Tierleid in Oberkrämer
: Verwahrloste Kaninchen aus schockierender Notlage gerettet

UPDATE (6. Dezember) Schreckliche Zustände in Oberkrämer: Etwa 30 Kaninchen wurden aus katastrophalen Bedingungen gerettet. Nun äußerte sich der Landkreis. Das ist über den Fall bekannt.
Von
Stefan Zwahr
Oberkrämer
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Ein glückliches Leben erwartet nicht alle Kaninchen. Tierschützer machten einen Fall ganz anderer Art aus Oberkrämer öffentlich.

Franziska Gabbert/dpa

Rund 30 Kaninchen sollen in Oberkrämer unter miserablen Bedingungen auf einem abgelegenen Grundstück gehalten worden sein. Eine Tierrechtsorganisation berichtet über den Fall und schildert die extremen Verhältnisse. Das Veterinäramt des Landkreises wurde aktiv.

Die Tierrechtsorganisation Peta informierte am 1. Dezember in einer Mitteilung über den Fall. Dort heißt es, dass Fotos und Videos die katastrophale Kaninchenhaltung in Oberkrämer belegen würden.

So sollen die Verhältnisse in Oberkrämer gewesen sein

Nach Angaben der Tierschützer wurden die rund 30 Tiere als „Zucht- und Mastkaninchen“ auf einem abgelegenen Grundstück eingesperrt. „Dort waren tote Kaninchen, Müll, verschimmelte Nahrungsreste, Fäkalien und viele Ratten zu sehen.“ Die Kaninchen hätten unter einem äußerst schlechten Versorgungszustand gelitten. „Die Fäkalienschicht war zum Teil so hoch, dass sie sich nur noch schwer und geduckt fortbewegen konnten.“

Tierschützer klagen an

● Zucht- und Mastkaninchen hätten aus Sicht der Organisation Peta kaum Anspruch auf ein unversehrtes Leben, ausreichend Auslauf und Schutzmöglichkeiten.

● Das führe dazu, dass so gut wie alle für die Zucht oder die Mast gehaltenen Tiere ein Leben lang leiden.

● In Deutschland würden jährlich rund 30 Millionen Kaninchen für ihr Fleisch getötet.

Ein Tier sei isoliert von seinen Artgenossen in einem sehr kleinen Käfig in einem Wohnwagen eingesperrt gewesen. „Es saß auf einer etwa 20 Zentimeter hohen Schicht aus Fäkalien, sodass seine Ohren bereits an den oberen Gitterstäben des Käfigs anstießen.“ Etwa zehn weitere stark verwahrloste Kaninchen mussten in sogenannten Kaninchenbuchten ausharren. Laut Aussage von Peta hatten einige Tiere keinen Zugang zu Wasser (da die Tränken teils mit Kot und Urin gefüllt gewesen sein sollen) und extrem lange Krallen.

Lob für das Veterinäramt Oberhavel

Laut der Mitteilung meldete Peta den Fall dem Veterinäramt des Landkreis Oberhavel. Die Behörde rettete alle Kaninchen und brachte sie sicher unter. „Wir bedanken uns für das schnelle Eingreifen des Veterinäramts und die vorbildliche Zusammenarbeit“, wird Jana Hoger, bei der Organisation Fachreferentin für tierische Mitbewohner, zitiert. „Die Zustände auf dem Grundstück waren schwer zu verkraften. Die Kaninchen litten Tag für Tag in den von Fäkalien verdreckten Ställen. Umso schöner ist es, dass sie nun in Sicherheit sind.“

Der Landkreis Oberhavel teilte am 5. Dezember auf Nachfrage mit, dass durch das Veterinäramt am Vormittag des 28. November die Kaninchenhaltung in einem Oberkrämer Ortsteil kontrolliert worden seien. Die Tierschutzorganisation Peta habe den Fall am Sonntag, 26. November, gemeldet. „Der Tierhalter hatte seinen Bestand bis auf wenige Tiere bereits selbst aufgelöst“, heißt es. Vier Kaninchen seien am 28. November vom Grundstück geholt und anderweitig untergebracht. „Ob ein Tierhaltungsverbot angeordnet wird, wird geprüft.“

Animal Hording – Fälle aus Oberhavel

Berichte wie aus Oberkrämer sind in der Region kein Einzelfall. Meldungen über das Animal Hoarding – die Sucht, Tiere zu sammeln – gibt es immer wieder. Nach Angaben von Peta waren von 2012 bis 2018 mindestens 17.055 Lebewesen von krankhafter Tierhortung betroffen – „wobei die Dunkelziffer weitaus höher liegen dürfte“.

Erst im August 2023 mussten in Oberhavel 31 Hunde aus einer prekären Situation gerettet werden. Anfang 2022 gab es einen Einsatz in Hennigsdorf. Dort lebten in einem Einfamilienhaus 37 Katzen, die zusammen in eineinhalb Zimmern hausten. Ein anderer krasser Fall von Animal Hoarding machte schon 2002 in Liebenwalde erste Schlagzeilen.

Das ist Peta

● Die Abkürzung steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“ (Menschen für die ethische Behandlung von Tieren).

● Nach eigenen Angaben handelt es sich dank 1,5 Millionen Unterstützenden um die größte Tierrechtsorganisation des Landes. Die Finanzierung läuft fast ausschließlich über Spenden.

● Peta setzt sich „durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen“.

● Das Peta-Motto lautet: „Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.“

● Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.