Protest gegen Homophobie
: Oranienburger „Kellerkind“ unterstützt Boykott gegen polnische Brauerei

Die Wirte vom „Kellerkind“ im Oranienwerk haben aus Protest gegen Homophobie  Bier der polnischen Marke „Lech“ aus ihrer Kneipe verbannt.
Von
Tilman Trebs
Oranienburg
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Da  tranken sie noch "Lech": Jetzt schenken Thomas Schenk (li.) und Steve Kirschke den polnischen Gerstensaft im "Kellerkind" nicht mehr aus. Die Brauerei ist in Verruf geraten.

Tilman Trebs

„Da die polnische Brauerei ,Kompania Piwowarska’, die unter anderem Tyskie und Lech braut, (...) Hetze gegen homosexuelle Menschen finanziert, haben wir entschieden, unser aller hart verdientes Geld anderen Brauereien, die auch gute Arbeit leisten, zukommen zu lassen“, erklären die „Kellerkind“-Betreiber Thomas Schenk und Steve Kirschke auf ihrer Facebook–Seite. Gäste des Lokals begrüßten den Boykott in den Kommentarspalten.

Was ist passiert? Die Brauerei hat bereits vor Monaten den Zorn der Interessenverbände von schwulen, lesbischen, bi–, trans– und intersexuellen Menschen auf sich gezogen, nachdem bekannt geworden war, dass sie eine Gala der erzkonservativen und nationalistischen „Gazetta Polska“ finanziert hatte. Die Wochenzeitschrift hatte unter anderem vergangenen Sommer Aufkleber mit der Aufschrift "LGBT–freie Zone“ verteilt. LGBT ist die international gängige Sammelabkürzung für die jeweiligen sexuellen Orientierungen. Auch mehrere Lokalregierungen hatten sich zu LGBT–freien Zonen erklärt, darunter die Wojewodschaft Lublin, in der unter anderem Oberhavels Partnerkreis Biala Podlaska und die Hohen Neuendorfer Partnergemeinde Janow Padlaski liegen.

Während Oberhavels Kommunen mit Blick auf die zunehmende Feindlichkeit gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen in Polen mit diplomatischen Gesprächen begegnen wollen, setzen die Oranienburger Wirte Boykott. „Wir haben auch Freunde und Gäste, die von der Hetze betroffen sind. Außerdem widerspricht sie eindeutig unseren Werten. Jeder soll lieben, wen er möchte“, sagte  "Kellerkind“-Betreiber Thomas Schenk dieser Zeitung. Über die Verwicklungen der Brauerei in die Anti–LGBT–Kampagnen hätten er und Kirschke am Dienstag voriger Woche erfahren. „Wir haben dann recherchiert, um 23 Uhr unseren Lieferanten angerufen und das Lech–Fass für den Tag danach storniert.“ Jetzt wird ein neues Hausbier fürs „Kellerkind“ gesucht.

Der japanische Brauerei–Konzern Asahi, zu dem „Kompania Piwowarska“ gehört, versucht derweil, den Schaden zu begrenzen. In einer Erklärung weist er den Vorwurf zurück, die LGBT–freien Zonen in Polen zu unterstützen oder zu befürworten. „Das ist nicht der Fall. Die Kompania Piwowarska ist dennoch als Sponsor einer Veranstaltung der Gazeta Polska aufgetreten. Wir entschuldigen uns aufrichtig, wenn diese Verbindung als Unterstützung der Anti–LGBT–Bewegung in Polen empfunden wurde. Das war nicht unsere Intention“, erklärt der Geschäftsführer der deutschen Asahi–Tochter, Richard Heerink. „Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind und unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung die gleichen Rechte haben.“ Vielfalt und freie Entfaltung seien seit je her ein fundamentaler Bestandteil der Unternehmenskultur. Man werde niemals Unterstützer jeglicher politischer Ideologien sein.