Pharmablase: „Filteranlage muss in Betrieb bleiben“
Bereits in den 1990er-Jahren war dem Landesumweltministerium, dem Landkreis und dem damaligen Altana Pharmawerk klar, dass gehandelt werden musste. Eine dunkelbraune Blase kontaminierten Grundwassers, das aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol, Ethybenzol und Xylole) sowie Schwefelwasserstoff enthält, galt es in Schach zu halten. Gutachten wurden erstellt. Damit von diesem Schadstoffcocktail, der sich zirka 30 Meter tief unter dem Gewerbegelände an der Lehnitzstraße befindet, keine Gefahren für das Grundwasser und die nahe Havel ausgehen, entschloss man sich mit Hilfe von Fördermitteln für eine umfassende Grundwassersanierung.
1997 begann das zunächst mit einer Bodenluftabsauganlage. Seit Februar 2005 arbeitet auf dem Takeda-Areal an der westlichen Lehnitzstraße eine Grundwasserreinigungsanlage. Bis zu 80 Kubikmeter verunreinigtes Grundwasser wird aus vier Brunnen stündlich in die Anlage gepumpt. Dort wird die gefährliche „Brühe“ über Desorption und katalytische Oxiadation sowie über biologisch wirksame Trockensandfilter und Aktivkohle gereinigt. Über 60 Infiltrationsbrunnen gelangt das gereinigte Wasser, dem noch Wasserstoffperoxid zugesetzt wird, wieder in den Boden und damit in den Grundwasserleiter.
„Hier wird seit vielen Jahren erfolgreich die Dekontamination verunreinigten Grundwassers betrieben. Solange von dem Chemiecocktail im Boden noch immer eine Gefahr ausgeht, muss die Anlage auf jedem Fall in Betrieb bleiben“, sagt Nicole Walter-Mundt. Die CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Landtagskandidatin hatte sich vorigen Freitag vor Ort bei Takeda über den Fortschritt der Altlastenbeseitigung informieren lassen. Das Gespräch, das sie mit René Walther von der Takeda-Werkleitung führte, sei auch über das Thema Bomben gegangen.
Denn noch immer schlummern zwei explosive Blindgänger im Boden des Gewerbegebiets. Dass sie bisher nicht freigelegt werden konnten, hängt unmittelbar mit dem verunreinigten Grundwasser zusammen. Es muss zur Trockenlegung der Blindgängerfundstellen abgesenkt werden, darf wegen der Kontamination aber nicht in die Havel geleitet werden. Noch immer wird nach einem verlässlichen technischen Verfahren gesucht, das dem Kampfmittelbeseitigungsdienst eine wasserfreie Bergegrube garantiert und eine zusätzliche Belastung der Umwelt vermeidet.
Die Stadtverwaltung und Takeda gehen inzwischen davon aus, dass bald ein geeignetes Verfahren gefunden wird und beide Blindgänger in der zweiten Jahreshälfte 2019 entschärft werden können, wie bereits sechs Blindgänger auf dem Gelände in den vergangenen Jahren.
Während der Landkreis Oberhavel und Takeda die Anlagen noch weiter betreiben wollen, gibt es vom Landesumweltamt wohl Signale, die Filteranlagen in Kürze abzustellen. „Solange es hier noch immer einen akuten Bedarf gibt, kontaminiertes Grundwasser zu reinigen, muss die Anlage weiterlaufen“, sagt Nicole Walter-Mundt. Rund 300 000 Euro kostet der Betrieb der Anlage im Jahr. „Laut einer Freistellungsvereinbarung mit Takeda, die 2023 ausläuft, werden die Sanierungskosten zu 90 Prozent durch die öffentliche Hand getragen“, sagt die Politikerin. Vom Landesumweltamt war dazu gestern keine Stellungnahme mehr zu bekommen.
Positive Ergebnisse
■ Seit 1997 wird auf ehemaligen Pharma-Flächen bereits eine Bodenluftabsauganlage betrieben.
■ Die Grundwassersanierungsanlage auf dem Takeda-Gelände an der westlichen Lehnitzstraße ist im Februar 2005 in Betrieb genommen worden.
■ Laut der Betreiberfirma Harbauer konnten bis Ende Dezember 2008 über die Grundwassersanierung rund 74 000 kg Schadstoffe und über die Bodenluftabsauganlage weitere zirka 59 000 kg Schadstoffe eliminiert werden.⇥(bren)

