Vandalismus: Tierparkchef beklagt sich über Zerstörungen

Die Hinweisschilder im Tierpark sind eigentlich eindeutig, werden aber oft ignoriert. Im Sommer musste Torsten Eichholz ein Affenweibchen einschläfern, weil es von Besuchern unerlaubt mit Schokolade gefüttert worden war und danach schwer erkrankte.
Tilman Trebs„Das musste mal raus“, sagt Eichholz zwei Tage später in seinem Büro, das einen herrlichen Blick über die Germendorfer Waldseen bietet. Natürlich habe der Post nur den Besuchern seines Parks gegolten, die sich davon angesprochen fühlen, und schiebt gleich nach: "Die allermeisten unserer Gäste sind wirklich toll. Wir hatten auch in diesem Jahr wieder viel Freude mit ihnen.“ Ein kleiner Teil der Kundschaft aber macht nicht nur Eichholz und seinen Mitarbeitern immer wieder das Leben schwer, sondern auch den Tieren. Erst in diesem Sommer musste Berberäffin Bimba eingeschläfert werden, nachdem sie von Besuchern mit Schokolade gefüttert worden war. „Das ist blankes Gift für die Tiere“, sagt Eichholz. Bimba bekam fürchterliche Magenkrämpfe. Der Tierarzt konnte ihr nicht mehr helfen. „Das erleben wir leider immer wieder“ beklagt, der Tierparkchef. Die überall an den Gehegen hängenden Schilder, dass das Füttern der Tiere verboten sei, werden häufig ignoriert. „Dabei machen wir das nicht ohne Grund. Wir wissen, was die Tiere brauchen und kümmern uns. Lediglich dort, wo Futterspender stehen, dürfen Tiere gefüttert werden, und auch nur mit dem, was wir zur Verfügung stellen“, sagt Eichholz. Es seien doch nur Salzstangen gewesen, hat eine ertappte Frau dem Tierparkchef mal entgegnet. „Salz ist aber genauso schlimm wie Schokolade.“ Bimba sei nicht das erste Tier, das falscher Tierliebe im Park zum Opfer gefallen ist. Teure Operationen kommen häufig vor. Auch würden Absperrzäune häufig ignoriert. Mancher Gast hat schon Schadenersatz gefordert, nachdem er von einem Waschbären gebissen wurde. Eine Frau verletzte sich an der Seilbahn, weil sie den Sicherheitsbereich verließ, um ein Foto zu schießen. „Das alles passiert nicht, wenn man die Hinweise beachtet“, meint Eichholz.
Eigentlich erwartet Eichholz von seinen Gästen nicht mehr, als Hinweisschilder und Absperrungen im Park zu respektieren. Weil auch viel internationales Publikum kommt, hat er die Tafeln in mehrere Sprachen übersetzen und teilweise illustrieren lassen. Auch die Vielzahl der Mülleimer im Park ist unübersehbar. Mindestens alle 30 bis 50 Meter haben Gäste die Gelegenheit, ihren Unrat in die in den Boden eingelassenen Tonnen zu entsorgen. Trotzdem müssen seine Mitarbeiter immer wieder achtlos weggeworfenen Müll einsammeln. Auf dem Parkplatz ließen Gäste unlängst einen ganzen Sack zurück.
Im Sommer wurde zudem das beliebte Überschlaggerät „Luna Loop“ schwer beschädigt. Besucher waren zu dritt in das Gerät gestiegen. Zugelassen, so steht es auch unmissverständlich auf den Schildern, sind zwei. Mehr können sich darin auch nicht sichern. Eine junge Frau stürzte beim Überschlag durch die geschwungene Scheibe aus dem Gerät. „Sie hat sich sehr wehgetan. Uns hat die neue Scheibe 800 Euro gekostet – plus Mehrwertsteuer und Einbau.“
Ein aktuelles Problem sind die Pilzsucher an der Kiesgrube jenseits der Landstraße. „Sie dürfen dort in die Pilze gehen. Es wäre aber schön, wenn die dafür vorgesehenen zwei Eingänge genutzt werden“, sagt Eichholz. Machen viele aber nicht. Mehrfach musste er feststellen, dass die Schutzzäune hochgebogen oder zerschnitten wurden.
Wegen der immer wieder verdreckten Toiletten habe es schon Beschwerden gegeben. „Dabei sind wir sehr hinterher, für Sauberkeit zu sorgen“, sagt Eichholz. Sollte es nicht besser werden, müsse er die Anlagen bewachen lassen. „Dann sind wir aber schnell bei ein, zwei Euro und nicht mehr mit 50 Cent dabei.“
Der Germendorfer Tier- und Freizeitpark
Die Germendorfer Waldseen waren einst Kiesgruben, die für den Autobahnbau zwischen Berlin und Rostock genutzt wurden. Der damalige Eigentümer entwickelte den Tierpark ab den 1990er-Jahren aus eigenen Mitteln.
Heute umfasst der Park rund 69 Hektar. Das Wegenetz ist sechs Kilometer lang. Es führt durch eine Kinderspiellandschaft, den Tierpark mit rund 650 Tieren sowie durch den Saurierpark mit dem 25 Meter hohen Vulkan.⇥til
