Vorbereitung: Nationalteam trainiert in Oranienburg für die WM der Maurer
In ihrer schlichten, aber schicken Montur sind sie unschwer als Maurer zu erkennen. Außerdem haben sie Kellen in der Hand, eine Mörtelwanne vor sich. Drei von ihnen stechen hervor. Sie lassen sich auch von Besuch und Beobachtern nicht aus der Ruhe bringen. Sie setzen weiterhin Stein auf Stein, klopfen hier fest, korrigieren dort, vertiefen Fugen, treten zurück und nehmen Maß.
Jeder von ihnen hat dieselbe Aufgabe: Eine gemauerte Wand soll entstehen, die den Bundesadler als Form enthält. Im Oranienburger Lehrbauhof befinden sich Christoph Rapp, Pierre Holze und Roman Breitung in einer Art Trainingslager.
Sie sind Profis ihres Fach, die Besten ihres Handwerks aus ganz Deutschland. Das steht auch auf dem Ärmel ihres Hemdes: Nationalteam Deutsches Bauhandwerk. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige Christoph Rapp aus Schemmerhofen (Baden-Württemberg). Er ist der amtierende Maurer-Europameister und hat im vergangenen Jahr in Ungarn die Goldmedaille ermaurert. Jetzt entsendet ihn das Nationalteam Deutsches Bauhandwerk im August zur Weltmeisterschaft ins russisches Kazan. Jener Ort an dem die Deutsche Fußballnational-Nationalmannschaft so schmählich aus dem Turnier flog. Für den 22-Jährigen ist das aber kein schlechtes Omen. „Ich werde mein Bestes geben. Vieles hängt aber auch von der Tagesform ab“, gesteht er. Gerade sieht er, dass sich einige Steine gesenkt haben. Die Fugen haben sich dadurch vergrößert. „Das kann ich zwar ausgleichen, aber im Wettbewerb wird alles nachgemessen“, sagt Rapp. Acht Wochen Zeit zum Trainieren hat er noch bis zur Weltmeisterschaft. Start ist jetzt in Oranienburg. Die anderen Übungseinheiten finden in ähnlichen Ausbildungszentren verteilt in ganz Deutschland statt. Natürlich möchte die Bauindustrie die WM-Teilnahme auch entsprechend für sich vermarkten und für ihre Branche und den Nachwuchs werben.
Im Oranienburger Trainingszentrum stehen den jungen Maurer-Talenten zwei Maurermeister zur Seite. Zum einen Jannes Wulfes aus Harsum (Niedersachsen). Der 23-Jährige belegte 2017 bei der WM in Abu Dhabi einen fünften Platz. Außerdem steht dem Team noch Kevin Schulz zur Seite. Der 29-Jährige ist Ausbildungsmeister im Oranienburger Lehrbauhof.
Sie achten auf die Feinheiten am gemauerten Bauwerk. „Jeder Millimeter zählt“, sagt Schulz. Bei der WM hat Christoph Rapp vier Tage (insgesamt 22 Stunden) Zeit, sein Weltmeisterstück abzuliefern. Er tritt gegen 30 andere Teilnehmer an. Schulz: „Da muss er alle seine Fähigkeiten voll abrufen.“
Sollte Rapp bis August ausfallen, können Pierre Holze oder Roman Breitung einspringen. Holze ist 19 Jahre und amtierender Deutscher Meister. Er arbeitet in Mühlenbeck. Breitung erzielte die Bronzemedaille bei der DM im vergangenen Jahr.
Der Oranienburger Lehrbauhof, Dr.-Heinrich-Byk-Straße 5, ist die überbetriebliche Ausbildungsstätte für Maurer, Zimmerer, Fliesenleger und Straßenbauer. Infos zu Berufen und Pratika gibt es unter 03301 523860 und www.lehrbauhof-oranienburg.de.
1600 Teilnehmer
Die Berufsweltmeisterschaft "Worldskills" (Skills heißt auf deutsch Fähigkeiten) findet vom 22. bis zum 27. August in Kazan statt. Mehr als 1 600 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern werden in fast 60 Disziplinen gegeneinander antreten. Zur deutschen WM-Delegation gehören die Mittglieder des Nationalteams des Deutschen Bauhandwerks mit einem Fliesenleger, einem Maurer, einem Stuckateur, einem Zimmerer und zwei Betonbauern.⇥(bu)


