Neues Buch
: Wofür Fontane seinen Namen alles hergeben muss

Ob Straße, Schule oder Döner – der Name Fontane muss für vieles herhalten. Roland Lampe hat darüber ein Buch verfasst.
Von
Camillo Kupke
Hohen Neuendorf
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  • Der Autor Roland Lampe ist in Hohen Neuendorf aufgewachsen und hat dort lange gelebt. Jetzt hat auch er ein Buch zum Fontane-Jahr beigesteuert (Archivbild).

    Der Autor Roland Lampe ist in Hohen Neuendorf aufgewachsen und hat dort lange gelebt. Jetzt hat auch er ein Buch zum Fontane-Jahr beigesteuert (Archivbild).

    Marcus Latton
  • Der Autor Roland Lampe ist in Hohen Neuendorf aufgewachsen und hat lange dort gelebt. Das Foto stammt von einer Lesung in Kremmen.

    Der Autor Roland Lampe ist in Hohen Neuendorf aufgewachsen und hat lange dort gelebt. Das Foto stammt von einer Lesung in Kremmen.

    Thomas Burckhardt
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Sie wird bis zu zwölf Zentimeter lang und fünf Jahre alt, ernährt sich von Kiemenfuß- und Ruderfußkrebsen, schwimmt nur im Großen Stechlinsee und wird im Restaurant Fontanehaus in Neuglobsow mit gebutterten Kartoffeln serviert – die Fontane-Moräne (Coregonus fontanae). Dass die Wissenschaftler Michael Schulz und Jörg Freyhof ihre 2003 entdeckte Fischart nach dem märkischen Dichter benannt haben, liegt nahe. Hatte Theodor Fontane doch in seinem Roman „Der Stechlin“ Land und Leute rund um Brandenburgs tiefsten See beschrieben. Dass es in seinem Geburtsort Neuruppin einen Keglerverein „Fontanespatzen“ gibt und eine Kindertagesstätte „Fontaneknirspe“, das mag mit etwas gutem Willen noch einleuchten. Aber einen „Fontane-Döner“? Da sträuben sich einem dann doch die Nackenhaare.

Was dem Thüringer sein Goethe, ist dem Märker sein Fontane. Das ganze Land ist „fontanisiert“ und das nicht erst seit diesem Jahr, da des 200. Geburtstages des Dichters gedacht wird. Ob Straßen oder Wanderwege, Apotheken, Denkmäler oder Buchhandlungen – Fontane begegnet man auf Schritt und Tritt. Doch aufgepasst: Wo Fontane drauf steht, ist nur selten Fontane drin.

Von kurios bis schamlos

Das musste auch Roland Lampe erfahren. Der 59-jährige Berliner Schriftsteller und Journalist, der lange in Hohen Neuendorf gelebt hat, begab sich in Brandenburg und Berlin auf Spurensuche – und machte eine Vielzahl überraschender Entdeckungen. „Fontane allerorten“ nennt er seinen unkonventionellen Reiseführer, der zugleich ein unterhaltsames Sammelsurium kurioser Fundstücke ist.

Wer in Brandenburg oder Berlin unterwegs ist, wird unausweichlich durch eine Fontanestraße fahren, einen Fontaneweg entlanglaufen, auf einer Fontanepromenade spazieren oder einen Fontaneplatz queren. Selbst Orte wie Hennigsdorf, die der Dichter wohl nie besucht hat, zieren sich mit einer Fontanestraße. Ungleich weniger zahlreich sind Schulen, Buchhandlungen, Gaststätten, Cafés, Hotels und Pensionen, die seinen Namen tragen. Selbst Seniorenheime bedienen sich bei Fontane, was durchaus einen Sinn ergibt. Arbeitete der Schriftsteller doch bis ins hohe Alter – ohne Rente oder Pension. Wie er überhaupt sein Leben lang unter seiner prekären finanziellen Lage litt. Insofern ist es schamlos, einen Konsumtempel nach ihm zu bezeichnen, wie das beim Fontane-Center in Königs Wusterhausen geschah.

Dagegen gleicht die Benennung einer Apotheke fast einer Verbeugung, hatte doch Fontane, bevor er sich dem Journalismus und schließlich der Schriftstellerei zuwandte, den Beruf des Apothekers erlernt. So gibt es Fontane-Apotheken wie Sandkörner in der märkischen Heide. Wie viele es letztlich sind, vermochte auch Lampe nicht zu recherchieren.

Die inflationäre Namensvergabe ist eine späte Ehre für Fontane. Denn als er 1898 mit 78 Jahren starb, hatte er mit seinen späten Romanen zwar Achtungserfolge erzielt, richtig entdeckt wurde er jedoch erst im 20. Jahrhundert. Denkmäler, Büsten, Brunnen und Tafeln schossen wie Pilze aus dem Boden. Dazu kamen Preise, Freundeskreise sowie wissenschaftliche Einrichtungen, die seitdem seinen Namen tragen.

Die kleine Bank gegenüber Fontanes Grab auf dem Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde an der Liesenstraße in Berlin, wo Lampes Spurensuche endet, ist übrigens noch namenlos …

Roland Lampe: „Fontane allerorten: Eine Spurensuche in Berlin und Brandenburg“, Verlag für Berlin-Brandenburg, 120 Seiten, 12 Euro