Naturrätsel: Johnny, der Walker aus Linde, ist ein Türkischer Maikäfer

Glücksfund: Dieter Schade aus Linde rettete dem "Walker" das Leben. Vielleicht sieht er in einigen Jahren den Nachwuchs.
PrivatBei dem unbekannten Käfer, den Schade aus dem Skimmer seines Pools holte, handelt es sich um einen Walker – auch Türkischer Maikäfer genannt. „Der Käfer ist eher selten bei uns zu finden, und Funde sind schon etwas Besonderes“, sagte Mandy Schröter. Eine Verbreitungskarte, welche alle Sichtungen vom Walker in Brandenburg aufzeigt, existiert ihres Wissens nicht. Das Tier wurde aber zum Beispiel entlang des Oderbruchs von Zeit zu Zeit gesichtet. Im Naturpark Stechlin–Ruppiner Land gibt es dagegen vereinzelt Exemplare, im benachbarten Naturpark Barnim, zu dem auch Teile Oberhavels gehören, ist er nach Angaben von Leiter Dr. Peter Gärtner noch nicht registriert worden. „Ich habe noch nie einen gesehen“, sagte er neidisch mit Blick auf den Linder Dieter Schade.
Einige unserer Leser hatten dagegen auch das Glück, den Walker (Polyphylla fullo) zu sehen. Jens und Anke Finke haben den Käfer in ihrem Garten in Schernsdorf (Kreis Oder–Spree) gesichtet. Der Walker ist auch das „Maskottchen“ des Naturparks Dahme–Spreewald.
Er gehört zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae). „Das Geschlecht des Käfers erkennt man recht leicht an der Fühlerkeule, die beim Männchen stärker gefächert und größer ausgeprägt ist als beim Weibchen“, erklärt die Expertin Mandy Schröter. Der Käfer aus Linde ist demnach ein Weibchen.
Walker kommen in Nordafrika und in Europa vor. Sie sind jedoch fast überall selten und in Deutschland besonders geschützt. „Verursacht durch Nutzungsveränderungen ist die Art in Brandenburg gefährdet“, schrieb Jens Jakobitz schon 2003 in einem Beitrag für das Fachmagazin „Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg“.
Die Käfer bewohnen sandige Lebensräume, wie etwa den Rand von sonnigen Kiefernwäldern, Weinberge oder Dünen. Die erwachsenen Käfer fliegen im Juni und August zwischen 21 und 22 Uhr am Abend. Sie ernähren sich in den Kronen von Kiefernnadeln. Gelegentlich werden aber auch Laubbäume wie Eiche und Buche angeflogen. Sie verursachen dabei keine wirtschaftlichen Schäden. Bei massenhaftem Auftreten gelten sie in der Forstwirtschaft allerdings als Schädling, da sie auch die Wurzeln junger Kiefern fressen.
Zudem erzeugen sie durch Stridulation, das ist eine spezielle Form der Lauterzeugung durch Reiben zweier gegeneinander beweglicher Körperteile, ein für den Menschen hörbares Geräusch, das an das Geräusch, welches beim Walken von Leder oder Stoffen entsteht, erinnert. Daher stammt der deutsche Name Walker. In anderen Regionen wird der Käfer auch als „Müller“ bezeichnet, weil die weißbehaarten Flecken auf den Flügeldecken an das typische Aussehen eines mehlbestäubten Kornmühlen–Arbeiters erinnern. Der Körper des Insekts ist schwarzbraun gefärbt und trägt ein charakteristisches weißes Fleckenmuster.
Mit dem bekannten Whisky, den Liedermacher Marius Müller–Westernhagen einem einsamen Trinker in seinem Song „Johnny Walker“ besingt, hat das Tier nichts zu tun.
Der Walker aus Linde, den Dieter Schade zum Trocknen auf eine Pflanze in seinem Garten setze, hat später das Weite gesucht. Vielleicht gibt es in drei bis vier Jahren wieder neue Sichtungen in Linde. So lange dauert es nämlich, bis aus dem Ei wieder ein Käfer wird. Die Larven entwickeln sich im Boden und ernähren sich von Wurzeln. Sie können eine Länge von bis zu 80 Millimetern erreichen.
