Unsicher fühlen sich die Mädchen und Jungen der Klasse 7 d der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule nicht, wenn sie mit dem Fahrrad durch Birkenwerder fahren. Gleichwohl ist ihnen aber bewusst, dass es gefährliche Ecken gibt, überall Risiken lauern und Probleme auftauchen.
Karl Lamm aus Schildow hat zum Beispiel festgestellt, dass er an der Rathauskreuzung viel zu wenig Zeit hat, die Bundesstraße zu passieren. „Die Fußgängerampel ist nur 25 Sekunden grün. Das Rotlicht dauert dagegen 70 Sekunden“, berichtet er von den Messungen, die seine Gruppe am Donnerstagvormittag vorgenommen hat. Lisa-Marie Siefert findet, dass die Rote Brücke für Radfahrer nur schwer zu passieren sei, weil die Schienen auf der Treppe viel zu schmal seien. Oskar Rateitschak hat generell das Gefühl, dass Radfahrer von Autofahrern oft nicht oder zu spät wahrgenommen werden.

Mehrere Rad-Routen in Birkenwerder

Insgesamt vier Gruppen sind am Donnerstag im Rahmen des Projektes „Rad-Schulwege in Birkenwerder“ auf verschiedenen Routen durch Birkenwerder, Hohen Neuendorf und Borgsdorf gefahren, um Gefahrenstellen zu finden und zu beschreiben sowie Risiken zu erkennen. Das Projekt hat zum Ziel, die Schulwege auf Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit zu überprüfen sowie Mängel in der Verkehrssicherheit aufzuzeigen. Die Kooperationspartner ADFC Birkenwerder, die Gemeinde, das Netzwerk Verkehrssicherheit Brandenburg und die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule haben sich gemeinsam das Ziel gesetzt, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Planungsprozessen zu fördern. „Deshalb werden die Ergebnisse der Erkundung nach der Auswertung in das aktuelle Verkehrskonzept der Gemeinde Birkenwerder einfließen und der Verkehrsbehörde zur Verfügung gestellt“, erklärt Andreas Blaschke, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe. „Wir wollen die Jugendlichen mit dem Projekt auch für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sensibilisieren“, sagt Lehrer Robert Schwill.

Pioniere in Brandenburg

Für Brandenburg hat das Projekt Pilotcharakter und wird deshalb vom Netzwerk Verkehrssicherheit Brandenburg, das zum Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam gehört, wissenschaftlich begleitet und dokumentiert. Die Dokumentation soll als Basis für ein brandenburgweites Präventions- und Beteiligungsprojekt für Schüler der Altersgruppe 14 bis 16 Jahre dienen und allen Interessenten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
Das Projekt wurde auf Initiative der erst seit 2018 bestehenden Ortsgruppe des ADFC Birkenwerder ins Leben gerufen. Die Ortsgruppe setzt sich für mehr Fahrradfreundlichkeit und sichere Wegführungen in Birkenwerder und Umgebung ein und wird durch den Klimaschutzbeauftragen Birkenwerders unterstützt. „Bei den Verantwortlichen der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule, in der es schon länger eine Fahrrad-AG und eine kleine Selbsthilfewerkstatt gibt, stießen wir ebenfalls auf offene Ohren“, so Andreas Blaschke.