Predigten gegen Hass und Rassismus
: Gedenkgottesdienst für Pfarrer Albert Willimsky

Ein Gottesdienst in der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert an den Pfarrer Albert Willimsky, der mutig gegen Hass und Rassismus predigte und im Konzentrationslager getötet wurde.
Von
Daria Doer
Sachsenhausen
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Ein Bild erinnert in der ehemaligen Häftlingswäscherei am Sonnabend an den getöteten Pfarrer Albert Willimsky.

Daria Doer

„Mich beeindruckt jemand, der von seinen Prinzipien nicht abweicht, auch wenn das für ihn Nachteile bedeutet, im Fall von Albert Willimsky sogar bis zum Tod. Ich zweifle, ob ich auch so stark sein könnte“, sagt Stephanie Kaune aus Friesack, die bei dem Gottesdienst Gitarre spielt.

Pfarrer Willimsky sprach Deutsch und Polnisch, war Kaplan in Oberschlesien, im Berliner Stadtbezirk Kreuzberg und in Barth an der Ostsee, bevor er 1926 nach Friesack versetzt wurde. Hier kümmerte er sich auch um die polnischen Saisonarbeiter, die zwar gebraucht, aber vom dortigen Landrat als „moralisch minderwertig“ bezeichnet wurden. Er predigte im Gottesdienst gegen die Nazis und bezeichnete den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg öffentlich als „Blödsinn“. Die Akten über ihn häuften sich, und 1935 wurde ein Aufenthaltsverbot für den gesamten Kreis ausgesprochen. Willimsky sollte Friesack innerhalb von 24 Stunden verlassen.

Seine nächste Arbeitsstelle war Gransee. Die Denunziationen, Ermittlungen und Verhöre folgten ihm auch dorthin. Weil er sich öffentlich abfällig über Hitler und Goebbels geäußert hatte, saß er sieben Monate ohne Prozess in Einzelhaft in Potsdam, wurde entlassen und sofort wieder von der Gestapo festgenommen. In der Urteilsbegründung von 1939 heißt es: „In seiner einseitigen katholischen Einstellung befangen, vermag er nicht mehr, den gesunden und vernünftigen Blick für die Maßnahmen der Reichsregierung aufzubringen.“ Um ihn zu schützen, wurde er nun in eine kleine Gemeinde in Stettin-Podejuch versetzt. Diesmal denunzierte ihn ein katholischer Kaufmann wegen polenfreundlicher Äußerungen und, weil er Berichte über Grausamkeiten der polnischen Armee als „Lügen“ bezeichnet hatte. Im Polizeigefängnis in Stettin unterschrieb er das Abschlussprotokoll: „Aus allen diesen Gründen werde ich auch in Zukunft meine Ansicht nicht ändern, und sie auch immer zu Gehör bringen, wo ich es aus seelsorglichen Gründen für notwendig halte.“ Seine nächste und zugleich letzte Lebensstation war das KZ Sachsenhausen.

Dekan Matthias Ritschel würdigt Willimsky als einen Mann, der sich um seine Mitmenschen sorgte, voranging und Orientierung gab. Pfarrer Lutz Nehk sagt in seinem Grußwort: „In die Vergangenheit gucken ist gut, wichtig ist es aber, in die Zukunft zu schauen.“ Damals sei der Hass groß geworden und der Rassismus gewachsen. „Das sind Fragen, die uns heute wieder beschäftigen.“ Deshalb sei es wichtig, auch abseits der großen Gedenkorte einen Mann nicht zu vergessen, der sich nicht kleinkriegen ließ und den Widerspruch nicht unterlassen hat.

Gedenkorte und -tafeln

In Stettin-Podejuch wurde 2008 ein Park nach Willimsky benannt. In Friesack gibt es den Pfarrer-Albert-Willimsky-Weg und eine Gedenktafel an der Rosenkranzkapelle. Gedenktafeln hängen zudem in der St. Hedwigskathedrale in Berlin-Mitte und am Pfarrhaus in Gransee.

Die katholische Kirche hat Willimsky im Jahr 1999 als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des20. Jahrhunderts aufgenommen.⇥oti