Vortrag: Modisches aus dem alten Ägypten

Edelgard Müller (Mitte) aus Friedrichsthal hat Tunika und Haarnetz einer vornehmen Ägypterin anprobiert. Flankiert wird sie von Archäologin Dr. Cäcilia Fluck (links) und Textilrestauratorin Kathrin Mälck.
Daria Doer„Seit genau 20 Jahren bieten wir der Vergangenheit ein Forum in diesen Räumen, aber heute hören Sie wirklich mal etwas ganz anderes“, begrüßte die Vorsitzende des Fördervereins Manuela Dörnenburg 30 erwartungsvolle Zuhörer. Es ging um Kleidung aus der Spätantike, die sich im ägyptischen Wüstensand erhalten hat.
Fundstücke aus Gräbern
Die Referentinnen nahmen Besucher mit auf eine Zeitreise. Fotos von Originalen wurden antiken Kunstwerken gegenübergestellt, auf denen Menschen in dieser Kleidung zu sehen sind. Aufregend wurde es, als Nachbildungen gezeigt wurden, ergänzt von Bildern, auf denen lebende Menschen die Nachbildungen tragen. Die Zuhörer erfuhren, wie eine Tunika gewebt wurde und dass dieses Kleidungsstück von Kindern, Männern und Frauen gleichermaßen getragen wurde.
Dann sahen sie die originalgetreue Rekonstruktion des Kleidungsstückes. „Sie ist erstaunlich schwer und kratzt, aber Sie dürfen sie gerne nachher selbst anprobieren“, sagte Kathrin Mälck und zeigte ein ähnliches Gewand für Kinder. Da alle Fundstücke aus Gräbern stammen, ist die Tunika für ein neugeborenes Kind besonders bewegend und zugleich lebensecht. Sogar eine Puppe, für die eine passende Tunika genäht worden ist, gehört zum Bestand des Bode-Museums. Nach den Kriegswirren befand sich nur noch das Kleid der kleinen Puppe in Berlin, während die Puppe heute zum Bestand des Moskauer Puschkin-Museums gehört.
„Eitelkeit ist immer ein Thema“
Außer den Tuniken gehören zugeschnittene und zusammengenähte Gewänder zur Garderobe vornehmer Ägypter. Teile einer Amtstracht für Hofbeamte mit Mantel, Beinlingen, Strümpfen und Stiefeln wurden in Birkenwerder vorgeführt. Nach dem Vortrag gab es Fragen zu Material und Techniken sowie zur Zusammenarbeit mit anderen Museen. „Eitelkeit ist beim Menschen immer ein Thema“, stellte Cäcilia Fluck auf die Frage nach dem damaligen Verständnis von Mode fest. Sarah Klasse, Studentin aus Birkenwerder, freute sich: „Das war wundervoll! Ich bin glücklich, in unserer kleinen Gemeinde solch einen Vortrag zu hören.“