Und das hat Folgen! Das Wasser steht in den ufernahen Erlenbrüchen höher als üblich. Die Standfestigkeit der Bäume nimmt dadurch langsam ab. Die ersten drei Bäume sind kürzlich schon bei leichtem Wind umgestürzt. Zwei weitere Bäume sind erheblich zur Seite geneigt und haben sich in Nachbarbäumen verfangen. Deshalb hat die Verwaltung den Wanderweg auf der Nordseite bereits gesperrt. Es muss eine Spezialfirma gefunden werden, die die Bäume beseitigt. Ob der Wanderweg anschließend wieder geöffnet werden kann, ist nach Einschätzung von Hilmar Schütte vom Umweltamt der Gemeinde offen. Zunächst müsse abgewartet werden, wie hoch der Biber das Wasser anstaut. "Dann müssen die Folgen beobachtet werden", so Schütte. Möglicherweise muss der Wanderweg am Boddensee länger gesperrt werden, entweder weil er überflutet wird oder weil die Bäume in Ufernähe nicht mehr standfest sind. Unklar ist auch, welche Folgen die Anstauung für Anlieger der Briese haben.
Der Umgang mit dem Biber ist Birkenwerder ein sensibles Thema. Erst Mitte Mai ist unter der Brücke an der Sacco-Vancetti-Straße ein Wasserhindernis aus Ästen beseitigt worden. Nach Ansicht von Fachleuten der Naturschutzbehörde und der Wasserbehörde sowie des Wasser- und Bodenverbands sei nicht der Biber Verursacher gewesen. Um Schäden am Brückenbauwerk zu vermeiden und um einen besseren Abfluss zu gewährleisten, wurden die Äste und Stämme aus dem Bachbett geholt. Anlieger, darunter der Gemeindevertreter Peter Ohme (Pro Birke), kritisierten den Eingriff. Nach seinen Beobachtungen sei der Biber der Bauherr unter der Brücke gewesen. Er und seine Nachbarn begrüßen die Ansiedlung des Bibers in der ortsinneren Briese.
Auch Hilmar Schütte vom Umweltamt freut sich, dass der Biber seit gut zwei Jahrzehnten wieder in der Briese lebt. Er habe sich immer dafür stark gemacht, die Tiere gewähren zu lassen, so lange die Folgen niemanden gefährden. "Wir agieren da immer sehr umsichtig und vorsichtig", so Schütte. Er bezeichnete es als "bösartige Unterstellung", dass die Verwaltung den Biber in Birkenwerder nicht wolle.
Die aktuelle Entwicklung am Boddensee werde regelmäßig begutachtet – und zwar im weiten Umfeld. So könne der neueste Damm sogar Folgen für die geschützten Orchideenwiesen am ehemaligen Sandsee haben. "Wenn die Flächen nicht vernässt sind, können die seltenen Pflanzen absterben", so Schütte. Deshalb gelte es, in der Biberfrage alle Seiten zu betrachten, bevor gehandelt werde. Inzwischen leben zwischen Zühlsdorf und Birkenwerder mindesten zehn Familien in dem gut 17 Kilometer langen Bach.

Verzicht auf Steg im Paradies

Eine Lösung zur Steganlage im Paradiesgarten am Stolper Weg ist jetzt auch in Sicht. Dort hatte eine Biberfamilie einen Damm und eine Burg gebaut, wodurch große Teile des Stegs durch das Biotop überschwemmt und am Ende sogar zerstört wurden. Ursprünglich sollte der Weg saniert werden. Doch die Kostenschätzung ließ die Mitglieder des Ortsentwicklungsausschusses auf der jüngsten Sitzung umdenken. Die Sanierung könnte mehr las 400 000 Euro kosten, weil die Gründung der Steganlage in dem morastigen Gebiet sehr aufwendig ist. Deshalb stimmte der Ausschuss einstimmig gegen die Sanierung. Jetzt soll der intakte Weg bis zur Brücke so lange erhalten bleiben, bis eine Reparatur zu kostenintensiv ist. Am neuen Wanderweg oberhalb des Stegs werden Sichtfesten in die Botanik geschnitten, damit es einen freien Blick auf die Briese gibt. Zudem soll in der Straße "Am Paradiesgarten" ein Spazierweg angelegt werden. Der versunkene Steg wird demontiert. Die Kosten dafür werden auf 14 500 Euro geschätzt. Die Arbeiten sollen im Herbst stattfinden, um die sensible Vegetation zu schützen, teilte Bauamtsleiter Jens Kruse im Ausschuss mit.