Neuer Standort für Einzelhandel
: Citygemeinschaft sucht nach Ideen für Oranienburger Innenstadt

Die Citygemeinschaft Oranienburg (CGO) will beim neunten Innenstadt-Treff am 26. Februar gemeinsam mit ihren Mitgliedern nach Ideen und Aktionen für eine attraktivere Innenstadt suchen.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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  • Glanz und Grau nebeneinander: Die Stadt hat mit Fördermitteln die Neugestaltung von Fassaden in der Innenstadt unterstützt. Nicht alle Hauseigentümer machen davon Gebrauch. Bis 2020 ist das aber noch möglich.

    Glanz und Grau nebeneinander: Die Stadt hat mit Fördermitteln die Neugestaltung von Fassaden in der Innenstadt unterstützt. Nicht alle Hauseigentümer machen davon Gebrauch. Bis 2020 ist das aber noch möglich.

    Klaus D. Grote
  • Rollläden runter: Das ehemalige Schmuckgeschäft in der Bernauer Straße steht leer – wie 14 weitere Läden in der Innenstadt.

    Rollläden runter: Das ehemalige Schmuckgeschäft in der Bernauer Straße steht leer – wie 14 weitere Läden in der Innenstadt.

    Klaus D. Grote
  • Zwischennutzung: Der Verein Kunstraum Oranienburg stellte im früheren Geschäft „A – Z“ in der Bernauer Straße aus.

    Zwischennutzung: Der Verein Kunstraum Oranienburg stellte im früheren Geschäft „A – Z“ in der Bernauer Straße aus.

    Klaus D. Grote
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Die nur durchschnittliche Bewertung der Innenstadt durch die Oranienburger löste kaum Überraschung aus. Der Innenstadt fehlt es nach Kundenmeinung an Angebotsvielfalt (wir berichteten). Zum Bummeln lädt die Bernauer Straße als verkehrsreiche Bundesstraße kaum ein. Fünf Geschäfte stehen derzeit leer, weitere zehn in der näheren Umgebung.

„Wir brauchen mehr Aufenthaltsqualität“, sagt Geschäftsstraßenmanager Stefan Wiesjahn. Er wünscht sich ein großes Café, mit Innen- und Außenplätzen, das jeden Tag der Woche geöffnet ist. Gespräche mit möglichen Betreibern und über mögliche Standorte hat er bereits geführt.

Es sind oft eher kleinere Brötchen, die die CGO mit ihren mittlerweile 47 Mitgliedern backt – zuletzt kamen Havelbuch und Fielmann als Mitglieder hinzu. Wiesjahn freute sich über die Eisstockbahn, die zum verkaufsoffenen Sonntag am dritten Advent auf dem Boulevard stand. Immerhin kann er auch auf Vorschläge des Jugendbeirats zurückgreifen, der sich eine Neugestaltung des kleinen Platzes vor der Havelpassage wünscht: mit modernen Sitzmöbeln, bunten Blumenkübeln, mehr Licht und mehr Fahrradständern.

Viel größer sind die Hoffnungen der Stadtverwaltung auf eine Ergänzung des Einzelhandels in der Rungestraße. Auf der Brache des ehemaligen OVG-Verkehrshofs zwischen Liebigstraße und Am Mühlenfeld soll endlich etwas passieren, nachdem die Stadt das Gelände per Flächentausch vom Kreis bekommen hat. Gewünscht wird ein Magnetbetrieb. Der bereits beschlossene Bebauungsplan sieht Einzelhandel, Gewerbe und Wohnen und einen zusätzlichen Zugang von der Bernauer Straße vor. Der Komplex soll mehr Kunden in die Innenstadt ziehen und damit auch auf die Bernauer Straße ausstrahlen. Denkbar wäre dort die Ansiedlung eines größeren Supermarktes, sagt Stadtplanungschef Christian Kielczynski. Es gebe interessierte Investoren für die Bebauung. Weil die Fläche im Kerngebiet der Innenstadt liegt, sei dort „fast alles möglich“, also auch Kultur und Gastronomie. Man könne auch über ein Tanzlokal sprechen, sagt Kielczynski. Vor allem junge Menschen vermissen seit der Schließung der Alten Fleischerei Ausgehmöglichkeiten für das Wochenende.

6 000 Quadratmeter Verkaufsfläche könnten auf dem etwa 11 000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Wünschenswert seien auch kleinere Fachgeschäfte, sagt Kielczynski. Und obwohl Läden in der City leer stehen, ist der Stadtplanungschef optimistisch: „Das Interesse an Oranienburg wächst. Die Händler erkennen die steigende Kaufkraft.“ Die Entwicklung am Speicher, wo 286 höherpreisige Wohnungen entstehen, werde genau beobachtet.

Mit neuen, zahlungskräftigen Einwohnern könnte also auch der Einzelhandel gestärkt werden. Aktuell überwiegt im Zentrum das Dienstleistungsangebot.  Stefan Wiesjahn wünscht sich eine Verknüpfung bestehender Angebote, damit das Einkaufen als Erlebnis empfunden werde. Susanne Zamecki, Wirtschaftsförderin der Stadt, verweist auf die Möglichkeiten der Förderung, sollten Hauseigentümer in eine attraktive Fassadengestaltung ihres Gebäudes investieren. Problematisch für die vom Kunden oft gewünschten Filialen bekannter Ketten seien aber oft die zu kleinen Flächen in den alten Häusern.

Immerhin sorgen die Drogerien dm und Rossmann dafür, dass dort bis 20 Uhr eingekauft werden kann. „Sie sind aber auch die einzigen“, sagt Stefan Wiesjahn. Jahrelang wurde um einheitliche Öffnungszeiten gerungen. „In Shopping-Centern werden Ladeninhaber vertraglich verpflichtet, einheitlich zu öffnen“, sagt Wiesjahn.

Theoretisch hohe Kaufkraft

■ 320 Einzelhandelsbetriebe gibt es in Oranienburg. Davon befinden sich 34 Prozent in der Innenstadt.

■ Im Einzelhandelskonzept 2015 wurde ein Kaufkraftpotenzial von 782 Millionen Euro im Mittelbereich ermittelt. Das sind die Ausgaben Oranienburgs und der Umgebung in einem Jahr für Waren des kurz-, mittel- und langfristigen Bedarfs: vom Brot über Schuhe bis zum Sofa.

■ Für das Marktvolumen wurden 55 Prozent der Kaufkraft bei Oranienburgs südlichen Nachbarn ermittelt. Dort allerdings gebe es kaum eine Bindung an die Kreisstadt.⇥(kd)