Studentenprojekt
: Alpakas und Barfußpfad für eine „grüne Klinik“

Studenten der TU Berlin erstellten Konzepte für die Grünanlagen der Sana Kliniken. Unter anderem könnten Alpakas zu Therapiezwecken zum Einsatz kommen.
Von
Marco Winkler
Sommerfeld
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Die Konzepte sollen bald in der Klinik aushängen: Chefarzt Dr. Volker Liefring (rechts) zeigte sich begeistert von den Visionen der Studentinnen Sarah Fuhrmann (links) und Marina Navarro (3.v.l.), die stellvertretend für ihren Jahrgang die Ideen präsentierten.

Marco Winkler

Anknüpfung an Traditionen

Die Verbindung der TU mit dem Sana-Standort erklärt Markus Günther als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Sarah Poldrack hat als studentische Hilfskraft bei uns gearbeitet“, sagt er. Sarah Poldrack ist die Tochter von Pfarrerin Nele Poldrack aus Leegebruch, die Sana-Seelsorgerin und zudem in der Arbeitsgruppe Grünanlagen aktiv ist. Poldrack selbst bietet im Sommer historisch-meditative Rundgänge an. „Zwischen zehn und 20 Patienten nehmen teil“, sagt sie. Es gibt in der Klinik zudem Wanderungen für Schmerzpatienten, Nordic-Walking-Angebote. Reha-Chefarzt Liefring wünscht sich vom Studentenprojekt eine Anknüpfung an alte Tradition. Um 1900 entstanden zahlreiche Lungenheil­stätten in Preußen. Vor allem dort, wo es gute Berg- und Waldluft gab. 1914 kamen die ersten Patienten nach Sommerfeld in die damalige Lungenheil­­stätte Charlottenburg. Liefring will bald in Archiven nach alten Garten- und Erholungskonzepten suchen. So soll es eine vierreihige Lindenallee gegeben haben. Er erhofft sich vom studentischen Projekt auch eine Verbindung zur Geschichte der alpinen Häuser. „Mehr als 1 600 Menschen liegen auf unserem Friedhof. Wer damals an Tuberkulose litt, war ernsthaft krank, hatte Schmerzen und starb“, sagt er äußerst pragmatisch und auch ein wenig als Gegengewicht zu aktuellen Coronavirus-Gedankenspielen.

Die Konzepte der Studenten nahmen im November vorigen Jahres ihren Anfang. Drei Tage waren die Erstsemester vor Ort, um Daten zu sammeln und das Gelände zu vermessen. „Es wurden Waldflächen und Grünanlagen kartografiert“, sagt Markus Günther. Eine Topografie der Biotopflächen wurde erstellt, der Bestand erfasst. „Wir haben den Studenten keine Grenzen bei der Ideenfindung gesetzt.“

Da überrascht es wenig, dass sogar Alpakas ins Spiel gebracht werden. „Sie können als Therapie­tiere eingesetzt werden“, erklärt Studentin Marina Navarro. „Es sind friedliche Tiere, es reicht auch das Streicheln für eine positive Wirkung auf die Patienten.“ Die Erholung soll so aktiv gestaltet werden – mit Alpakas als Ankerpunkt. Sie könnten zur Bewegung animieren. In den Konzepten enthalten sind zudem Erholungspfade, die an Bienenstauden vorbei führen, oder solche für Barfußgänger. Das Umweltbewusstsein der 500 bis 600 Patienten, die pro Tag in Sommerfeld behandelt werden, soll geschult werden. „Wir wollen die gesundheitlichen Aspekte mit der Natur verbinden,“ ergänzt Kommilitonin Sarah Fuhrmann. Info-Tafeln könnten diverse Auskünfte zur Geschichte der Häuser, zu essbaren Pflanzen oder Kneipp-Methoden geben. Ferner soll ein Kräutergarten reaktiviert werden. Hochbeete sind vorstellbar. „Es könnten Workshops entstehen“, so Sarah Fuhrmann. Patientenbelehrung liege fern. „Sie sollen selbst Interesse entwickeln.“

Chefarzt Volker Liefring ist begeistert. Zumal die Studenten eine ähnliche Idee hatten, wie sie erst kürzlich im Haus besprochen wurde. Der zwei Kilometer lange Weg durch den Wald zum Beetzer See könnte zum Sinnespfad werden, den Patienten möglichst schweigend zurücklegen sollen, „um zu sich zu kommen“. Das decke sich gut mit den studentischen Ideen. Liefring will mit der Neugestaltung der Anlage vor allem diejenigen ansprechen, die das Handy mal für längere Zeit weglegen und sich auf die Natur einlassen können.

Seit zwei Jahren rücken die Grünanlagen wieder mehr in den Fokus. Davor seien sie als Genesungsfaktor etwas in Vergessenheit geraten. „Sie sind es wert, beachtet zu werden.“ Auch wenn die Umsetzung der Alpaka-Therapie schwierig sein dürfte, viele Studentenideen wie die Bienenwiesen und Gartengestaltungen sind realisierbar. Das Studentenprojekt ist damit nicht abgeschlossen. Die Entwürfe sollen in der Klinik ausgehängt werden, um Patientenreaktionen einzuholen. Im nächsten Semester wird das Projekt zudem fortgesetzt. Dabei soll laut Sana-Sprecher André Puchta „verstärkt auch die Verknüpfung von Denkmalschutz und Naturschutz im Klinikumfeld in den Fokus rücken“.

Ein Blick in die Klinik-Historie

Die Klinik-Historie beginnt 1912: In zwei Jahren entsteht das Waldhaus Charlottenburg. 1964 wird das Waldhaus in Hellmuth-Ulrici-Klinik umbenannt.

1987 wird die Klinik für operative Orthopädie gegründet. Nach der Wende übernehmen der Berliner Senat und später der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband die Trägerschaft. 1995 wird das Gebäudeensemble unter Denkmalschutz gestellt, 1997 die Reha-Klinik in Betrieb genommen. Die Klinik für Pneumologie schließt 2004.

Seit 2005 werden die Sana Kliniken von den Sana Kliniken AG und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin getragen.⇥win