Ökosystem
: Preis für Forschung über bedrohliche Pflanze aus Indien

Die 18-Jährige Schildowerin Aenne Mattner erhält einen Forschungspreis. Sie hat untersucht, welche Folgen ein asiatisches Springkraut für die heimische Erlen hat.
Von
Karl Kapahnke
Schildow
Jetzt in der App anhören

Geht der Sache gerne auf den Grund: Aenne Mattner hat einen Forschungspreis gewonnen. Sie hat untersucht, welche Folgen eine eingeschleppte Pflanze für heimische Bäume haben kann.

Karl Kapahnke

Ursprünglich entstanden sei die Arbeit über die vergangenen zwei Jahre im Seminarkurs „Wo bleibt eigentlich das Laub?“ des Marie-Curie-Gymnasiums. Aennes Arbeit stach heraus und so riet ihre Lehrerin ihr, die Forschungsarbeit der Jury des Hans-Riegel-Fachpreises vorzulegen. Mit diesem Preis werden herausragende wissenschaftliche Schülerarbeiten, vor allem aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik ausgezeichnet.

Wenn die Abiturientin erklärt, worum genau es in ihrer Untersuchung geht, ist eindeutig, dass sie sich mit dem Forschungsthema fundiert auskennt. Der Titel der Arbeit „Einfluss von Neophyten am Zersetzungsprozess einheimischer Laubarten am Beispiel von Impatiens glandulifera und Alnus glutinosa“ klingt sehr wissenschaftlich. Doch die Schildowerin schafft es, das komplexe Thema einfach zu erklären. „Neophyten sind invasive Arten, also Pflanzen, die ursprünglich aus anderen Ecken der Welt stammen, aber durch den Menschen hierher gelangt sind“, erläutert Aenne. Die von ihr untersuchte Neophyte ist das drüsige Springkraut, eine rosa blühende Pflanze, die ursprünglich aus Indien stammt. Sie erzählt weiter: „Ich habe experimentell untersucht, ob die Blätter des drüsigen Springkrauts Einfluss auf den Abbau von Erlenblättern haben. Wäre dies der Fall, hätte das ökologisch weitreichende Folgen, beispielsweise für kleine Tiere, die sich von Laub ernähren.“

Die Auswertung des mehrmonatigen Experiments, bei dem der Zerfall der untersuchten Blätter genau beobachtet und dokumentiert wurde, zeigte deutlich – es gibt einen Zusammenhang: „Erlenblätter, die gemeinsam mit Blättern des drüsigen Springkrauts verrotten, werden signifikant schneller abgebaut.“

Nicht nur das Ergebnis, sondern auch kreative Themenstellung, die Arbeit nach wissenschaftlichen Kriterien und der praktische Anteil durch die in Schildow durchgeführten Experimente überzeugten die Experten-Jury der Universität Potsdam letztlich und Aenne erhielt im September den mit 200 Euro dotierten dritten Platz des Hans-Riegel-Fachpreises.

„Das war wirklich erhebend, ich habe in die Arbeit so viel Mühe und Zeit investiert. Wenn das  Ergebnis dann gewürdigt wird, ist das toll und zeigt, dass sich das Reinknien gelohnt hat“, resümiert die 18-Jährige. Mit den 200 Euro wolle sie nun ihr neues Auto mitfinanzieren, mit dem sie jeden Morgen nach Oranienburg zu ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr fährt. Dieses macht sie bei „Lebensräume“ in der Wohnstätte Oranienburg, einer Wohneinrichtung für psychisch kranke Menschen. „Ich merke dort jeden Tag aufs Neue, wie viel Spaß mir diese Arbeit macht. Deshalb möchte ich danach am liebsten Psychologie studieren“, verrät Aenne über ihre Zukunftspläne.

Sinn und Zweck der Stiftung

Die Dr. Hans Riegel-Stiftung führt nach eigenen Angaben das gemeinnützige Vermächtnis des ehemaligen Haribo-Mitinhabers fort mit dem Ziel, junge Menschen bei der Gestaltung der Zukunft zu fördern und nachhaltig zu begleiten.

Sie hat ihren Sitz in Bonn.

Die Stiftung hat den Status "gemeinnützig". Sie wurde am 13. November 1987 gegründet.

Vier verschiedene Ziele hat Dr. Hans Riegel in der Satzung der Stiftung festgehalten: Demnach sind die Kernaufgaben die Förderung schulischer und beruflicher Bildung sowie der Forschung und Lehre im naturwissenschaftlichen, technischen und volkswirtschaftlichen Bereich.

Hierfür soll die Stiftung bevorzugt eigene Projekte ins Leben rufen.

Gefördert werden leistungswillige Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis zur Hochschule und darüber hinaus, vor allem in den sogenannten MINT-Fächern.

Zu den MINT-Fächern gehören Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.⇥zeit