Tag der Arthroskopie
: Spezialist aus Birkenwerder klärt mit einem Video auf

Interview mit Robert Tischner, Oberarzt an der Asklepios Klinik in Birkenwerder, zum Tag der Arthroskopie am 1. Februar. Er will mit einem Video Aufklärungsarbeit leisten.
Von
Jürgen Liebezeit
Birkenwerder
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  • Oberarzt Robert Tischner ist an der Asklepios Klinik in Birkenwerder Leiter  des Departments für Arthroskopie und rekonstruktive Chirurgie.

    Oberarzt Robert Tischner ist an der Asklepios Klinik in Birkenwerder Leiter  des Departments für Arthroskopie und rekonstruktive Chirurgie.

    privat
  • ora-lsb-kw2005-200201-m Birkenwerder Miniskus Arthroskopie undatiert kw2005

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    Robert Tischner
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Was genau ist Arthroskopie?

Robert Tischner: Die Arthroskopie kann die Funktionalität des Gelenks besonders schonend und schmerzlos wiederherstellen. Oft ist sie den herkömmlichen offenen Techniken sogar überlegen. Über winzige Hautschnitte werden eine Kamera und Spezial­instrumente in das Gelenk eingeführt, die Bilder werden auf einen Monitor übertragen. Die arthroskopische Operation ist die Operationstechnik, die sich am schnellsten entwickelt und schon bald ein Großteil der offenen Eingriffe am Menschen vermeidbar machen wird. Wichtig sind hier die richtige Diagnosefindung und die fachgerechte Durchführung. Am Ende können große lebensverändernde Eingriffe wie der künstlicher Gelenkersatz unnötig werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Es können zum Beispiel sehr gut eine gerissene Sehne der Rotatorenmanschette in der Schulter genäht oder ein verletztes Kreuzband im Knie genäht oder durch eine körpereigene Sehne ersetzt werden.

Wie lange dauert ein Eingriff?

Ein durchschnittlicher arthroskopischer Eingriff rekonstruktiven Charakters dauert 45 Minuten. Eingriffe am Meniskus oder eine einfache Kalkdepotentfernung an der Schulter sind auch mal nach fünf bis zehn Minuten vorbei.

Was spürt ein Patient bei dem Eingriff?

Arthroskopische Operationen werden genau wie offene Operationen in Narkose durchgeführt. Der Patient spürt also keinen Schmerz dabei. Der Vorteil der Arthroskopie ist aber, dass der Patient nach der Operation weniger Schmerzen hat. Wer will, kann bei einer Rückenmarksnarkose, also eine Spinalnarkose, sogar bei seiner Arthroskopie am Knie über einen separaten Bildschirm zuschauen. Bei dieser Narkose sind nur die unteren Extremitäten, also die Beine, schmerzbefreit.

Aber es gibt auch Kritik an der Methode?

Die Arthroskopie ist in den vergangenen Jahren oft negativ in der Presse aufgefallen. Grund dafür war die übermäßige Durchführung dieses Verfahrens, häufig bei der falschen Erkrankung. Die Patienten blieben oft unzufrieden und das innovative Verfahren kam mehr und mehr in Verruf.

Haben arthroskopisch tätige Ärzte in Deutschland, Österreich und der Schweiz deshalb eine Aufklärungskampagne ins Leben gerufen?

Genau. Seit 2019 wird der Tag der Arthroskopie am 1. Februar dazu genutzt, intensiv über die Methode  aufzuklären und Erfahrungen auszutauschen. Der Aktionstag ist Teil der Initiative „Arthroskopie hilft“ der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie. Ziel der Initiative ist es, auf die Vorteile der Arthroskopie aufmerksam zu machen und bestehende Vorurteile wirksam zu entkräften.

Wie unterstützen Sie die Kampagne?

Wir werden dieses Jahr jedes Quartal ein Video zum Thema „Arthroskopie hilft“ hochladen. Das erste Video zeigt einen professionellen Volleyballspieler der mit Hilfe der Arthroskopie wieder voll sportfähig wurde. Nebenbei wird das arthroskopische Verfahren der Knorpelzelltransplanation erläutert. Weitere Videos werden ebenfalls Sportlerschicksale illustrieren. Unter anderem wird die Geschichte eines schwer am Knie verletzten 14-jährigen Fußballers erzählt. Ein Patient war aktiver Kraftdreikampf Athlet und hat mittlerweile drei Gelenke arthroskopisch operiert bekommen. Es wird aber auch eine Geschichte geben zu einer professionellen Geigerin die nun wieder ihren Beruf ausüben kann.

Sie spielen selbst Beachvolleyball. Hatten Sie schon einmal eine Verletzung, bei der ein arthroskopischer Eingriff notwendig wurde?

Na klar. Deswegen bin ich auch in diesem Spezialgebiet der Orthopädie gelandet. Durch den Sport entzündeten sich regelmäßig einige Sehnen bei mir. Deswegen musste ich mit Tennis aufhören und begann, Beachvolleyball zu spielen. Nach ein paar Jahren bekam ich eine starke Sehnenentzündung an der Kniescheibe und konnte nicht mehr springen. Ich musste fast ein Jahr pausieren und versuchte alles, um mich ohne OP sportfähig zu bekommen. Erfolglos. Ich ließ mich dann in Birkenwerder am Knie operieren. Das ist zehn Jahre her und ich habe bis heute keine Probleme mehr.

ZurPerson

Oberarzt Robert Tischner ist leitender Arzt des Departments für Arthroskopie und rekonstruktive Chirurgie in der Asklepios Klinik Birkenwerder.

Der Arthroskopie-Experte wohnt in Berlin und ist 42 Jahre alt.

Die Klinik führt weit über 1 000 rekonstruktive Eingriffe arthroskopisch pro Jahr durch. Seit 2010 wurden nach eigenen Angaben knapp 14 000 arthroskopische Eingriffe durchgeführt.