmonat Ramadan. Höhepunkt des Festes ist der erste Tag, der mit der Sichtung des Neulichtes nach dem Neumond beginnt. In muslimischen Ländern gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. Im Türkischen heißt es "Ramazan-Fest" oder Zuckerfest. Im Kurdischen wird es Remezan genannt. Zum Fest gehört der Besuch einer Mosche.
Eid Mubarak wünscht man Muslimen zum Fest.⇥kd