Tierhelfer vor dem Aus?: Bauaufsicht schließt den Gnadenhof für Tiere in Not

Haben mal wieder Probleme mit der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises: Sandra und Steven Giese vom Gnadenhof in Wensickendorf (Archivbild).
MOZ/ilman TrebsDas Bauordnungsamt ordnete für den Verein „Gnadenhof Wildtierterrung Notkleintiere“ bereits am Freitag eine Nutzungsuntersagung für sämtliche Gebäude auf dem Grundstück an. Pflege– und hilfsbedürftige Haus– und Wildtiere sind in verschiedenen Stallungen, Gehegen und Volieren in der Pflege– und Auffangstation untergebracht. Der Verein betreibt eine Nothotline, auf der beispielsweise Hilfe für verletzte Tiere angeboten wird. Der Verein finanziert die Arbeit komplett aus Geld– und Futterspenden.
Die Haltung der Tiere sei unzulässig, teilte der Kreis mit. Für den im Außenbereich der Ortschaft liegenden Hof gebe es kein Planungsrecht, sämtliche Bauten seien ohne Baugenehmigung errichtet worden. Die Problematik sei dem Gnadenhof seit Jahren bekannt. Für die Räumung des Grundstücks bliebe daher „eine großzügig bemessene Frist von sechs Monaten“, teilt der Landkreis mit.
Für den Verein ist die Nachricht eine Hiobsbotschaft. Schon einmal musste der Gnadenhof schließen. 2014 hatte die Baubehörde die Hofnutzung in Lehnitz nach fünf Jahren Tätigkeit untersagt. Vorher hatten sich Nachbarn über Lärm und Gestank beschwert. In Wensickendorf ist der Hof von Weiden und Wiesen umgeben. Der Betrieb sei dort „mit Augenmaß geduldet“ worden, teilte der Landkreis mit. Es seien damals auch nur wenige Haustiere vorhanden gewesen und bis dato keine neuen Anlagen errichtet worden. Ein 2015 eingeleitetes ordnungsbehördliches Verfahren gegen das Betreiben des Hofs sei 2017 aus diesem Grund eingestellt worden. Im August vergangenen Jahres wurde nach Hinweisen des Veterinäramtes erneut ein ordnungsbehördliches Verfahren gegen den Betrieb eingeleitet, weil zwischenzeitlich neue Gehege und Volieren errichtet worden seien. Inzwischen seien mehr als 200 Tiere auf dem Hof untergebracht, darunter auch Wildtiere.
Dirk Blettermann, SPD–Fraktionschef, Kreistagsmitglied und Vorstand der Oranienburger Tierfreunde, widersprach dieser Darstellung. Bei einem Besuch am Wochenende habe er etwa 50 Tiere gezählt, die meisten davon seien Katzen, Hunde, Meerschweinchen und Kaninchen. Er sei empört über das Vorgehen des Kreises, weil seit vier Wochen gemeinsam mit der Stadtverwaltung um eine Lösung gerungen werde. Auch für diesen Dienstag ist ein Gespräch über den Gnadenhof der Baubehörden von Kreis und Stadt geplant. „Ich habe den Eindruck, die Baubehörde will dem Gnadenhof den Gnadenschuss geben“, sagte Blettermann. Es sei „albern“, die große Keule gegen die Auffangstation zu schwingen, die auch eine soziale Komponente besitze, weil häufig Kindergruppen den Hof besuchen würden. „Offenbar gibt es dafür keine Empathie im Bauamt des Kreises. Ich werde da parlamentarisch im Kreistag nachhaken“, kündigte Blettermann an.