Wirtschaft: Onlineauktionshaus für Autos lässt sich in Oranienburg nieder

Neu im Gewerbepark Süd: Auktionator Rainer Scholler leitet das Berliner Autobid.de- Auktionszentrum in der Hans-Grade-Straße 5 in Oranienburg.
Friedhelm BrenneckeEigentlich wollte die Firma Cast tech in der Halle Autoteile im großen Stil produzieren. Doch richtig kam das Geschäft der Aludruckgießerei nicht zustande. Inzwischen ist der Betrieb längst insolvent. Seit Monatsbeginn werden in der Hans-Grade-Straße 5 dafür im großen Stil Gebrauchtwagen versteigert. „Allerdings nicht für den Endverbraucher. Unsere Kunden sind ausschließlich gewerbliche Autohändler“, betont Rainer Scholler ausdrücklich. Der 57-Jährige ist der Leiter des Autobid.de-Auktionszentrums Berlin, in dem noch sechs weitere Beschäftigte arbeiten.
„Wir sind gerade nach Oranienburg umgezogen, weil wir zum 30. Juni den Standort in Berlin-Siemensstadt räumen mussten. Denn dort ist Wohnungsbau geplant“, sagt Rainer Scholler, der auch noch das Autobid.de-Auktionszentrum in Leipzig leitet. Seit 20 Jahren ist der Berliner im Auktionsgeschäft, seit 13 Jahren bei Autobid.de – einer Marke der Auktion & Markt AG. Gegründet wurde das Unternehmen vor 31 Jahren von Karl Rolf Muth, heute Vorstandsvorsitzender.
Anfangs wurden Gebrauchtwagen auch an Private versteigert. Seit 2000 allerdings nur noch an registrierte gewerbliche Autohändler. Aus den Live-Auktionen sowie aus der Kombination von Live- und Online-Auktionen seien inzwischen – bis auf den Standort Hamburg – reine Online-Auktionen geworden. "Samstags und dienstags auch am Standort Berlin, also in Oranienburg“, sagt Rainer Scholler. Das Unternehmen hat das 14 000 Quadratmeter große Grundstück mit der riesigen Halle im Insolvenzverfahren erworben. In der Halle seien noch zahlreiche Investitionen und Umbauten erforderlich, sagt der Zentrumsleiter.
Auffallend sind die vielen Autos, die auf dem Gelände im Gewerbepark Süd stehen. Rund 250 sind es aktuell. „Wir haben die gesamte Palette für unsere Händler im Angebot“, sagt Scholler. Vom in die Jahre gekommenen Wagen, der nur noch 100 Euro wert ist, bis hin zum Luxusfahrzeug, für das noch 100 000 Euro aufgerufen werden. Fahrzeuge aller namhaften großen Autobauer sind bei Autobid.de zu finden. Auch Nutzfahrzeuge, Wohnwagen und Motorräder werden versteigert. Die eingelieferten Fahrzeuge stammen von Herstellern, Markenniederlassungen, Banken, Leasinggesellschaften, Autovermietern und auch von Flottenbetreibern.
Das Geschäft brummt und wächst Jahr für Jahr. Rund 4 000 Fahrzeuge versteigern die neun Auktionszentren von Autobid.de in Deutschland in einer Woche, mehr als 120 000 sind es im Jahr. Tendenz steigend. Etwa 30 Prozent der Fahrzeuge sichern sich Händler im Ausland. Autobid.de zählt damit zu den führenden Gebrauchtwagenvermarktern in Europa. Rainer Scholler ist überzeugt davon, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird. Denn zum Beispiel auch Fahrräder, E-Bikes oder E-Scooter, die für die Mobilität eine immer größere Bedeutung bekommen, sieht er künftig auch mit im Portfolio des Unternehmens.
Autobid.de versteht sich als Dienstleister im weiteren Vermarktungsprozess. Die Einlieferer seien froh, dass sie ihre Höfe nicht unnötig mit Gebrauchtwagen zustellen müssten und durch den transparenten und reibungslosen Prozess der Auktionen sei ihnen außerdem eine rasche Liquidität garantiert. „Wir übernehmen die Vermarktung und bieten dabei ein Full Service-Angebot“, sagt Rainer Scholler.
Autobid.de habe sich über die vielen Jahre sowohl bei Einlieferern als auch bei den Käufern großes Vertrauen und einen guten Ruf erarbeitet, der Garant des Erfolgs sei. Der Standort Berlin, also jetzt Oranienburg, sei der kleinste der neun Auktionszentren. Das hänge damit zusammen, dass in der Hauptstadt der klassische Autohandel noch eine größere Rolle spiele, als das etwa in Hamburg, München, Stuttgart oder Frankfurt am Main der Fall sei, sagt Rainer Scholler.
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