Werbung statt Bagger: Bauverzug am Bahnhofsvorplatz
Manfred Protzek ist begeistert. „Ich freue mich über jede Veränderung, die für Menschen gemacht wird.“ Und am Bahnhof werde es künftig eindeutig schöner als bisher aussehen. Da ist sich der 80-jährige Lehnitzer sicher. Vor 20 Jahren sei er aus Pankow nach Lehnitz gezogen, seither habe sich die Stadt gemacht. Nur am Bahnhof müsse noch etwas passieren. Gerade an der Stralsunder Straße sei es wichtig, dass die dort ankommenden Besucher einen guten Eindruck von der Stadt bekämen. Das sei bisher nicht der Fall. Die neu aufgehängten Plakate sind Manfred Protzek noch nicht aufgefallen. Das sei etwas für Passanten. „Autofahrer können das nur lesen, wenn hier Stau ist“, sagt er.
Der Bauzaun steht da, wo sich früher ein Imbiss und die Fahrradabstellanlage befanden. Seit dieser Woche wird auf großen Plakaten für die Umgestaltung geworben: „Hier baut die Stadt Oranienburg“, steht da in großen Lettern. Ein anderes Plakat zeigt die Zukunft in einer Illustration, auch ein Bauplan ist zu sehen sowie eine Beschreibung der Veränderungen, die mit dem Bau des Fahrradparkhauses ihren Anfang nahm. Seit der Eröffnung des zweistöckigen Parkhauses für 1 086 Fahrräder stockt die Entwicklung jedoch. Die alten Fahrradständer sind noch nicht komplett abgebaut. Sie mussten Platz machen für den neuen, überdachten Busbahnsteig und eine Haltestelle für Taxis und Pkw.
Wenn die Bushaltestellen fertig sind, soll der Platz vorm Bahnhofsgebäude neu gepflastert werden. Die Fläche bleibt künftig Fußgängern vorbehalten. Die Ampel verschwindet, auf der ebenfalls neu gepflasterten Stralsunder Straße wird Tempo 20 gelten. Nach deren Fertigstellung ist die Neugestaltung der Flächen vorm Schul- und Postgebäude vorgesehen. Dort werden die Rabatten mit Bänken und neuen Sträuchern umrandet. Hölzerne Sitzgelegenheiten entstehen auf langen Betonbändern. Zusätzlich werden einzelne Hocker auf der gesamten Fläche verteilt. Erneuert werden auch die Wegweiser, die bisher relativ ungeordnet aufgestellt sind.
Spätestens im Frühjahr sollte mit dem Umbau begonnen werden. Doch der Zeitplan wackelt. „Wir mussten die Bauausführung neu ausschreiben“, sagt Baudezernent Frank Oltersdorf. Auf die erste Ausschreibung habe es lediglich ein überteuertes Angebot gegeben. Aktuell können noch Angebote abgegeben werden. 1,7 Millionen kostet die Platzgestaltung, Bund, Land und Stadt übernehmen davon je ein Drittel.
Nach dem bisherigen Fahrplan sollen bis Ende 2020 alle Arbeiten abgeschlossen sein. Der Umbau ist Teil eines städtebaulichen Konzeptes mit weiteren Veränderungen. Vorgesehen ist der Abriss des kleines Geschäftshauses, in dem sich eine Waffenhandlung und eine Fahrschule befinden, um Platz für Parkplätze zu schaffen. Auch der südliche Zugang zu den Bahnsteigen über eine Brücke von der Stralsunder Straße ist Teil des Konzepts. Es ist aber völlig unklar, wann und ob diese Verbesserung für Bahnfahrer erreicht werden kann. Das gilt auch für die Verlängerung des Bahnhofstunnels zur Neustadt. Die Beteiligten – Stadt und Bahn – treten auf der Stelle. Genauso ist derzeit unklar, wann die vor drei Jahren begonnene Sanierung des Bahnhofsgebäudes fortgesetzt und abgeschlossen wird.
Städtebaukonzept
■ Um das Erscheinungsbild am Bahnhof sowie die Sicherheit und Aufenthaltsqualität für Fußgänger zu verbessern, entwarf die Gruppe Planwerk im Auftrag der Stadt und ihres Sanierungsträgers BIG-Städtebau das städtbauliche Intwicklungskonzept, das 2016 vorgestellt und mit Bürgern diskutiert wurde.
■ Aus dem Konzept bereits umgesetzt wurden das im August 2018 eröffnete Fahrradparkhaus sowie die Erweiterung des Pendlerparkplatzes an der StralsunderStraße/Lehnitzstraße. Ursprünglich hatten die Planer allerdings ein dreieinhalbgeschossiges Parkhaus in Modulbauweise an der Ecke Lindenstraße vorgesehen. ⇥(kd)




