Antonia Kuhnert war verblüffft, als sie ihren Namen hörte. "Ich hatte heimlich gehofft, dass ich vielleicht einen dritten Platz mache, aber nicht, dass ich hier gewinnen kann." Die Elfjährige aus Bärenklau war am Freitag zum Abschluss der integrativen Märchenwoche des Landkreises in die Oranienburger Stadtbibliothek gekommen, wo am Vormittag die Sieger gekürt worden. Und Antonia war die Einzige, die ihre Eltern und Großeltern mitgebracht hatte.
47 Kinder hatten selbst geschriebene Geschichten beim Wettbewerb eingereicht. "Viele sind in Schulprojekten entstanden", sagte Märchenwochen-Leiterin Petra Lölsberg. "Aber einige Kinder haben sich auch von sich aus beteiligt." Eines davon war Antonia. Ihre Eltern hatten von der Ausschreibung im Generalanzeiger gelesen. "Eigentlich wollte ich ja mal ein richtiges Buch schreiben. Bis jetzt sind es aber nur kurze Geschichten geworden." Und das kann sie augenscheinlich ziemlich gut. Ihr Märchen "Der Schatz von Kunigunde" überzeugte die Jury am meisten. Hauptprotagonisten sind zunächst Aladin und Rapunzel sowie einer von Alibas 40 Räubern, der aus der Polizeistation in Schwante ausgebrochen ist, um den verschollenen Schatz von Vehlefanz zu finden. Aladin und Rapunzel wollen das aber verhindern, weil sonst ganz Oberkrämer in den Tiefschlaf fällt. Vermutet wird der Schatz in der Vehlefanzer Mühle, zu der sich die beiden mit Aladins fliegendem Teppich aufmachen. Alibabas Räuber allerdings auch, weshalb im Laufe der Geschichte auch noch die Hilfe von Schneewitchen, zwei ihrer Zwerge und den Schuhen vom Kleinen Muck gebraucht wird.
Wie die Geschichte ausgeht, erfuhren die rund 50 Kinder am Freitag bei der Lesung der Siegergeschichten in der Bibliothek. Alle anderen sollen sie später in einem kleinen Büchlein schmökern können, das aber noch von den kleinen Autoren illustriert und schließlich gedruckt werden muss. Wann es erscheint, konnte am Freitag noch niemand genau sagen.
Darin werden auch die Märchen "Der König und die Wunderlampe" vom zehnjährigen Claas Lübke von der Kinderschule Oberhavel in Eden, "Die Heldin der Prinzessinnen" von Marlin Frank von der Havelschule sowie das Gemeinschaftswerk von Ole, Leo und Jasper von der Kinderschule "Der Riese, der zaubern lernen wollte" zufinden sein. Diese Geschichten waren auf den Plätzen zwei und drei gelandet. Der dritte Platz war doppelt vergeben worden. Alle Autoren hatten in durchaus unterhaltsamer Weise Bezüge orientalischer Märchen mit Schauplätzen im Landkreis Oberhavel verknüpft.
Die Integrative Märchenwoche war im Landkreis die inzwischen vierte ihrer Art. Neben dem Wettbewerb standen Autorenlesungen, Schreibwerkstätten und Papiertheaterworkshops auf dem Programm. "Geschichten und Märchen sollen Kinder und Erwachsene anregen, sich zu begegnen und miteinander auszutauschen. Die öffentlichen Veranstaltungen sollen den Kontakt erleichtern und vertiefen", hatte Sozialdezernent Matthias Kahl (SPD) zu Beginn der Märchenwoche gehofft. "Nur so kann ein Zusammenwachsen unterschiedlicher Kulturen gelingen."
An den Workshops hatten auch Kinder aus geflüchteten Familien teilgenommen. Ein junger Syrer erzählte in der Bibliothek, dass in seiner Heimat das Märchen von Alibaba und den 40 Räubern etwas anders erzählt wird als hier in Europa, um die syrische Version, die eher einer Robin-Hood-Geschichte gleicht, zu erzählen. Petra Lölsberg fand sie interessant. So habe sie auch noch etwas gelernt in dieser Märchenwoche.