Restaurant
: Boddensee Birkenwerder: Das komplette Frühjahrsgeschäft bricht wegen Corona weg

Andreas Heinze, Chef im Restaurant Boddensee in Birkenwerder, macht sich auch Sorgen um seine Geschäftspartner.
Von
Jürgen Liebezeit
Birkenwerder
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Andreas Heinze ist zurzeit nicht zum Lachen zumute. Denn der Inhaber des Restaurant Boddensee macht sich Sorgen um sein Geschäft und um seine Geschäftspartner.

Jürgen Liebezeit

Nur noch sporadisch Gäste

Das komplette Geschäft droht wegzubrechen. Zum sonntäglichen Frühstücksbruch, sonst für mehrere Wochen ausgebucht, erwartet er eine Handvoll Gäste. An normalen Tagen sind es 150. Ob die großen Hochzeiten mit mehr als hundert Gästen, die für den Sommer das Restaurant gebucht haben, überhaupt stattfinden, ist völlig offen. „Wenn die abgesagt werden, geht das richtig ins Geld“, so Heinze. Pro Jahr finden etwa 50 bis 60 Feiern unterschiedlicher Größe in seinem Gasthaus statt. Das Restaurant, das über 240 Plätze verfügt, wird schon seit Tagen nur noch sporadisch besucht.

„Jetzt stehen wir vor Herausforderungen, die ich persönlich nicht für möglich gehalten habe.“ Ihm drohe ein sechsstelliger Verlust, wenn die Coronakrise sich hinzieht, so Heinze. Einen Liefer- und Abholservice, wie ihn andere Restaurants spontan offerieren, will er derzeit nicht anbieten. „Da leidet die Qualität des Essens“, begründet er den Verzicht auf diese, wenn auch geringe, Einnahmequelle.

Einzelkämpfer haben es schwer

Doch Andreas Heinze macht sich nicht um seine persönliche Zukunft Sorgen. „Wir halten das ein paar Wochen aus“, hat er seinen zwölf festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versichert. Allerdings hat er wie viele andere aus der Branche Kurzarbeit beantragt. Ihm geht es um die Menschen, die von seiner Branche abgängig sind. Er kooperiert mit gut 60 Geschäftsleuten und Künstlern. Die Bandbreite reicht vom DJ über Floristen bis hin zu Dekorateuren, Feuerwerkern, Fotografen, Entertainern, Konditoreien und Wäschereien. Vor allem die Einzelkämpfer hätten es schwer. „Viele haben keinen Plan B in der Tasche, weil sie nie die Möglichkeit hatten, Rücklagen aufzubauen“, weiß Heinze aus seinem Freundes- und Kundenkreis. Deshalb kann der Gastronom nur den Kopf schütteln, wenn Menschen sich mit Klopapier, Nudeln und Konserven eindecken. „Es macht mich wütend und sauer, wenn ich sehe und höre, wie verrückt und egoistisch manche Menschen eigentlich sind“, sagt er. „Das ist höchst unsolidarisch.“

Kritik an Kreditangeboten

Die Hilfsangebote aus der Politik kritisiert Heinze als völlig unzureichend. „Wir brauchen jetzt keine Kredite. Die müssen auch irgendwann zurückgezahlt werden. Wir brauchen finanzielle Unterstützung, damit wir unsere Angestellten bezahlen können“, spricht er sicher vielen Selbstständigen aus dem Herzen. „Wenn wir einen Euro Gewinn machen, zahlen wird 50 Cent abgaben. Wenn wir aber einen Euro Schulden machen, haben wir Pech gehabt“, rechnet Heinze vor. „Wenn ich nur einen Teil der Steuern, die ich in den vergangenen zwei Jahren gezahlt habe, erstattet bekommen würde, käme ich gut über die Runde“, sagt er, wohl wissend, dass diese Idee unrealistisch ist. Er will deutlich machen, dass sich viele Selbstständige, die mit Herzblut bei der Sache sind, im Stich gelassen fühlen. Es würde helfen, wenn dieses Jahr die Umsatzsteuer erlassen würde.

Unterstützung durch Gäste

Andreas Heinze hat trotz düsterer Aussichten beschlossen, jeden Moment zu genießen und sich über jeden einzelnen Gast noch mehr zu freuen, der in dieser schwierigen Zeit sein Restaurant am Boddensee besucht und das Team dadurch unterstützt.

DasRestaurant

Das Restaurant "Boddensee" in Birkenwerder ist in der vergangenen Saison mit dem Siegel "Brandenburger Gastlichkeit" ausgezeichnet worden.

Es verfügt über 240 Plätze, davon 120  auf der Sonnenterrasse.

Inhaber Andreas Heinze beschäftigt zwölf fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie einige Aushilfen. ⇥zeit