Nachruf: Zum Tod von Heidrun Baumgardt-Knox - das darstellende Spiel war ihr Leben

Heidrun Baumgardt-Knox ist am Montag im Alter von 74 Jahren gestorben.
privat„Heidrun war eine Lehrerin mit einem ganz großen Herz“, sagt Gerrit Große. Bis zu ihrem Einzug in den Landtag im Januar 2001 arbeitete sie mit Baumgardt-Knox zusammen. „Ich behalte sie als unglaublich inspirierende und kluge Deutschlehrerin in Erinnerung, die das darstellende Spiel – lange, bevor es im Land eine Rolle spielte – zu dem gemacht hat, was es heute ist.“
1989 habe Baumgardt-Knox mit dem angefangen, was später die Theatergruppe „Obst“ wurde, erinnert sich Helga Stettin. Sie war schon bei Runge, als die damalige Borgsdorferin 1976 als Lehrerin für Deutsch und Englisch an die Einrichtung kam. „Sie brachte sich schon zu EOS-Zeiten in vielfältiger Form ein“, bemerkt Stettin, „ganz besonders bei der Theatergruppe“.
Diese sei immer ihr Baby gewesen, betont Ortrun Helms. „Eigentlich hat Heidrun ihren Beruf verfehlt. Sie hätte in Theaterkreise gemusst.“ Die Pädagogin – die weltoffen, belesen und kreativ gewesen sei – habe sogar ein Zusatzstudium absolviert, um darstellendes Spiel unterrichten zu können. Mit den Inszenierungen sorgte die Gruppe „Obst“ für Furore, erlangte Bekanntheit weit über die Stadtgrenzen hinaus. Helms betont, dass nicht nur der künstlerische Aspekt wichtig gewesen sei. „Viele Schüler gewannen durch die Teilnahme ganz viel Selbstvertrauen.“ In Briefen, die ihr zuletzt auf persönlichen Wunsch zugegangen waren, bekundeten viele ehemalige Schüler und Wegbegleiter, dass Baumgardt-Knox großen Anteil an ihrem Werdegang hatte.
Auch Ex-Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke schrieb ihr. "Sie war eine Ausnahmelehrerin und eine ganz besondere Frau, die ihren Schülern auf Augenhöhe begegnete.“ Mit der Theatergruppe habe die Pädagogin, die eine natürliche Autorität gehabt habe, Werbung für die Stadt betrieben. „Bei ihr war Unterhaltung mit Haltung verbunden.“
Nach der politischen Wende hatte Heidrun Baumgart-Knox – deren Elternhaus in Birkenwerder steht – schnell Kontakte ins westfälische Essen geknüpft. "Bei ihr kam die Frage auf, wie sich die dortige Theatergruppe finanziere“, berichtet Helga Stettin. „Als Ergebnis brachte sie die Idee vom Förderverein mit. Dass wir diesen 1992 als Ersten in Brandenburg gegründet haben, ist ihr Verdienst gewesen.“
Zu ihren Schülern habe die Mutter zweier Kinder, die im Jahr 2004 als erste Lehrkraft den Rungepreis bekam, immer guten Kontakt gepflegt. „Obgleich es ihr so schlecht ging, war sie im März beim Treffen ihrer ersten Klasse, die sie 1980 zum Abitur geführt hatte.“ Gerrit Große erinnert sich an die unglaubliche Energie und den lebensbejahenden Optimismus der Verstorbenen. „Sie hatte immer den Blick für das Schwierige in den Biografien ihrer Schüler. Vielen hat sie dadurch geholfen, auf den richtigen Weg zu kommen.“
2007 verließ Heidrun Baumgardt-Knox ihre Heimat, lebte mit Mann Gordon in der Grafschaft Northumberland in England. „Sie ist das große Risiko eingegangen, das Land zu wechseln“, so Gerrit Große. Auch in der neuen Umgebung habe sie die Kraft und das Talent gehabt, um sich im Theater oder einem Lesezirkel einzubringen und war auch kommunalpolitisch aktiv. „Ich empfinde riesige Hochachtung“, sagt Gerrit Große. Ihre Ex-Kollegin, mit der sie bis zuletzt engen Kontakt hatte, behält sie so in Erinnerung: „Ich sehe die gesunde Heidrun, die unglaublich viel lacht.“
