Mit mindestens einem Jahr Verspätung geht die Heidekrautbahn auf ihrer Stammstrecke durch Nordberlin und Oberhavel an den Start. Mit der Fertigstellung der zirka 14 Kilometer langen Strecke, die durch Schildow und Mühlenbeck führt, wird jetzt zum Fahrplanwechsel 2024, also Ende des Jahres gerechnet.

Komplexe Planungen

Das bestätigten sowohl die Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB) als Betreiberin der Strecke als auch der Berliner Verkehrssenat auf Anfrage unserer Zeitung. Ursprünglich sollten die Arbeiten Ende 2023 beendet werden.
„Die Wiederinbetriebnahme wird von der Niederbarnimer Eisenbahn-AG und den i2030-Partnern für Ende 2024 angestrebt. Die Verschiebung des Termins begründet sich einerseits mit den komplexen Planungsvorbereitungen für die  Strecke sowie den verzögerten Abstimmungen mit den Behörden, die durch die verschärften Pandemiebestimmungen entstanden sind“, erklärte eine NEB-Sprecherin.

Kosten-Nutzen-Analyse wird aktualisiert

„Die Realisierung wird länger dauern, als bisher geplant“, räumte auch Constanze Siedenburg, kommissarische stellvertretende Sprecherin des Berliner Verkehrssenats, ein. Denn die Finanzierung sei immer noch nicht abschließend geklärt. Im vergangenen Herbst ging NEB-Chef Detlef Bröcker von einem Gesamtvolumen von 25 Millionen Euro aus.
Damit die Länder Berlin und Brandenburg den Bund als Fördermittelgeber für die Baukosten gewinnen können, sei die Aktualisierung der zehn Jahre alten Kosten-Nutzen-Untersuchung als ein notwendiger Baustein des Projektes dazugekommen. Gegenwärtig werde daher mittels einer standardisierten Bewertung die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nachgewiesen. Das Ergebnis wird für den Frühsommer 2021 erwartet. Pa­rallel dazu würden die beiden Länder die Finanzierung der Ausführungsplanung absichern, um so den erforderlichen Planungsvorlauf und die Bauablaufplanung ohne Verzögerungen vortreiben zu können.

Spatenstich im September

Die Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn ist das erste Vorhaben des Infrastrukturprojektes „i2030“, das bereits umgesetzt wird. Der symbolische Spatenstich dafür fand am 11. Dezember vor dem Berliner S-Bahnhof Wilhelmsruh statt.
Dort befand sich bis 1961 auch der ursprüngliche Start- und Zielpunkt der Heidekrautbahn. Dieser wurde mit dem Mauerbau  gekappt. Insgesamt sollen auf der Stammstrecke acht Haltepunkte neu entstehen oder reaktiviert werden. Die Strecke Basdorf – Schönwalde – Schönerlinde – Karow wird auch nach Reaktivierung der Stammstrecke weiterhin wie bisher im Halbstundentakt bedient.

Fernes Ziel ist Gesundbrunnen

Nach der Inbetriebnahme wird angestrebt, die Stammstrecke über die Nordbahn bis nach Berlin-Gesundbrunnen durchzubinden. Dieses Teilprojekt läuft unter der Federführung der Deutschen Bahn. Ein Termin für die Durchbindung steht derzeit noch nicht fest.
Langfristig sollen auf der Stammstrecke Züge mit Wasserstoffantrieb aus erneuerbaren Energien verkehren. Einen Termin für diese Premiere nannten Brandenburgs Minister für Infrastruktur, Guido Beermann (CDU), und Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, beim Spatenstich im Dezember allerdings nicht. Bereits 2019 hatten die NEB und der Zughersteller Alstom den weltweit ersten Wasserstoff-Personenzug „Coradia iLint“ bei einer Sonderfahrt in Basdorf vorgestellt. Zwischen Wensickendorf und Schmachtenhagen soll eine Wasserstoffanlage für die Heidekrautbahn entstehen. Das Vorhaben ist vor Ort aber umstritten.