Die Havelhausener Brücke über den Oder-Havel-Kanal soll unter Vollsperrung der Berliner Straße von Borgsdorf nach Oranienburg neu gebaut werden. Die für zwei Jahre geplante Baumaßnahme kann nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Eberswalde frühestens ab 2023/24 umgesetzt werden.
Das Amt geht davon aus, dass das notwendige Planfeststellungsverfahren Ende nächsten Jahres eingeleitet wird. Zuvor muss noch die Umweltverträglichkeit geprüft werden.
Im März sei der Auftrag, die bereits vorhandenen Pläne zu überarbeiten, ausgelöst worden, informierte das Amt im Juni das Hohen Neuendorfer Rathaus. Bereits 2009 habe sich bei einer Variantenuntersuchung ein „Ersatzneubau unter Vollsperrung als wirtschaftlichste Lösung“ erwiesen, teilte das Amt in dem Schreiben an die Verwaltung mit. Dieses Schreiben liegt auch den Mitgliedern des Bauausschusses vor. Sie wurden auf ihrer Augustsitzung über die bevorstehenden Arbeiten informiert. Ein Ersatzbau für die Zeit der Vollsperrung scheidet demnach aus finanziellen Gründen aus.
Die frühere Bundesstraße, die nach dem Bau der B 96 neu zu einer Kreisstraße abgestuft wurde, wird an Werktagen von tausenden Kraftfahrzeugen genutzt. 2015 wurden im Durchschnitt mehr als 15 000 Kraftfahrzeuge gezählt. Die Fahrzeuge müssen dann über Lehnitz fahren, um von Oranienburg nach Borgsdorf oder umgekehrt zu kommen.
In Hennigsdorf gab es zwischen Nieder Neuendorf und Spandau ein ähnliches Problem. Dort sollte die marode Brücke auch unter Vollsperrung der Verbindung erneuert werden. Nach Protesten aus der Stadt wird nun eine Ersatzbrücke gebaut.
Die Fraktion der Linken in Hohen Neuendorf hat das Thema aufgenommen und wenigstens den Bau einer Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer gefordert. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion zur Stadtverordnetenversammlung eingereicht. „Die Bauarbeiten ziehen sich zwei Jahre hin. Das ist den Bürgern sowie den direkt angrenzenden Gewerbetreibenden nicht zuzumuten. Eine Querung, zumindest für Fußgänger und Radfahrer, sollte gewährleistet werden“, heißt es in dem Antrag. „Wir müssen jetzt Druck machen“, appelliert der frühere Stadtverordnete Manfred Hick aus Borgsdorf an die Lokalpolitiker und die Stadtverwaltung. Die hat bereits vor zehn Jahren reagiert. „Die Stadt forderte bereits bei der erstmaligen Vorstellung der Pläne im Jahr 2010, dass im Zuge des Brückenersatzbaus eine Behelfsbrücke zur Aufrechterhaltung des Verkehrs eingesetzt wird“, sagte Stadtsprecher Daniel Dinse auf Anfrage.
„Die Sackgasse wird zu einem Drama werden“, prophezeit Manfred Hick, der im Hohen Neuendorfer Bauausschuss als sachkundiger Einwohner mitarbeitet. Er glaubt, dass es möglich ist, Platz zumindest für eine Ersatzbrücke zu schaffen.
Die Nutzung der Brücke ist bereits eingeschränkt. Fahrzeuge, die mehr als 21 Tonnen wiegen, dürfen die Überführung nicht nutzen.