Pflegekräfte: „Sie werden sehnlichst erwartet“
Kapazitäten weiter erhöhen
In seiner Rede zum Abschied der Absolventen machte Thomas Bode (kleines Foto) auf die vorhandene Lücke zwischen Fachkräften und Bedarf aufmerksam. Betreuten deutschlandweit 590 000 Pflegekräfte in Vollzeit die gesetzlich versicherten Pflegebedürftigen, würden laut einer AOK-Studie bis 2030 130 000 zusätzliche Fachmänner und -frauen benötigt. „Sie werden sehnlichst erwartet und dringend benötigt“, so Bode zu den Absolventen. Der 43-Jährige ist seit dem 1. August dieses Jahres Leiter der Oranienburger Agus Akademie. Seine Vorgängerin Bianca Rehse habe sich auf eigenen Wunsch hin verabschiedet.
Betriebsleiter Staar blickte in einem anschließenden Gespräch auf den heutigen Tag: Ab dem 1. Oktober gibt es vier neue Klassen, zwei für Pfleger und zwei für die Gesundheits- und Sozialberufe. „In Anbetracht der großen Nachfrage habe wie die Ausbildungsplätze von 112 auf 136 in der Pflege erhöht“, so Staar. Hinzu kommen 75 Plätze in der Krankenpflege. Das Ende ist damit noch nicht erreicht. „Wir werden im kommenden Jahr über eine weitere Erhöhung nachdenken.“
Geschuldet ist das auch einem Gesetz, mit dem die Pflegeausbildung in Deutschland grundlegend reformiert werden soll. Bereits im Juli 2017 wurde das Pflegeberufereformgesetz vom Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates beschlossen. Ab dem 1. Januar 2020 greift es. „Wir haben dann die generalistische Pflegeausbildung“, sagte Richard Staar. „Den Beruf des Altenpflegers im klassischen Sinne wird es dann nicht mehr geben.“
Die Novellierung fasst die bisher getrennten Berufe der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer einzigen Berufsausbildung zusammen. „In den ersten beiden Jahren werden die Azubis alle gleich ausgebildet, im dritten Jahr bekommen sie dann die Möglichkeit, sich zu spezialisieren.“ Aus dem Alten-, Gesundheits- und Krankenpfleger wird dann offiziell der Pflegefachmann.
Die Ausbildung in Oranienburg und Neuruppin muss deshalb neugestaltet werden. Auch da sich der Lehrer-Schüler-Schlüssel verändert. Bisher lag er in der Krankenpflege bei 1:15 und in der Altenpflege bei 1:28. Das neue Ausbildungsmodell sieht einen Lehrer für 17 Schüler vor. Heißt für die Agus: mehr Personal und ein versetzter Unterricht.
Sozialpädagogen gewünscht
Was Richard Staar ärgert: „Erst im August haben wir den bundesweiten Plan bekommen.“ Viel Zeit zum Organisieren bleibe da nicht. Brandenburg habe sich dagegen ausgesprochen, einen landesweiten Rahmenplan zu erstellen. „Deshalb müssen wir den auf Bundesebene nehmen.“ Die insgesamt 70 Kooperationspartner der Agus hätten ihre weitere Zusammenarbeit aber zugesichert. Zudem soll die Einrichtung in Oranienburg modernisiert werden. „Wir wollen WLAN installieren, Laptops und Tablets anschaffen.“
Mit dem neuen Gesetz sind auch Hoffnungen verbunden. Pflegekraft kann jeder ab 16 Jahren werden. Oftmals bringen die Jugendlichen ihre Probleme mit in die Ausbildung. „Wünschenswert wäre deshalb eine sozialpädagogische Betreuung, wie es sie in der Altenpflegehilfeausbildung schon gibt.“ Das würde Träger und Lehrkräfte entlasten.
Neugründung in diesem Jahr
2014 gründete sich in Oranienburg die Agus Altenpflegeschule. Mit der Neugründung im April dieses Jahres als Agus Gesundheits- und Krankenpflegeschule, wird zudem die Möglichkeit geboten, sich zum Gesundheits- und Krankenpfleger ausbilden zu lassen.
In der Willy-Brand-Straße 20 erfolgt die theoretische Ausbildung.
Die Agus selbst gibt es seit 1994. Den Beginn machte die Altenpflegeschule in Neuruppin. Seit 2018 gehören die Agus Akademien zur Oberhavel Kliniken GmbH.⇥win

