Umfrage zur Mobilität in Brandenburg: Gesamtnote 3 – Pendler sehen Licht und Schatten

Freie Fahrt oder Stau-Stellen – wie weiter mit der Mobilität in Brandenburg? In der großen Umfrage zum Mobilitätskompass haben Brandenburgerinnen und Brandenburg ihre persönliche Situation eingeschätzt. (Symbolbild)
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaWie mobil sind die Menschen in der Region? Das Thema bewegt die Brandenburgerinnen und Brandenburger. Beleg dafür sind fast 8000 ausgefüllte Online-Fragebögen zum Mobilitätskompass, den die Redaktionen der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau – in Kooperation mit der Agentur „Die Mehrwertmacher“ und unter wissenschaftlicher Begleitung der Evangelischen Hochschule Dresden im Juni initiiert haben. Auch einige Nutzer aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen in Sachsen, in denen die Lausitzer Rundschau erscheint, haben sich an der Umfrage beteiligt.
Der Online-Fragebogen hatte drei Schwerpunkte: alltägliche Wege und die aktuelle Nutzung von Verkehrsmitteln, die Einstellungen und Bewertungen zum Mobilitätsangebot vor Ort sowie persönliche Erfahrungen und Wünsche im Zusammenhang mit Mobilität.
Mobilität in Brandenburg: Ergebnisse der Online-Umfrage und regionale Unterschiede
Das Ergebnis: Schulnote befriedigend. Mit einem Durchschnittswert von 2,99 wird die Mobilität in Brandenburg bewertet – wobei es durchaus Unterschiede in den Regionen gibt. Die beste Bewertung kann Schwedt (Uckermark) verbuchen, dort liegt die Note bei 2,68. Schlusslicht ist Kremmen (Oberhavel) mit einer Note von 3,27.
Die Uckermark hat auch im Vergleich der Landkreise am besten abgeschnitten (2,77), Dahme-Spreewald belegt mit 3,05 den letzten Platz.
Verkehrsmittelwahl und Pendler-Distanzen: Wie die Brandenburger unterwegs sind
Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad – als Flächenland sind die Brandenburgerinnen und Brandenburger auf verschiedene Verkehrsmittel angewiesen. Laut den Umfrageergebnissen beträgt der durchschnittliche Arbeitsweg 29,8 Kilometer, etwa 39 Minuten sind die Pendler im Durchschnitt täglich unterwegs. Das entspricht auch in etwa den Daten des Landesamtes für Statistik, wonach viele Beschäftigte in Brandenburg 25 Kilometer und mehr täglich zur Arbeit zurücklegen.
Mehr als die Hälfte der Befragten (4086 Teilnehmende) geben an, den Pkw fast täglich zu benutzen, 2500 Menschen fahren fast täglich mit dem Fahrrad, und nur 1100 Teilnehmer nutzen fast täglich Busse und Bahnen.
Bewertungen zur Infrastruktur und Mobilität ohne Auto in Brandenburg
Betrachtet man die einzelnen Themenfelder, wird insbesondere die Infrastruktur für Autofahrer als gut oder sehr gut bewertet (74 Prozent). Die Infrastruktur im ÖPNV lässt für fast die Hälfte der Umfrageteilnehmenden (49 Prozent) jedoch zu wünschen übrig. Erstaunlich: 40 Prozent brauchen kein Auto, um mobil zu sein.
Beim Thema Sicherheit sind die Brandenburgerinnen und Brandenburger in fast allen Punkten zufrieden. Negativer Ausreißer ist die Parkplatzsituation vor Schulen und Kitas, die 65 Prozent der Teilnehmenden als schlecht oder eher schlecht bewerten.
Eine glatte 3,0 bekommt auch das Angebot im Nahverkehr – immerhin 35 Prozent aller Teilnehmer meinen, dass ihre Wohngegend mit Bus und Bahn eher schlecht oder schlecht erreichbar ist.
E-Mobilität in Brandenburg: Akzeptanz und Hürden aus Sicht der Bürger
Das Auto spielt für die meisten Teilnehmenden aktuell eine große Rolle. Fast 85 Prozent der Haushalte besitzen mindestens ein oder sogar zwei Autos. Dem Thema E-Mobilität stehen die Brandenburgerinnen und Brandenburger noch skeptisch gegenüber. Lediglich 8,2 Prozent geben an, ein E-Auto zu nutzen. Gründe, die für sie gegen ein reines E-Auto sprechen, sind: der hohe Anschaffungspreis und das Ladenetz, das noch unzureichend ausgebaut ist.
Ausblick: Auswertung der Umfrage und Konfrontation der Verantwortlichen mit den Ergebnissen
Nicht alle Teilnehmenden haben alle Fragen beantwortet. Trotz der hohen Teilnehmerzahl gilt die Erhebung nach wissenschaftlichen Kriterien nicht als repräsentative Umfrage. Dennoch haben die Ergebnisse eine hohe Aussagekraft – und werden im Rahmen unserer Berichterstattung zum Mobilitätskompass in den kommenden Wochen ausführlich ausgewertet. Dabei können Rückschlüsse bis in die Landkreise, Städte und auch kleine Kommunen gezogen werden. Unsere Reporterinnen und Reporter werden die Verantwortlichen vor Ort mit den Ergebnissen konfrontieren.
Mobilitätskompass in Brandenburg 2023
7991 Menschen aus Brandenburg und Sachsen haben an der großen Online-Umfrage von MOZ und LR teilgenommen.
Bei den meisten Bewertungsfragen gab es fünf Antwort-Kategorien zwischen den Polen 1 (sehr gut) und 5 (sehr schlecht).
Ab Oktober werden die Ergebnisse veröffentlicht und ausgewertet. Damit wollen und können wir noch gezielter auf Probleme oder positive Entwicklungen in unserer Heimat eingehen.
Der Mobilitätskompass ist nach dem Familienkompass die zweite große Online-Umfrage, an der sich MOZ und LR beteiligt haben.
