Schülerfirma: Gymnasiasten machen Geschäfte mit Scrunchies
Im Rahmen des Wahlfachs „Schülerunternehmen“ am Runge-Gymnasium in Oranienburg hatte Pauline Feldhoff den Geistesblitz: Sie kam auf die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das nachhaltige Stoff-Zopfgummis, sogenannte Scrunchies, herstellt. „Ich habe das schon eine Weile zum Spaß mit meiner Mutter gemacht“, sagt Pauline Feldhoff. Als die Schülerin ihre Idee präsentierte, fand sie schnell Anklang. Lisa Eckardt kam schon bald hinzu, gefolgt von fünf weiteren jungen Frauen, die jetzt das Team hinter der Firma „Scrunchie Fever“ sind.
Die Schülerinnen sammeln Stoffe über Spenden ein, um daraus die Scrunchies zu nähen. „Das sind alte Kleidungsstücke, Tischdecken, Gardinen, alles Mögliche“, sagt Lisa Eckardt. Alles Stoffe, die sonst vermutlich in der Tonne gelandet wären. Diese zerschneiden die Schülerinnen in gleich große, rechteckige Fetzen, die später um ein Gummiband gedreht und genäht werden. „Das ist aus Naturkautschuk, von einer Firma, die in Österreich produziert“, erklärt Pauline Feldhoff. Den ganzen Nähprozess hatte die 17-Jährige ihren Mitschülerinnen innerhalb von wenigen Stunden erklärt, so einfach sei das. Die Scrunchies verkaufen die Jugendlichen auf verschiedenen regionalen Märkten, vier Euro kostet eines der modischen Accessoires.
Teil des "Junior“-Programms
Die Jugendlichen wissen von keiner anderen Firma, die genau das Gleiche macht wie sie. Die jungen Frauen finden es ärgerlich, dass die wertvollen Stoffe sonst nur im Müll landen. „Es gibt so viel Ungleichheit in der Mode-Industrie. Teilweise werden diese Stoffe aus Kinderarbeit hergestellt, und wir würden sie einfach wegschmeißen“, sagt Pauline Feldhoff, die zusammen mit Lisa Eckardt Geschäftsführerin ist. Das Unternehmen ist Teil des bundesweiten „Junior“-Programms. Dabei sollen die Schülerfirmen nicht nur echte Produkte entwickeln und echtes Geld verdienen, sondern auch alle anderen Aspekte der Betriebsführung kennenlernen. „Wir müssen Steuern an „Junior“ zahlen und Löhne an uns selbst“, so Feldhoff. Jede von ihnen bekommt 50 Cent pro Stunde, mehr kann sich die kleine Firma nicht leisten. Gerade läuft die Produktion auf Hochtouren, denn die Jugendlichen präsentieren am kommenden Sonnabend im Einkaufszentrum „Das Schloss“ in Berlin-Steglitz bei einer „Junior“-Messe ihr Unternehmen. Neben 20 anderen Schülerfirmen sind sie dabei und verkaufen die Scrunchies.
„Am Ende des Schuljahres müssen wir die Firma wieder auflösen“, so Pauline Feldhoff. Beim Auflösungsprozess müssen sie ihre Anteilseigner – das sind die sieben Jugendlichen selbst – entschädigen und die übrig gebliebenen Produkte loswerden. Ob das nicht schade ist, nach so viel Arbeit? „Naja, wir machen nächstes Jahr Abitur, das würde dann sowieso zu anstrengend werden“, so Lisa Eckardt. „Wenn es am Schönsten ist, soll man doch aufhören“, fügt Pauline Feldhoff hinzu. Nach der Schule würden sie vielleicht ein neues Unternehmen gründen – sie wissen ja jetzt, wie es geht.
Wettbewerbe der "Junior" Schülerfirmen
Das "Junior"-Programm bietet jedes Jahr Schülern und Studierenden in jeder Altersstufe an, ein eigenes Unternehmen zu gründen. "Junior" stellt Schulen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, es werden auch Veranstaltungen und Workshops angeboten. Die besten Schülerfirmen können bei Wettbewerben gegeneinander antreten. Die 16 besten, die bei den Landeswettbewerben gewonnen haben, können sich vom 15. bis 17. Juni in Köln beim Bundeswettbewerb noch einmal beweisen. ⇥wal

