Protest
: Schüler demonstrieren für Klimaschutz

Mehr als 120 Schüler aus Oberhavel streikten in Berlin. Aufgerufen hatte die Bewegung „Fridays for Future“.
Von
Burkhard Keeve
Oranienburg
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  • Streikbereite Schüler aus Oberhavel: Rund 150 Jugendliche nahmen sich am Freitag, 25. Januar, die Zeit, um nach Berlin zur Klima-Demonstration zu fahren.

    Streikbereite Schüler aus Oberhavel: Rund 150 Jugendliche nahmen sich am Freitag, 25. Januar, die Zeit, um nach Berlin zur Klima-Demonstration zu fahren.

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  • ora-190216-Ilgeroth-bu Marten Ilgeroth 17 Jahre Runge-Schüler aus Borgsdorf, Schülersprecher

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    Burkhard Keeve
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Gut 120 Runge-Schüler, aber auch Jugendliche aus anderen Schulen wie dem Louise-Henriette-Gymnasium hatten sich am 25. Januar entschieden, dass es etwas Wichtigeres gibt als Unterricht – Klimaschutz. Dafür waren sie zu einer Demonstration in Berlin gefahren.  Sie folgten damit der Schülerbewegung „Fridays for Future“ (siehe Hintergrund), deren Vorbild die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden ist. Die gut vernetzte Schülerbewegung hatte wegen der Tagung der Kohlekommission, die an diesem Tag in der Hauptstadt stattfinden sollte, zum Streik vor das Bundeswirtschaftsministerium aufgerufen. Am Ende kamen mehr als 10 000 Schüler.

„Wir sind von der AG Pro Individualität auf den Streik aufmerksam gemacht worden“, sagt Marten Ilgeroth, Schülersprecher am Runge-Gymnasium (kleines Bild). „Über Whatsapp wurde alles Weitere organisiert.“ Die meisten Schülerdemonstranten aus Oberhavel stiegen gemeinsam um 10.17 Uhr in Oranienburg in die S-Bahn nach Berlin. 12 Uhr war Treffpunkt vor dem Wirtschaftsministerium. „Wir hatten Plakate dabei und vereinbart, dass wir uns ordentlich verhalten“, so der 17-jährige Gymnasiast. Es ging um die Sache und nicht um Radau.

Fächerübergreifend, ob Physik, Chemie, Politik oder Geografie, immer wieder wird das Thema Klima und Klimaschutz im Unterricht behandelt. Es geht dabei unter anderem um schwindende Ressourcen, Überproduktion und Massentierhaltung sowie alternative Energien.

Für ihren Streik an einem normalen Schultag sind einige Schüler ein Risiko eingegangen. Sie haben sich unentschuldigt vom Unterricht abgesetzt. Schwänzen für den Klimaschutz, statt Schulpflicht. „Wir haben unsere Lehrer und den Schulleiter vorher gefragt“, sagt Marten Ilgeroth. Einen Freifahrtschein haben sie nicht erhalten. „Einige Lehrer fanden die Idee, sich zu engagieren, gut, andere nicht. Doch der Schulleiter (Henry Krüger) hat klar gesagt, er kann uns nicht einfach freistellen“, so der 17-Jährige.

Also nutzten die Schüler andere Freiheiten, um keine unentschuldigten Fehlzeiten auf dem Zeugnis einzufahren. Einige hatten sowie schon früh Schulschluss und damit keine Probleme, sich der Demonstration anzuschließen. Andere hatten doe Möglichkeit, einen Freiblock und den späteren Unterricht ohne Aufsicht für sich nutzen, oder sie ließen es drauf ankommen und „holten sich später von ihren Eltern eine Entschuldigung, eine Krankschreibung – das kann keiner nachprüfen“, erläutert der Schulsprecher die verschiedenen Optionen für derartige Aktionen. Aber er weiß auch von Mitschülern, dass nicht alle Eltern einverstanden waren, dass Unterricht für die Klima-Demo in Berlin ausfiel. „Für uns ist Klimaschutz ein wichtiges Thema“, sagt Marten Ilgeroth. Das heißt aber für ihn jetzt nicht, dass jeder Freitag zum Demotag wird. Er selbst versucht auch im Alltag, etwas fürs Klima zu tun: „Strom sparen, wo es geht, mit dem Rad oder Zug, statt mit dem Auto zu fahren, nicht zu viel Essen wegwerfen, auf Massentierhaltung verzichten, Biofleisch essen, die Heizung nicht zu hoch schalten“, zählt der 17-Jährige auf.

Ilgeroths Eltern finden sein Engagement gut, soweit so gut. „Der Protest muss angemessen sein, zu viel Unterricht darf nicht ausfallen.“ Die meisten seiner Mitschüler sehen das so, sie wollen ein gutes Zeugnis, um nicht ihre Zukunft zu verbauen. „20 unentschuldigte Fehlstunden sieht kein Arbeitgeber gern auf dem Zeugnis“, ist sich der Runge-Schüler sicher.

Er steht hinter der „Fridays for future“. Sie schaffe viel Aufmerksamkeit. Es sei gut, dass sich junge Menschen Gedanken um eine gesunde Welt von morgen machen und das auch allen mitteilen. Er könne sich durchaus vorstellen eine Regionalgruppe der Bewegung in Brandenburg zu initiieren. Acht Gruppen, zum Beispiel in Neuruppin, Bernau und Eberswalde gibt es bereits, die über Chatgruppen mit- und untereinander kommunizieren. Marten Ilgeroth: „Es wichtig über Klimaschutz aufzuklären und über Projekte zu informieren.“

Zukunfts-Freitage

„Fridays for Future“ ist Teil einer neuen weltweiten Bewegung von Jugendlichen, denen der Klimawandel nicht egal ist. Ausgelöst wurde sie durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die jeden Freitag die Schule schwänzt und für einen besseren Klimaschutz streikt. Ihre Beharrlichkeit wirkt wie ein Weckruf. Sie hat viele Nachahmer gefunden. Zehntausende streiken seitdem jeden Freitag. Auch am 15. Januar gab es allein in 39 deutschen Städten „Fridays für Future“.⇥(bu)