Die TAS hält Sanierung und Umbau des Speichers zu einem Wohngebäude für unwirtschaftlich. Es sei unzulässig, bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung das Nachbargrundstück heranzuziehen, so sagt TAS-Sprecher Karsten Lüchow. Beide Grundstücke seien von zwei unterschiedlichen Gesellschaften und zeitlich voneinander unabhängig durch zwei verschiedene TAS-Gesellschaften gekauft worden, erklärt Lüchow. Man könne also die beiden Projekte nicht gemeinsam betrachten.
Die Kanzlei beruft sich in ihrer Stellungnahme an das Denkmalamt auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 17. September 2008 zum Abriss eines denkmalgeschützten Weberhauses in Potsdam-Babelsberg. Darin heißt es wörtlich: "Die Wirtschaftlichkeitsberechnung hat objektbezogen zu erfolgen."  Neubauten und Speicher seien also getrennt voneinander zu betrachten, so Lüchow. Die TAS sei sicher, auch in ihrem Fall eine Abrissgenehmigung zu erhalten. Das Urteil sehe diesen Rechtsanspruch auf Abriss vor. Notfalls würde man die Genehmigung einklagen. Die TAS sei überzeugt, sich dabei durchzusetzen.
Stadtsprecher Gilbert Collé sagt, die Argumentation der TAS sei nicht neu. Die Stadtverwaltung stehe weiterhin auf dem Standpunkt, dass das Projekt "Wohnen am Speicher", für das auch weiterhin so geworben wird, als Gesamtprojekt zu betrachten sei. Das Gebäude müsse erhalten bleiben. Die Untere Denkmalschutzbehörde werde die Stellungnahme der Rechtsanwaltskanzlei nun prüfen und danach entscheiden, sagte Kreissprecherin Constanze Gatzke. Wann mit der Entscheidung zu rechnen ist, könne sie nicht sagen. Es bestehe keine gesetzliche Frist. Die Denkmalschutzbehörde werde aber "sicherlich zeitnah" auswerten.
Angebot zum Gespräch
Der TAS-Sprecher Karsten Lüchow erneuerte sein Gesprächsangebot an die Stadt Oranienburg. Im Falle einer Abrissgenehmigung wäre es für die von der TAS vorgelegten Alternativvorschläge aber zu spät. "Leider gab es seit der Entscheidung der Denkmalbehörde mit der Politik keine Gespräche mehr." In einer einstündigen Sondersitzung hatten die Stadtverordneten mit Stadtverwaltung und Investor im November lediglich die Positionen ausgetauscht. Laut einer für die TAS von einem unabhängigen Gutachter erstellten Analyse würden Sanierung und  der Umbau des Denkmals zu einem Wohngebäude 12,2 Millionen. Kosten. Das sei unwirtschaftlich und ergebe bei laufenden Mieteinnahmen einen Verlust in Höhe von 3,8 Millionen Euro. Der Vorbesitzer sei beim Verkauf des Speichers davon ausgegangen, dass der schlüsselfertige Umbau zum Wohnhochhaus mit 4,5 Millionen Euro zu beziffern sei. "Das erschien damals plausibel", sagte Lüchow. Die TAS habe aber erst später ein eigenes Gutachten erstellen können, durch das substanzielle Schäden am Bauwerk festgestellt worden seien. "Beim Erwerb war nicht bekannt, dass eine Sanierung unwirtschaftlich ist", sagte Lüchow.
Die TAS bietet der Stadt weiterhin an, sich an einer Speichersanierung zu beteiligen. Für 2,3 Millionen Euro könnte die Außenhülle "hübsch gemacht" und im Erdgeschoss ein Café eingerichtet werden. In diesem Fall ergebe sich laut Gutachter ein Unterfinanzierung von insgesamt 80 000 Euro, die durch die städtische Beteiligung kompensiert werden müsste, so Lüchow.

Neue Wohnungen sind bis Jahresende fertig


Die Neubauten mit insgesamt 264 Wohnungen am Speicher sollen bis zum Jahresende fertiggestellt werden. Nach der Bauabnahme könne im 1. Quartal 2021 mit der Vermietung begonnen werden, sagte TAS-Sprecher Karsten Lüchow. kd