Solidarität: Oranienburger Brüder gründen Hilfsnetzwerk

Haben den sozialen Aspekt im Blick: Nathanael und Nicolas Volber (von links) haben ihr Netzwerk gegründet, damit ältere Menschen durch die persönliche Isolation nicht noch einsamer werden.
privatSchwere Zeiten für die Alten
Die Brüder nennen ihr Netzwerk Alunt. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und steht für „sie ernähren oder sie pflegen“. Mit seinem Bruder gründete Nathanael eine Marketingfirma. „Wir haben jetzt die Ressourcen, anderen zu helfen.“ Unter der eigens eingerichteten Internetseite www.alunt.de können sich sowohl Freiwillige als auch Hilfsbedürftige über ein Formular anmelden. „Gerade für ältere Menschen sind es schwierige Zeiten“, sagt Nathanael. „Oranienburg hat einen großen Seniorenanteil“, so sein Bruder Nicolas. Bei der Initiative Alunt gehe es um die Vermittlung von Einkäufen, Erledigungen wie den Gang zur Post, um Medikamentenbesorgungen, Fahrdienste und Gesprächsangebote. „Wir haben in unserem Team zwei Leute, die sich um die Seelsorge kümmern“, weist Nicolas darauf hin, dass gerade ältere Menschen, bei denen viele soziale Kontakte eh schon weggebrochen sind, sich jetzt noch einsamer und isolierter fühlen könnten. Deshalb seien Zeitspenden gern gesehen.
Nicolas könnte sich zudem vorstellen, gespendete Endgeräte in Altenheime und Pflegeeinrichtungen zu bringen, damit die oftmals mit wenig Technik ausgestatteten Senioren mit ihren Angehören in Kontakt bleiben können, nicht nur über das Telefon, sondern auch per Live-Video.
In den nächsten Tagen wollen die Brüder und ihre Helfer in Oranienburgs Plattensiedlungen Postwurfsendungen verteilen, wo sie besonders viele ältere Mitbürger erwarten. Nicolas schult gerade zum Altenpfleger um. „Mir geht es darum, die Einsamkeit zu bekämpfen und Pflege sicherzustellen.“ Er sei gespannt, wie sich das Hilfsangebot entwickelt. „Noch laufen wir ja unter dem Radar und suchen Helfer.“
Hotline für Hilfesuchende
Das Angebot von Alunt ist kostenfrei. „Wir denken sozial“, so die Brüder, die Kontakte zu Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz und dem Christlichen Jugendzentrum in Oranienburg haben, unisono. Wer nicht die Möglichkeit eines Internetzugangs hat, für den haben sie eigens eine Rufnummer freigeschaltet: 0152 37745516. Dort können sich Helfer und Hilfesuchende melden. „Wir vermitteln den passenden Kontakt und verteilen die Aufgaben“, so Nathanael, der hofft, gerade über Printmedien ältere Menschen erreichen zu können.
Eine ähnliche Idee für ein Oranienburger Hilfsangebot hatte Axel Woschke. Er gründete vor wenigen Tagen die Facebook-Gruppe „Nachbarn helfen Nachbarn Oranienburg 2020“, die mit Stand Dienstag mehr als 180 Mitglieder hat. Auch er will den Betroffenen der Risikogruppe helfen, Einkäufe vermitteln, mit Hunden Gassi gehen, Arztbesuche per Auto erledigen. Die Leistung ist ebenfalls kostenfrei, Helfer werden die Wohnungen der Risikogruppe nicht betreten, informiert er. Anmelden können sich Hilfesuchende bei Axel Woschke unter 03301 5756443. Für Nachfragen und Anmeldungen ist auch Robert Friedrichs unter 0163 9047895 zu erreichen.
Hilfe für Borgsdorfer
In Borgsdorf gibt es ein ähnliches Angebot. Dort hat Michael Reichert vom FSV Forst Borgsdorf am Dienstagvormittag schon seinen ersten „Botengang“ hinter sich. Er habe eine 80-jährige Borgsdorferin zum Arzt nach Berlin gebracht, damit sie nicht mit der Bahn fahren musste. Bisher neun Mitglieder seines Vereins haben sich zusammengetan, um Borgsdorfer Nachbarn aus Risikogruppen tatkräftige Hilfe anzubieten, beispielsweise bei Einkäufen oder beim Abholen von Medikamenten aus der Apotheke, und zwar vorwiegend montags und donnerstags.
Das Angebot ist auf Facebook und der Vereinshomepage veröffentlicht, hängt aber auch als Merkzettel im Ort aus. „Es ist doch wichtig, dass man optimistisch bleibt und sich gegenseitig hilft“, findet Reichert. Das stärke auch den Zusammenhalt der Borgsdorfer. Die Idee stamme von Vereinsmitglied Chris Sarfert, so Reichert. Bei Reichert (9 bis 11 Uhr unter 0176 38642806) und Sarfert (14 bis 18 Uhr unter 0159 06267288) melden die Borgsdorfer auch ihre Wünsche an, die dann an die Mitstreiter übermittelt werden.
Auch Glienicker bieten Hilfe an
Glienickes Gemeindevorsteher Uwe Klein (SPD) hat bei Facebook die Gruppe "Nachbarschaftshilfe Glienicke" gegründet. "Diese Gruppe soll die Möglichkeit geben, Hilfe anzubieten oder auch um Hilfe zu bitten. In diesen Zeiten müssen wir zusammenhalten", begründet er die Initiative. In wenigen Tagen sind bereits mehr als 200 Personen der Gruppe beigetreten.
Kremmen hat, wie berichtet, einen Vermittlungsservice für Einkäufe eingerichtet: Nutzer und Helfer melden sich unter 033055 99816 oder einkaufshilfe@kremmen.de.⇥zeit/win