Rahmer See: Vom Ostalgie-Bad zum Gesund-Bad
Bis Ende 2021 ist die Anlage, die wegen ihres ostdeutschen Charmes bei vielen Menschen beliebt ist, an die Berliner Julia von Tresckow und Andreas Bleicher verpachtet. Vor allem im vergangenen Hitzesommer wurde von vielen Badegästen moniert, dass das Strandbad nur eingeschränkt zugänglich gewesen sei. Häufig hätten Besucher vor verschlossenen Toren gestanden. Diesen Vorwurf weist Bleicher zurück. Bei schönem Wetter hätte jederzeit gebadet werden können.
Deutrich ist an einer vorzeitigen Beendigung des Pachtvertrages interessiert, damit er schneller mit den neuen Ideen beginnen kann. Sollte es nicht klappen, habe der Pachtvertrag Bestand, stellt er klar.
Ob im nächsten Sommer das Standbad überhaupt öffnen kann, ist derzeit noch unklar. Der Landkreis hat den Eigentümer aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass der marode Abwassertank – angeblich ein alter Kesselwagen der Bahn – geleert wird. Zudem soll nach Auskunft von Landkreissprecherin Constanze Gatzke der Eigentümer, also die Familie Deutrich, dafür sorgen, dass eine neue Sammelgrube errichtet wird. Ansonsten könne das Areal nicht mehr genutzt werden. Familie Deutrich hatte die Grube aus Sorge um die Sicherheit auf dem Gelände von einem Sachverständigen prüfen lassen. Ebenso gibt es aus Sicherheitsgründen im Gebäude keinen Strom. Beide Sachverhalte bestätigte auch der Pächter Andreas Bleicher. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wer sich um die Reparatur der Stromleitungen sowie den Bau einer Sammelgrube kümmern muss. Vereinfacht geht der Streit darum: Die Eigentümerfamilie pocht darauf, dass laut Vertrag die Pächter für Instandsetzungsarbeiten zuständig seien, die Pächter sehen die Familie Deutrich in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass laut Vertrag der Badebetrieb gewährleistet werden könne. Beide Seiten beteuern, an einer einvernehmlichen Lösung interessiert zu sein.
Bad bekommt ein neues Gesicht
Wenn die Deutrichs in voraussichtlich zwei Jahren Baurecht haben, bekommt das Areal ein völlig neues Gesicht. Denn aus Sicht der Eigentümer kann das Strandbad in seiner jetzigen Form wirtschaftlich nicht betrieben werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ein Stein fiel Volker Deutrich vom Herzen, als das Naturschutz-Gutachten ergab, dass dort keine seltenen Tiere und Pflanzen vorkommen. „Dann hätten wir alle Projekte eingestellt“, versichert der Tierarzt.
Die Familie plant, das Bad an jedem Tag im Jahr zu öffnen. Zur Versorgung der Gäste ist auch ein Kiosk vorgesehen. Ziel ist es, in dem Projekt Gesundheit, Gastronomie und Tourismus in Nähe zur Natur zu verbinden. „Die Erhaltung der Naturnähe und die nachhaltige Nutzung des umliegenden Naturraumes und des Rahmersees sind dabei oberstes Gebot“, so Volker Deutrich.
Auf dem Gelände soll ein Gesundheitskomplex entstehen, in dem Fachärzte verschiedener Richtungen Sprechstunden anbieten, sich aber auch ein Allgemeinarzt niederlässt. Neben einer Sauna wird es auch Praxen für Physiotherapie und medizinische Massagen geben. Geplant ist auch ein gastronomischer Bereich mit Übernachtungsmöglichkeiten. Um Platz für die vielen Ideen zu schaffen, müssen die vorhandenen Bauten abgerissen werden.
Dass es der alteingesessenen Familie Deutrich ernst ist mit dem Millionen-Projekt wird seit Kurzem mit Transparenten deutlich gemacht. An der Straße zwischen Wandlitz und Zühlsdorf sowie direkt am Strandband hängen zwei große Plakate, die zeigen, wie das Gesund-Bad künftig aussehen soll.
Fakten zum Bad
Baden im "Gesund-Bad Rahmersee" in Zühlsdorf heißt für Familie Deutrich, im freien Wasser zu schwimmen. Es gibt keine Rutschen, Sprungtürme oder sonstige Wasserbauten.
Der Bebauungsplan für das Gesundbad ist im Mai bei einer Gegenstimme aufgestellt worden. Ziel ist es, das Strandbad zu modernisieren und dauerhaft zu öffnen.
Das Strandbad ist 2017 für fünf Jahre verpachtet worden.⇥zeit


