298 Wohnungen sind in Liebenwalde in kommunaler Hand, plus 87 Garagen. Sie alle könnten mehrfach vermietet werden. Denn die Region ist wegen der noch erschwinglichen Mieten gefragt. Täglich erhält die Chefin der Liebenwalder Hausverwaltung, Bärbel Oehmke, „zwei bis drei Anfragen“ nach Mietwohnungen. Doch nur eine von den knapp 300 ist aktuell frei. Welche das ist, findet sich auf der Internetseite der Stadt Liebenwalde. Mit einigen Klicks wird der Wohnungssuchende auf der übersichtlichen Homepage rasch fündig.

Lange Warteliste beim kommunalen Anbieter

Es gibt gleich zwei „Reiter“, auf die geklickt werden kann: „Bauen und Wohnen“ und „Wohnungen/Immobilien“. Ganz intuitiv gelangt man zum aktuellen Angebot. Dabei handelt es sich um eine kleine Dreiraum-Wohnung in einem Wohnblock in der Zehdenicker Straße. 60 Quadratmeter für 426 Euro warm. Auch ein Ansprechpartner wird auf der Homepage gleich mitgeliefert. So gesehen, macht es die Stadt neuen Mietern einfach. Doch wenn nur eine von knapp 300 Wohnungen frei ist, ist Geduld gefragt, oder der Such-Radius muss erweitert werden. „Wir haben eine lange Warteliste“, sagt Bärbel Oehmke von der Liebenwalder Hausverwaltung. Das gilt für Einraum-Wohnungen für Single-Haushalte genauso wie für Familien mit zwei Kindern, die nach einer Vierraum-Wohnung fragen.

Günstiger als in Oranienburg, aber...

Bärbel Oehmke hat aber nicht nur kommunale Wohnungen im Bestand. Ihr Büro verwaltet auch 300 private Wohnungen in Liebenwalde und seinen Ortsteilen. Besser wird es dadurch für Suchende aber nicht. Auch im privaten Sektor sieht es ähnlich aus: Es gibt kaum Angebote. Egal, in welchem Preissegment. Ob Altbestand, frisch saniert oder neu gebaut. Bärbel Oehmke muss auch hier vertrösten und verweist auf die Warteliste. Immerhin können sich die meisten Mieter Liebenwalde noch leisten. „Wir liegen niedriger als Oranienburg“, sagt die Hausverwalterin. Während in der Kreisstadt im privatem Bereich Kaltmieten von zehn Euro und mehr keine Seltenheit sind, kommt man in Liebenwalde im privaten Bereich auf höchsten 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter und im kommunalen Bestand auf fünf bis sechs Euro für eine sanierte Wohnung.

Junge Leute werden zu Bauherren

Laut der Immobilien-Plattform Immoscout24.de liegen die Netto-Kalt-Mieten in Liebenwalde und Umgebung aktuell bei durchschnittlich 6,38 Euro pro Quadratmeter. Wer über diesen Anbieter eine Mietwohnung sucht, bekommt aktuell zwei Angebote für Drei-Raum-Wohnungen im Bischofswerder Weg für 515 und 569 Euro warm. Es gibt jedoch einen klaren Trend hin zu den eigenen vier Wänden, der in Liebenwalde zu spüren ist. „Wer Geld hat für eine komfortable Vierraum-Wohnung, der kann sich auch ein Baugrundstück suchen und bauen“, sagt Bärbel Oehmke. Gerade jetzt, wo das Geld so günstig zu bekommen sei, „gehen immer mehr junge Familien diesen Weg“. Kredit statt Miete. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich gleich ein Haus kaufen. Die 31 Angebote auf Immoscout dürften dabei nicht jedem gleich gefallen: Knapp 400.000 Euro für ein Haus mit vier Wohneinheiten am Marktplatz, ein stark sanierungsbedürftiges altes Fachwerkhaus mit 100 Quadratmetern Wohnfläche, das schon Jahre leer steht, für 70.000 Euro. Oder eine entkernte Doppelhaushälfte in Freienhagen für 290.000 Euro. Wobei entkernt heißt, dass nichts mehr drinnen ist, kein Bad, keine Küche, keine Heizung. Da muss jemandem beim Sanieren die Puste ausgegangen sein.

Schnäppchen mit Pin-up-Girls

Und die Grundstücksangebote in Liebenwalde? Überschaubar. Immoscout spuckt ein Baugrundstück in der Nähe von Hammer raus: 5600 Quadratmeter für knapp 200.000 Euro. Ein Schnäppchen. Allerdings müssen alte Werkstatthallen und Räume mitgekauft werden, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Auf den Bildern ist zum Beispiel ein Aufenthaltsraum der Arbeiter zu sehen, mit etlichen Pin-up-Girls an den Wänden und DDR-Mobiliar. Es sieht fast so aus, als hätte die arbeitende Bevölkerung gerade erst rübergemacht. Dann doch lieber weitersuchen und warten. Zum Beispiel auf kommunale Grundstücke. Die Stadt Liebenwalde hatte im November 2020 für das neue Baugebiet am Scheunenviertel Grundstücke in der Vermarktung. „Noch sind nicht alle weg“, sagt Liebenwaldes Kämmerin Kerstin Bonk. Ab April sollen die restlichen Grundstücke dann neue Besitzer finden.