Bei dem Obdachlosen handelt es sich um den Oranienburger Uwe M. Er hatte zwar mit anderen früheren Obdachlosen eine Wohnung in Schmachtenhagen, doch bevorzugte der 57-Jährige das Leben unter freiem Himmel. „Uwe war ein Freigeist. Er fühlte sich eingeengt und einsam in Schmachtenhagen. Er war Oranienburger und wollte immer in seiner Stadt sein“, sagt Janette Budtke. Die Borgsdorferin kannte Uwe seit vielen Jahren. „Er war der Grund, warum ich mich für Obdachlose engagiert habe“, sagte die 37-Jährige, die bei Behördengängen unterstützte, Lebensmittel sammelte, Weihnachtsessen organisierte und immer wieder in der Oranienburger Obdachlosenunterkunft Haare schnitt, auch die von Uwe. 2017 gründete Janette Budtke mit ihren Mitstreitern schließlich den Verein „Charity Banditen“. Erst Anfang Januar zog sich die Friseurin komplett aus dem Hilfsprojekt zurückzog, weil sie sich ausgebrannt fühlte. Gleichzeitig kritisierte sie die mangelnden Angebote der Behörden für Obdachlose. Laut Kreisverwaltung gibt es in Oberhavel keine Menschen, die auf der Straße leben. Zuletzt starb im Dezember 2017 eine 75-jährige Obdachlose in Schönfließ. Sie hatte mit ihrer Tochter im Wald gelebt.
„Uwe hätte professionelle Hilfe gebraucht“, sagt Janette Budtke. Vor einiger Zeit sei er durch die Bekanntschaft eines anderen Obdachlosen wieder in den Alkohol abgerutscht. Er sei anfällig dafür gewesen. „Er hatte alles, aber es war sein Wille auf der Straße zu leben. Vielleicht war es auch sein Wille, nicht mehr zu leben“, sagt Janette Budtke. Er habe ihr oft gesagt, „ich habe kein’ Bock mehr“. Gerade da hätte der 57-Jährige psychologische Hilfe gebraucht. „Aber ich bin Frisörin, keine Psychologin“, sagt die Borgsdorferin.
Der in Oranienburg aufgewachsen Uwe M. sei nach dem Tod seiner Mutter, die sich immer um alles gekümmert habe, nicht allein klargekommen und so in die Obdachlosigkeit gerutscht, erzählt Janette Budtke. Seit einiger Zeit litt Uwe M. an Diabetes, seine offenen Beine wurden im Zelt und unter Alkoholeinfluss wohl nicht ausreichend behandelt. Zum Arzt wollte er nicht, sagt Janette Budtke.
Schon einmal hatte Uwe M. in der Vergangenheit eine Wohnung verloren. Weil er von der Polizei betrunken auf dem Fahrrad aufgegriffen worden, saß er eine Ersatzfreiheitsstrafe ab und landete danach erneut auf der Straße. In einer Fernsehreportage über die „Charity Banditen“ sind auch Uwe und die neue Wohnung für ihn in Schmachtenhagen zu sehen. Sogar ein Mofa bekam er vom Verein, um nach Oramienburg fahren zu können.
Uwe M. hatte Brüder und eine Tochter, die keinen Kontakt wollte. Jetzt kümmert sich Janette Budtke um die Formalitäten. „Ich würde Uwe gern eine ordentliche Bestattung ermöglichen“, sagt sie. Doch dafür fehle das Geld. Sie hofft deshalb auf Spenden. Das Konto der Charity Banditen existiere noch.(kd)