Soziales
: Notärzte eilen mit Motorrad zum Einsatz

Die Oranienburger Rettungsstelle hat jetzt ein Motorrad für Notärzte. Die Anfahrtzeiten in Notfällen sollen sich so verkürzen.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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Probefahrt: Ein Notarzt und ein Rettungshelfer machen sich mit dem neuen Yamaha-Motorrad für Einsätze vertraut.

Klaus D. Grote

Gerade macht einer der Oranienburger Notärzte einen Motorradführerschein. Seine Kollegen sind auf der nagelneuen Yamaha FZ8 schon unterwegs. „Wir sind begeistert von der Maschine“, sagt ein Notarzt. Mit bis zu 210 Stundenkilometern sollen die Einsatzzeiten deutlich verkürzt werden. Auf zwei Rädern können die Retter viel schneller ans Ziel kommen als bisher.

Die Anschaffung des Motorrads geht auf einen Beschluss des Kreistags vom vergangenen Dezember zur besseren Ausstattung des Rettungsdienstes zurück. Unter anderem soll mit Hilfe neuer Fahrzeuge bei 95 Prozent aller Alarmierungen ein Helfer in weniger als 15 Minuten vor Ort sein. Diese Werte wurden bislang in Oberhavel im Durchschnitt nicht erreicht.

Gesundheitsdezernentin Kerstin Niendorf ist sich sicher, die Anfahrtzeiten mit Hilfe des Motorrads deutlich zu verkürzen. Sie habe die Idee zur Anschaffung des Vehikels gehabt, sagt Kerstin Niendorf, schließlich sei sie selber begeisterte Bikerin. Die Idee sei ihr schon vor längerer Zeit gekommen, als sie einmal Landrat Ludger Weskamp auf ihrem Motorrad mitgenommen habe. „Er hatte sich wegen einer wichtigen Besprechung verspätet und hätte mit dem Auto den nächsten Termin in Löwenberg nicht mehr pünktlich erreicht“, sagte Niendorf. Also habe sie Weskamp chauffiert. Schnell fand sich ein passender Helm für den Landrat, der dann doch noch pünktlich ans Ziel kam. Selbst Weskamps Frisur hatte unterm Helm keinen Schaden genommen.

„Warum also sollte man den Notärzten nicht zu diesem schnellen Vorteil verhelfen?“, fragte sich die Dezernentin. Kerstin Niendorf suchte das 109–PS–Motorrad des japanischen Herstellers zusammen mit begeisterten Bikern aus der Rettungsstelle aus. Aufgeklebte Leuchtstreifen unterscheiden es von anderen Motorrädern. Von der Anschaffung bis zum ersten Einsatz ging es ganz schnell, berichtet ein Rettungshelfer. Nur bei der Zulassung hätte es etwas länger gedauert.

„Wir sind jetzt oft vor dem Rettungsfahrzeug am Einsatzort“, sagt ein Notarzt. „Selbst wenn auf der B96 Stau ist oder die Oranienburger Innenstadt wieder komplett zu ist: Wir fahren an den wartenden Autos einfach vorbei.“

Jetzt freuen sich die Notärzte, dass sie zu den schnellsten Rettern von Deutschland zählen. Nur der Anflug im Hubschrauber sei noch schneller, aber auch viel teurer. Und die Kreisverwaltung erhofft sich durch das flotte Motorrad einen weiteren Vorteil. Das Notarzt–Bike soll im Wettstreit um Fachkräfte die Notärzte nach Oberhavel locken. Den Motorradführerschein zahlt deshalb der Arbeitgeber.