„Die Bilder, die uns nun täglich aus der Ukraine erreichen, sind unerträglich – nicht nur für diejenigen von uns, die Freunde oder Angehörige in dem Land wissen“, sagt der amtierende Oberhavel-Landrat Egmont Hamelow. Dieser macht unmissverständlich klar: „Wo wir die Menschen aus der Ukraine unterstützen können, werden wir das selbstverständlich auch in Oberhavel tun.“
Schon jetzt bereite sich der Landkreis auf die mögliche Unterbringung von aus der Ukraine geflüchteten Menschen vor. Hamelow: „Unser Landkreis wird wie schon 2015 Verantwortung übernehmen und alles dafür tun, um hilfebedürftigen Menschen eine sichere Unterbringung zu ermöglichen.“

Erste Flüchtlinge in Brandenburg angekommen

Die Zahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Brandenburg nimmt allmählich zu. Ukrainerinnen und Ukrainer können nach dem Schengen-Abkommen ohne Visum nach Deutschland einreisen und sich für mindestens 90 Tage hier aufhalten. Immer mehr Menschen kamen am Wochenende in Frankfurt (Oder) an, viele reisten aber weiter. In der Erstaufnahmeeinrichtung kamen bisher erst wenige Geflüchtete unter, berichtete am Sonntag der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde Brandenburgs, Olaf Jansen.

Welche Kapazitäten gibt es in Oberhavel?

Noch ist unklar, wie viele Flüchtlinge nach Brandenburg beziehungsweise nach Oberhavel kommen werden. „Das Land Brandenburg rechnet derzeit mit 10.000 Menschen, die Obhut benötigen. Wie viele davon tatsächlich in Oberhavel Schutz suchen, ist derzeit nicht absehbar“, so Hamelow. Wie sind die Kapazitäten in Oberhavel? „Der Landkreis kann kurzfristig in vorhandenen Unterkünften bis zu 200 Menschen unterbringen“, berichtet Hamelow. Dafür können Unterkünfte in der Dr.-Heinrich-Byk-Straße in Oranienburg hergerichtet werden. „Ebenso prüfen wir mögliche zusätzliche Kapazitäten in den Wohnheimen unserer Oberstufenzentren.“

Runde mit den Bürgermeistern

Am Montag hatte der amtierende Landrat die Bürgermeisterin, die Bürgermeister und den Amtsdirektor der Städte und Gemeinden in einer Videokonferenz gebeten, weitere Möglichkeiten zu prüfen, um Plätze für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich prüfe auch der Landkreis weitere Angebote. „Wir bedanken uns außerdem für Hilfsangebote.“ Diese habe es unter anderem von der Johanniter Unfallhilfe gegeben.

Landkreis richtet Hotline ein

Private Anbieter, die Möglichkeiten zur Unterbringung Geflüchteter sehen, können sich an den Landkreis wenden, „der die Angebote bei Bedarf koordiniert“, so Hamelow. Hilfsangebote und Nachfragen können an die Mailadresse ukrainehilfe@oberhavel.de oder telefonisch an 03301 6014800 gerichtet werden.

Soforthilfefonds in sechsstelliger Höhe

Daneben bereitet der Landkreis kurzfristig die Einrichtung eines Soforthilfefonds von bis zu 250.000 Euro zur Unterstützung von Geflüchteten vor. Diesen soll der Kreistag in seiner Sitzung am 9. März beschließen.
Der Fonds soll dazu dienen, für die in Not geratenen Menschen kurzfristig Essen, Hygieneartikel und privaten Anbietern von Wohnraum pauschal die Betriebskosten für ihre Hilfsangebote erstatten zu können. Die genauen Modalitäten werden aktuell erarbeitet. „Nach dem Kreistagsbeschluss werden wir gesondert zum Procedere der Umsetzung informieren“, so Hamelow.

Kontakt zu Partnerkreisen in Polen

Dieser wird noch in dieser Woche den Kontakt zu Oberhavels polnischen Partnerlandkreisen Biala Podlaska und Siedlce suchen, um sich ein Bild der Lage dort vor Ort zu machen und Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingswellen speziell in unseren Partnerlandkreisen anzubieten.
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Spenden für Betroffene

Wer hilfsbedürftige Menschen in der Krisenregion unterstützen möchte, kann dies unter anderem über die „Aktion Deutschland hilft“ tun, einem Bündnis deutscher Hilfsorganisationen. Das Bündnis ruft zu Spenden für die Betroffenen des Krieges auf.
■ Stichwort: Nothilfe Ukraine
■ IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30
■ BIC: BFSWDE33XXX