Tourismus: Neue Tourismuslinie steuert ab 1. Mai den Tierpark Germendorf an

Bekommt endlich den lang ersehnten Halt: Der Tierpark Germendorf wird von der neuen Tourismuslinie angesteuert.
Winkler MarcoDie Linie soll vorerst bis Oktober am Wochenende und feiertags Oranienburg mit dem Tierpark Germendorf, Schwante und Kremmen verbinden – und andersrum. Hervorgegangen sei die Idee aus einem Zufallsgespräch, sagte Dirk Jöhling, Vorsitzender des Fördervereins Regionalpark Krämer Forst. Der Inhaber vom Forsthaus Sommerswalde habe sich um einen Rufbus bemüht. "Das müssen wir auf größere Füße stellen“, dachte sich Jöhling und holte weitere Akteure ins Boot. "Schnell wurde ein Konsens gefunden.“
René Buyna, Betriebsleiter bei der Oberhavel Verkehrsgesellschaft, habe in zwei Wochen ein Angebot erstellt. Wie Buyna am Mittwoch auf Nachfrage mitteilte, habe die OVG das Genehmigungsverfahren eingeleitet. „Wenn wir das Okay bekommen, startet die Linie am 1. Mai“, so Buyna. Ein zusätzlicher Bus müsse nicht angeschafft werden. Es werde sich aus der Flotte, die unter der Woche fährt, bedient. Mit Kremmens Beschluss stehe nun die komplette Finanzierung. Die Kommunen Oranienburg, Kremmen und Oberkrämer sowie fünf Unternehmer finanzieren die Probephase. Sie teilen sich zu je einem Viertel die Kosten von knapp 37 000 Euro. „Das ist eine einmalige Sache“, sagte Jöhling, der nicht gedacht hätte, dass die Investition in den Tourismus in Kremmen derartige Wellen schlägt.
Hintergrund: Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) wurde zuerst von der Fraktion UWG/LGU und später von der Kommunalaufsicht darauf hingewiesen, dass es sich bei einer Kofinanzierung nicht um ein Geschäft der laufenden Verwaltung handele. Der Hauptausschuss müsse zustimmen. In Oberkrämer und Oranienburg scheint es derartige Probleme nicht zu geben. Stefanie Gebauer (UWG/LGU) kritisierte den Alleingang des Bürgermeisters. Weiter: „Ich verwehre mich gegen Klientelpolitik.“ An der Tourismuslinie beteiligen sich neben den Kommunen das Forsthaus Sommerswalde, der Tierpark Germendorf, das Schloss Schwante, die Bäckerei Plentz und der Spargelhof Kremmen.
Eckhard Koop (parteilos) wies auf den eingestellten Spargelbus hin. Er habe sich nicht gerechnet. „Wir mit einem Minus von 7 000 Euro rausgegangen“, sagte er. „Die Nachfrage ist nicht da.“ Viele Kremmener würden solch eine Tourismuslinie als Subventionierung einzelner Unternehmer sehen. „Es kann nicht sein, dass ein Gewerbe so bevorzugt wird“, sagte er in Hinblick auf den Spargelhof.
Koop stimmte – wie Stefanie Gebauer und andere Kritiker – dennoch für die finanzielle Beteiligung der Stadt. „Widerwillig“, wie Gebauer sagte. "Und nur, wenn wir die Ergänzung mitbeschließen.“ Die brachte Reiner Tietz (Linke, Fraktion Koop) ein. Demnach soll die Stadt aufgefordert werden, sich bei Kreis und Land um eine PlusBus-Linie zu bemühen, die täglich fährt.
Frank Bommert (CDU) sieht darin zwei Anliegen und äußerte Zweifel, ob der Kreis sich beteiligen werde. „Der Bus soll im Stundentakt fahren“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass sich das rechnet.“ Für Sebastian Busse steht dem Vorhaben nichts im Weg. „Wir werden das beantragen und sehen, wie sich der Landkreis positioniert“, sagte er. Reiner Tietz erklärte: „Der PlusBus hat mit der Wochenend-Linie eigentlich nichts zu tun, das stimmt, aber uns geht es darum, die gesamte Verkehrssituation zu verbessern.“
Der Hauptausschuss beschloss beide Vorhaben einstimmig. Die 9 200 Euro für den Tourismusbus nimmt Kremmen aus einem Tourismus-Posten. „Aus dem vorigen Jahr sind hierfür noch 10 000 Euro übrig“, erklärte der Rathauschef. „Wir machen das für die Kremmener“, sagte er. „Wir müssen auch den Touristen mehr bieten als nur das Scheunenviertel.“
Haltestellen
■ Folgende Haltestellen soll der Tourismus-Bus ansteuern: Bahnhof Oranienburg, Oranienburger Schloss (Breite Straße), Dorfstraße in Germendorf, Tierpark Germendorf, Forsthaus Sommerswalde, Kirche Schwante, Kremmen Bahnhof, Spargelhof und Marktplatz in Kremmen.
■ Die Linie fährt im Zwei-Stunden-Takt. Einen zusätzlichen Bus muss die OVG dafür nicht anschaffen. Die OVG will im Anschluss an den Probebetrieb Fahrgastzahlen zur Auswertung liefern.⇥(win)