Sanierung
: Abwasser fließt wieder ohne Umwege

Der Starkregen vom 29./30. Juni 2017 hat ein Borgsdorfer Pumpwerk so unter Wasser gesetzt, dass es havarierte. Nun wurde es saniert.
Von
Heike Weißapfel
Borgsdorf
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  • Noch stehen sie auf einer Baustelle: Frank Moede von der Tiefbaufirma Moede, Wasser-Nord-Chef Olaf Bennühr, der Beauftragte des Werkleiters, Lothar Wolf, und Bettina Süßmann, Betriebsingenieurin bei Wasser Nord.

    Noch stehen sie auf einer Baustelle: Frank Moede von der Tiefbaufirma Moede, Wasser-Nord-Chef Olaf Bennühr, der Beauftragte des Werkleiters, Lothar Wolf, und Bettina Süßmann, Betriebsingenieurin bei Wasser Nord.

    Heike Weißapfel
  • Betriebsraum: Acht Meter tief geht es hinunter in den Pumpenraum. Das Gebäude wurde auch saniert.

    Betriebsraum: Acht Meter tief geht es hinunter in den Pumpenraum. Das Gebäude wurde auch saniert.

    Heike Weißapfel
  • Umleitung: Sie verschwindet, sobald das Pumpwerk am Netz ist.

    Umleitung: Sie verschwindet, sobald das Pumpwerk am Netz ist.

    Heike Weißapfel
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„Hier war überall landunter“, erinnert sich Lothar Wolf, Beauftragter des Werkleiters, noch lebhaft an die Regenfälle vor gut anderthalb Jahren. Innerhalb von Stunden stand das Gebiet bei Venedig in Borgsdorf unter Wasser. Auch das Hauptpumperk Borgsdorf (BD II), das das Schmutzwasser aus Hohen Neuendorf, Bergfelde und Alt-Borgsdorf Richtung Oranienburg und weiter Richtung Klärwerk Wansdorf schiebt, wurde überflutet.

„Es sind trocken aufgestellte Pumpen“, erläutert Bettina Süßmann, Betriebsingenieurin bei der Wasser Nord Gesellschaft. Helfende Hände waren damals schnell zur Stelle, erinnern sich Wasser-Nord-Geschäftsführer Olaf Bennühr, Lothar Wolf und Bettina Süßmann dankbar an die Einsätze der Kollegen wie Bert Bormeister oder Frank Moede, an Firmen wie Merkel, Moede und Curth & Wolter. Auch die Berliner Wasserbetriebe hätten mit einer Pumpe schnell und unbürokratisch ausgeholfen.

Das Schmutzwassernetz ist so sicher ausgelegt, dass es für den Havariefall Ausweichmöglichkeiten gibt. Innerhalb von zwei Tagen wurde unter schwierigen Bedingungen, weil unter anderem die Baugrube tief war und das Grundwasser abgesenkt werden musste, ein sogenannter Überpumpbetrieb geschaffen. Das Schmutzwasser floss so hauptsächlich über das Hauptpumpwerk an der Haubachstraße am Sportplatz zur Kläranlage.

Ein Notbypass, der überirdisch verlegt und dick ummantelt wurde, ist noch neben dem neuaufgebauten Pumpwerk zu sehen – und gelegentlich zu hören und zu riechen. Er verschwindet, sobald das Pumpwerk Ende April wieder am Netz ist.

Eine Dichtigkeitsprüfung für den hundert Kubikmeter fassenden Sammelraum steht noch aus. Sie wird mit Frischwasser durchgeführt, für den Fall, dass doch noch etwas schief gehen sollte. Der Sammelraum sei übrigens ohnehin für eine Sanierung fällig gewesen, so Lothar Wolf.

Insgesamt 700 000 Euro hat die Sanierung des Bauwerks, das acht Meter tief in die Erde reicht, die Erneuerung der Pumpen und der technischen Ausrüstung sowie die Aufrechterhaltung der Bypässe insgesamt gekostet. In 18 Monaten Arbeit wurde das Hauptpumpwerk praktisch einmal runderneuert. Es wird noch neu gepflastert.

Reguläre Sanierungen der Pumpwerke und Leitungen seien immer nötig, sagt Olaf Bennühr. Abwasserpumpen müssten alle fünf Jahre turnusmäßig erneuert werden. Insgesamt sei das Abwassesernetz in Hohen Neuendorf aber sehr gut aufgestellt und auch bei weiterem Zuzug in die Stadt noch bis mindestens 2024 richtig dimensioniert, ist der Wasser-Nord-Chef zufrieden.

Müllproblem

Immer wieder – und oft genug vergeblich – weisen die Fachleute darauf hin, dass Essensabfälle, reißfestes Papier, Windeln, Schutt, Chemikalien und anderer Müll nicht in die Toilette gehören. Was nicht weitergepumpt werden kann, verstopft die Leitungen oder beschädigt die Biologie im Klärwerk, was beispielsweise auch bei eingeleitetem Regenwasser geschieht. Die nötigen Reparaturen haben zur Folge, dass die Entsorgung des Schmutzwassers über Gebührenerhöhungen für alle teurer wird.⇥ (hw)