Herr Kunde, es gibt Probleme beim Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA). Dazu gehören der immer wieder bemängelte zu niedrige Druck in den Leitungen und akut das sogenannte Schwarzwasser. In einigen Straßenzügen in Stolzenhagen und Wandlitz wurde den Nutzern empfohlen, sogar auf Mineralwasser umzusteigen. Was ist eigentlich unter „Schwarzwasser“ zu verstehen, und wie gefährlich ist es?

Matthias Kunde: Im Trinkwasser sind ganz natürlich verschiedene Mineralien enthalten, darunter auch Mangan. Dieses Mangan setzt sich über einen unvermeidlichen Oxydationsprozess an den Innenseiten des Rohrnetzes ab. Wenn es sich infolge hoher Fließgeschwindigkeiten ablöst und mit dem Wasser in die Haushalte gelangt, bildet es in hoher Konzentration am Rand eines Glases oder eines anderen Gefäßes einen schwarzen Rand. Daher die Bezeichnung „Schwarzwasser“. Mangan kommt als natürlicher Bestandteil im Wasser vor. Es gibt genaue Vorgaben, wie hoch die Konzentration sein darf. Der NWA ist verpflichtet, die Konzentration zu prüfen. Das geschieht zum einen direkt im Wasserwerk, zum anderen gibt es dezentral 20 Messstationen, die regelmäßig überprüft werden. In zweien wurden nun erhöhte Werte festgestellt und in Absprache mit dem Gesundheitsamt vorübergehend die Nutzung eingeschränkt.

Wie kann dem Problem begegnet werden?

Wir sind gerade dabei, die betroffenen Leitungsabschnitte extra zu spülen, um die rückgelösten Ablagerungen aus diesen zu entfernen. Ich hoffe, dass wir noch in dieser Woche die Nutzung des Wassers vollständig wieder freigeben können.

Sie sagten, dass sich Mangan als natürlicher Bestandteil im Trinkwasser befindet und an den Leitungen ablagert. Wieso jetzt dieses Schwarzwasser?

Das hat mit dem seit Jahren stetig ansteigenden Verbrauch an Wasser insbesondere an Hitzetagen zu tun. Zusätzlich wurde durch die anhaltende Trockenheit viel mehr Wasser für die Gartenbewässerung abgenommen. Die erhöhte Abnahme führt zwangsläufig zu einer deutlich erhöhten Fließgeschwindigkeit in den Rohren. Durch diesen unkontrollierten Spülvorgang lösen sich Ablagerungen. In der Folge bildete sich das „Schwarzwasser“. Um dieser unschönen Erscheinung vorzubeugen, genügten bislang zwei Rohrnetzspülungen im Jahr. Üblicherweise wird das im Frühjahr und Herbst gemacht. Dann werden durch kontrolliertes Öffnen von Hydranten abgelöste Schichten aus dem Rohrnetz entfernt.

Also ist künftig immer mit Schwarzwasser zu rechnen? Wie kann der NWA dem Problem generell begegnen?

Wir sind natürlich bemüht, das zu verhindern. Kurzfristig werden wir die Spülungen des gesamten Rohrnetzsystems in diesem Jahr vorziehen. Das wird gerade vorbereitet, denn wir können nicht einfach einzelne Abschnitte vom Netz nehmen und spülen. Die Einwohner müssen sich darauf einstellen können, also muss das Vorhaben angezeigt werden, beispielsweise über Ankündigungen in der Zeitung, über öffentliche Aushänge und im Internet. Außerdem muss klar sein, wohin das Spülwasser geleitet wird. Das dürfen wir nicht einfach auf die Straße fließen lassen. Wohin es kommt, muss vorab mit der Unteren Wasserbehörde abgestimmt werden.
Langfristig gesehen, müssen wir die Trinkwasserversorgungsanlagen anforderungsgerecht umbauen. Das ist eine Aufgabe, die uns über Jahre beschäftigen wird. Denn zwei Sachen sind klar: Zum einen steigt der persönliche Wasserverbrauch seit Jahren kontinuierlich. Vor zehn Jahren lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 75 Litern, heute sind es fast 90 Liter. Zum anderen hat sich das Klima verändert und wird sich weiter verändern. Wir werden also auch künftig mit längeren Trockenperioden zu rechnen haben. Hinzu kommt, dass vermehrt Grundstücksbesitzer das Wasser aus dem öffentlichen Netz nutzen, um ihre Gärten zu bewässern. Viele private Brunnen, die auf den Grundstücken noch vorhanden sind, versanden allmählich. Sie zu reaktivieren, ist teuer, also steigen die Gartenbesitzer um.
Hinzu kommt die Löschwasserbereitstellung. Da hatten die für den Brandschutz verantwortlichen Kommunalpolitiker bislang auf die Entnahme von Wasser aus eigenen Löschwasserbrunnen oder alternativ aus Seen oder Flüssen gesetzt. Doch auch die Löschwasserbrunnen müssen regelmäßig inspiziert und gewartet werden. Außerdem sinken, wenn es lange trocken ist, auch die Pegelstände in den Flüssen und Seen. Der Aufgabe, Löschwasser in ausreichender Menge bereit zu stellen, werden wir uns gemeinsam stellen müssen. Als Konsequenz einfach mit Millioneninvestitionen für größere Hauptleitungen zu sorgen, ist weder wirtschaftlich noch nachhaltig. Denn das Grundwasser ist eine endliche Ressource. Es ist zu prüfen, inwieweit kleinere Vorkommen dezentral mit einbezogen werden können, auch um die Wasserkreisläufe klein zu halten. Voraussetzung dafür ist unter anderem das Schaffen weitere Speicherkapazitäten im Verbundsystem. Um künftige Benutzungseinschränkungen zu vermeiden, muss aber bei allen ein Umdenken bei der Wasserver(sch)wendung einsetzen.

Sie sprechen von Jahrzehnten?

Ja. „NWA fit 2030“ haben wir das Projekt im Rahmen eines Zukunftsworkshops überschrieben, mit dem die Arbeit des Zweckverbandes neu ausgerichtet werden soll. Dazu sind bestehende Konzepte zu überarbeiten und miteinander zu vernetzen, um den wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können.

Dann ist da noch die Frage nach dem Geld.

Richtig. Wir sprechen hier von einem bereits angelaufenen Maßnahmepaket in Höhe von zirka vier Millionen Euro bis 2022. Das beinhaltet auch Investitionen in den Ausbau des Transportleitungsnetzes. Weiteres Geld wird für den Schutz und die Sicherung der Grundwasserbasis und den Neubau beziehungsweise die Modernisierung von Pumpen- und Steuerungsanlagen erforderlich sein. Daran wird deutlich, dass eine Verbesserung der Versorgungsbedingungen zusätzliche Kosten verursacht, die unausweichlich die zukünftigen Entwicklungen des Gebührenniveaus bestimmen werden.