Ruhestörung: Ärger um abgeschaltete Feuerwehrsirene

Etwa 40-mal im Jahr geht die Sirene in Groß-Ziethen.
dpa/Michael ReichelDie Sirene im Dorf mache Sinn, sagt John Wehden. „Ein Rufmeldeempfänger ist zuverlässig, aber nicht immer, es gibt Lücken“, sagt Wehden. Etwa, wenn ein Kamerad den Pieper zu Hause nicht am Mann hat. „Die Sirene im Dorf ist da zuverlässiger.“ Sie solle zudem Bewohner mahnen, falls etwas passiert. „Ich kenne viele Anwohner, die beim Klang der Sirene vor die Tür gehen, um zu gucken, ob alles auf dem Hof und bei den Nachbarn okay ist.“
Testphase als Sparmaßnahme
Mit einem Facebook–Post, in dem der Löschzug Staffelde/Groß-Ziethen/Flatow auf die Wichtigkeit der Sirene hinweist, wollte er niemanden an den Pranger stellen. „Es ging um reine Information“, so John Wehden. Diese anderthalbminütige „Ruhestörung“ komme etwa 40–mal im Jahr vor.
Auslöser der Ruhestörung ist Edith von Thüngen–Reichenbach. Schon 2014 fragte sie nach, ob es möglich sei, die Sirene abzuschalten. Sie wohnt im Refugium des Schlosses Ziethen. Direkt nebenan – auf dem Verwalterhaus — befindet sich seit DDR–Zeiten die Sirene. „Als der Bürgermeister im Ort war, habe ich erneut gefragt, weil die Feuerwehr ja mittlerweile digital benachrichtigt wird, sodass ein Alarm nicht notwendig ist.“ Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) wollte sich kümmern. Er tat es und ließ die Sirene verstummen. „Wenn die Feuerwehr aber auf die Sirene besteht, ist es für mich gar keine Frage, dass sie wieder in Betrieb genommen wird“, so von Thüngen–Reichenbach, die von der Aufregung, die sie ausgelöst hatte, überrascht ist.
Die Verwaltung äußerte sich am Donnerstag auf Nachfrage. Auf die Alarmierungsmethode solle nicht verzichtet werden, „auch wenn dies für den einen oder anderen nervig oder gar belästigend erscheinen mag“, so Ordnungsamtsleiterin Susanne Tamms. Jedoch will die Stadt mit einer Testphase Kosten für Instandhaltung und Betreiben der alten Anlage sparen. "Nach der Probephase wird gemeinsam entschieden, ob die zweite Sirene wieder angeschaltet wird.“