Schon im Alltag spielte Editha Nordwig ihre harte Schale mehr schlecht als recht. Mit ihrem ganz eigenen Humor mag sie bei einigen Eltern im ersten Moment vielleicht für so etwas wie Verwunderung gesorgt haben. Kinder jedoch liebten die Erzieherin vom ersten Moment an – und werden sie nun vermissen. Ihre Editha hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Tränen beim Abschied in der Kita „Zwergenhaus“

Am letzten Arbeitstag im „Zwergenhaus“ an der Ludwigshafener Straße war es dann ganz um ihren harten Kern geschehen. Wann immer Editha Nordwig über ihren Abschied sprach, liefen die Tränen.  „Ich freue mich darauf, in meiner Planung nun unabhängig zu sein. Aber das ,Zwergenhaus’ und die Kinder werden schon sehr fehlen, denn das war wie eine Familie.“
Seit 2005 war die Oranienburgerin, die  1975 in Schwerin eine Ausbildung zur Kindergärtnerin abgeschlossen hatte, in der Einrichtung am Lehnitzsee tätig. Zunächst für den Bereich „pädagogischer Mehrbedarf“ engagiert, stieg sie zwei Jahre später als Erzieherin ein. Leiterin Kerstin Köhler schätzte schnell ihre Fröhlichkeit, Flexibilität und Kreativität. „Sie hat ihren eigenen Humor, konnte Kinder mit ihren Sprüchen aber nie schocken. Kinder sehen das an den Augen. Editha bringt alles das mit, was eine gute Kindergärtnerin ausmacht.“ Nur ein Beispiel: „Mit ihr kannst du Puppentheater machen, ohne dich abzusprechen. Du fängst einfach an, ohne selbst das Ende zu kennen.“ So habe sie es tagtäglich geschafft, die Kinder zu erfreuen und ihnen Spaß zu bereiten.

Oranienburger Kita bietet Platz für 50 Kinder

Eine Lieblings-Altersgruppe hatte Editha Nordwig nie. „Ich war gern bei den Vorschulkindern, weil du die anders handhaben kannst. Aber ich hatte auch ein gutes Verhältnis zu den Lütten. Im ,Zwergenhaus’ geht das aber auch nicht anders.“ Die Einrichtung, die sich seit der Wendezeit in freier Trägerschaft befindet, bietet Platz für knapp 50 Kinder.
In Oranienburg hatte Nordwig 1975 ihre erste Stelle angetreten, „in der damaligen Dianastraße, die nun Hans-von-Dohnanyi-Straße heißt, hatten wir unseren alten Kindergarten“. Im Ersatzbau am Sandhausener Weg sei sie dann bis 1995 gewesen, arbeitete dann für die Familienpflege Berlin und den Verein „Eltern helfen Eltern“. Ihr Mann habe sie schließlich ermutigt, Erzieherin im „Zwergenhaus“ zu werden.
Dort hinterlasse sie nun ein großes Loch, betont Kerstin Köhler. „Dieser Spruch, wonach jeder zu ersetzen ist, trifft nicht zu. Es gibt Sachen, die hat nur Editha gemacht.“ Insbesondere würden ihre kreativen Fähigkeiten fehlen. Beim alljährlichen Basteln von Weihnachtssternen war Editha Nordwig der heimliche Star.

Tour durch Kanada coronabedingt verschoben

Nicht ausgeschlossen ist, dass sie bei diesen Basteleien auch künftig dabei sein wird. „Wenn ich gefragt werde, helfe ich gern mit.“ Das heiße aber nicht, dass ihr vor dem Rentnerdasein bange ist. Die für diesen Herbst geplante Tour durch Kanada musste aufgrund der Corona-Pandemie zwar verschoben werden. Pläne für die Freizeit gibt es aber dennoch – und dazu passende Geschenke von den bisherigen Kollegen. Ein Rollköfferchen mit ein bisschen Kapital für die Urlaubskasse gehörte ebenso dazu wie ein Gutschein für einen Flug mit einem Sportflieger. Und ein selbstgebastelter Zwerg durfte natürlich auch nicht fehlen.
Diesen brauche sie aber nicht, um gern an die Zeit im „Zwergenhaus“ zu denken. „Ich liebe Kinder!“, betont Editha Nordwig. Wenngleich sich die Welt während ihres Arbeitslebens verändert habe, sei eins geblieben: „Die Kinder sind genauso wissbegierig und liebenswert wie früher.“