Umbruch im Speedwayteam
: „Wir haben eine Mammutaufgabe vor uns“

Dennis Richter ist neuer Vorsitzender des traditionsreichen Vereins aus der Gemeinde Oberkrämer. Er sagt, einiges liege im Argen.
Von
Stefan Zwahr
Wolfslake
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Das Speedwayteam Wolfslake hat einen neuen Vorstand (von links): Vereinschef Dennis Richter, Schatzmeister Christian Termin, Schriftführerin Claudia Weisheit, Frank Hoffmann (2. Vorsitzender) und Sportleiter Elmo Schröder, der bislang Jugendleiter war. "Wir sind voller Motivation, neuer Ideen und viel Tatkraft."

Verein

Als Zehnjähriger erlebte Dennis Richter die Hochzeiten in Wolfslake hautnah mit. „Mitte der 80er Jahre bin ich mit dem Fahrrad von Börnicke durch den Wald zum Speedway gefahren. Ich kenne die Bahn noch mit der Bretterbande. Da sind die Steine noch geflogen.“ Nun ist Dennis Richter 45 Jahre alt und seit wenigen Tagen Vereinsvorsitzender. Und das in einer Situation, wo es um die Existenz des Clubs geht, der einst um die Deutsche Meisterschaft fuhr und bei hochkarätig besetzten Rennen Tausende Zuschauer auf den Eichenring lockte. Zeiten, von denen beim Speedwayteam derzeit nur geträumt werden kann. „Kleinere Brötchen backen ist angesagt“, betont der neue Clubchef.

Seit 2014 ist Richter im Verein. „Als ich mich bei der Jahreshauptversammlung im Februar 2019 für den Posten des Stellvertreters aufstellen ließ und gewählt wurde, war das für einige Leute ein Problem.“ In den Wochen und Monaten danach habe es „ein bisschen Stunk“ gegeben. „Es hat sich alles aufgeschaukelt, bis es irgendwann zum kompletten Bruch kam. Es war keine weitere Zusammenarbeit mehr möglich.“ Die Vorsitzende Anne Wolfgram (die sich auf Nachfrage nicht äußern wollte, um weiteren Schaden vom Club abzuwenden) trat Ende Juli aus persönlichen Gründen zurück, auch der Sportliche Leiter Domingo Krecklow ging.

Seither musste einiges aufgearbeitet werden, so Richter. „Wir sind mittlerweile gut dabei.“ Gerade für den kürzlich neu gewählten Schatzmeister würde es jede Menge Arbeit geben. „Wir wussten nicht, ob und was es an offenen Rechnungen gibt.“ Klar sei aber schnell gewesen, dass in keinem Rennen mehr ein Plus erwirtschaftet wurde. „Der Teamcup, der das Unterhaus der Bundesliga ist, hat mehr gekostet, als abgemacht war.“ Im September mussten dann „aus Gründen einer bisher unsicheren Finanzlage“, wie es in einer Pressemitteilung hieß, sogar zwei Rennen abgesagt werden.

„Wir haben eine Mammutaufgabe vor uns, um die letzten zwei Jahre aufzuarbeiten“, bemerkt Dennis Richter. Dass er sich trotz der schwierigen Situation wählen ließ, begründet er so: „Im letzten Jahr haben wir mit Hilfe einiger Sponsoren die Rennbahn neu gemacht. Wenn man jedes Jahr 300 oder 400 Stunden an der Rennbahn verbringt, will man das nicht umsonst gemacht haben.“ Die neuen Vorstandsmitglieder seien allesamt recht neu im Geschäft, aber motiviert bei der Sache. „Wir wollen es irgendwie wieder rocken und müssen Lösungen finden. Es ist ein Vorstand, wo alle miteinander können. Das sollte die Grundvoraussetzung sein, war aber letztes Jahr nicht der Fall.“

Die kurzfristigen Ziele: „Das Vereinsleben muss wiederbelebt werden. Und es geht darum zu gucken, wo man steht und mit welchen Sponsoren man rechnen kann.“ Die internen Reibereien der letzten Monate seien für die Außendarstellung nicht schön gewesen. „Wir müssen den Verein wieder positiv in die Schlagzeilen bringen.“ Ansatzweise habe man schon im letzten Jahr eine gewisse Wandlung feststellen können. Im Nachwuchsbereich wurde die Zahl der Mitglieder zwischen drei und 18 Jahren nahezu verdoppelt, eine neue Flutlichtanlage entstand, die Kinderbahn wurde fertiggestellt. Bei den Trainingseinheiten am Mittwoch (immer 16 bis 19 Uhr) hätten die Kinder bei der neuen vereinseigenen PW–50–Maschine Schlange gestanden, um Probefahrten machen zu können. Richter: „Viele Kinder haben wir auch über den ,Tag der offenen Tür’ gewonnen.“ Beweisen dürfen auch diese sich am 29. März. Dann findet auf der Anlage ein Startbandtraining unter Rennbedingungen statt.

Oberkrämerpokal findet statt

Um sich im Juniorenbereich, wo Fahrer in der B–Klasse und bei den Kleinsten an den Start gehen werden, zukunftsorientiert aufstellen zu können, würde es laut Richter relativ intensive Kontakte zum Verein aus Parchim geben. „Deren Jugendarbeit ist vorbildhaft. Dem wollen wir nacheifern“, so der Wolfslaker Vereinschef.

An einer traditionsreichen Großveranstaltung wollen die Wolfslaker aber doch festhalten. So soll auch in diesem Jahr am Herrentag (Donnerstag, 21. Mai) der Oberkrämerpokal ausgetragen werden. „Das ist unser Ziel. Es muss einfach klappen. Wir sind jetzt schon in den Vorbereitungen“, verrät Dennis Richter. Er hofft, damit Leute an die Bahn zu bekommen. Denn trotz der Sorgen sei klar: „Speedway ist ein spektakulärer und geiler Sport. Wenn man einmal Blut geleckt hat, kommt man nicht mehr weg.“